Neues Lesejahr
Zum Glauben eingeladen
- Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669): Matthäus und der Engel. Zu sehen im Louvre-Lens in Lens, Frankreich.
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Mit dem ersten Advent beginnt ein neues Kirchenjahr und damit auch ein neues Lesejahr. Jedes dieser Jahre stellt ein anderes Evangelium in seinen Mittelpunkt. Im Lesejahr A, das nun anfängt, erhält das Evangelium nach Matthäus besondere Aufmerksamkeit.
Es ist nicht nur das längste der vier Evangelien, lange galt es in der frühen Kirche auch als das älteste. Dem Apostel Matthäus zugeschrieben, war es den ersten Christen eine Art „Summe“ der Lehren über das Leben Jesu – es war das Evangelium schlechthin. Auch wenn Wissenschaftler heute davon ausgehen, dass es nicht das älteste der Evangelien ist, sondern um 80 n. Chr. entstanden ist, als Markus schon „sein“ Evangelium geschrieben hatte, behält es eine Sonderstellung: Es gilt als das anschaulichste, praxisbezogenste und einladendste der vier Evangelien.
Da ist zum Beispiel die Beschreibung Jesu als Immanuel – „Gott mit uns“, wie er vom Propheten Jesaja verheißen wird: „Siehe: Die Jungfrau hat empfangen , sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.“ (Jes 7,14). Das greift Matthäus in seiner Erzählung der Geburt Jesu auf, die er eng an die prophetische Messiasverheißung anknüpfen lässt. Darin und in seinen immer wiederkehrenden Zitaten aus dem Alten Testament macht Matthäus deutlich: In Jesus wird der verheißene Messias geboren, der Menschensohn, der Sohn Gottes; in ihm wird uns Gott ganz nah.
Das wird dann zugleich zur Einladung – zu einer Einladung direkt von Gott. Sie kommt so attraktiv daher, dass man sie fast annehmen muss. Nichts anderes erwartet sich Christus. Er fordert die Jünger auf, ihm nachzufolgen und das auf kompromisslose Weise.
Sich nicht für diesen Jesus zu entscheiden, wäre ganz einfach die schlechtere Wahl.
Simon und Andreas, seine ersten Apostel, fischen gerade, als er sie beruft. Sie lassen ihre Netze liegen, ohne nochmal einen Blick zurückzuwagen (Mt 4,20). Diese anfängliche Begeisterung für das Wort Jesu beizubehalten, verlangt er immer wieder. Besonders eindrücklich macht Christus das in der Bergpredigt, in der er nicht nur jene seligpreist, die arm, trauernd, sanftmütig, hungrig und friedvoll sind, sondern in der er auch Verderben für diejenigen ankündigt, die nicht seiner, also der göttlichen, Weisung folgen. Zwei Wege gibt es: Den breiten und angenehmen Weg, der letztlich ins Verderben führt und die schmale Tür, die uns das Heil eröffnet (Mt 7,12-14). Durch die zahlreichen Wunder, die Matthäus im Anschluss beschreibt, wird schnell klar: Sich gegen diesen Jesus zu entscheiden, wäre ganz einfach die schlechtere Wahl: Mit ihm steht uns ein Gott gegenüber, der gekommen ist, um zu heilen, um zu retten, um zu helfen. Schon die Berührung seines Gewandes heilt (Mt 10,22) und seine liebevolle Zuwendung gilt besonders denen, die von der Gesellschaft geächtet sind: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“ (Mt 9,12).
Der Jesus des Matthäusevangeliums ist einer, der von den großen und kleinen Schicksalen der Menschen berührt wird. Sei es der Tod des Johannes des Täufers, nachdem Jesus sich trauernd in die Einsamkeit zurückzieht (Mt 14,13) oder aber die tausenden hungrigen Menschen, die gekommen waren, um ihn zu hören, aber leider nicht weitsichtig genug, sich genug zu Essen mitzunehmen: „Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen“ (Mt 15,32).
Der Gottessohn Jesus Christus findet seinen gewaltsamen Tod in Jerusalem und seine letzten Worte am Kreuz sind die eines gläubigen, fühlenden Menschen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt27,47). Doch es bleibt nicht das Letzte, was die Jünger vom Heiland hören sollen: Nachdem er wieder auferstanden war, offenbarte er sich seinen Jüngern, trug ihnen auf, seine Botschaft in die Welt hinauszutragen. Der bis heute andauernde Auftrag des mitfühlenden und zur Gefolgschaft einladenden Christus und das Evangelium des Matthäus enden mit der Zusage: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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