Serie der Theologischen Kurse
Niemand hat Gott je gesehen

Wie Vater, Sohn und Geist zueinander stehen, definieren die Glaubensbekenntnisse. Bild: Darstellung der göttlichen Dreifaltigkeit durch den Meister von Meßkirch um 1540 als „Gnadenstuhl“.
  • Wie Vater, Sohn und Geist zueinander stehen, definieren die Glaubensbekenntnisse. Bild: Darstellung der göttlichen Dreifaltigkeit durch den Meister von Meßkirch um 1540 als „Gnadenstuhl“.
  • Foto: Wolfgang Radtke/KNA
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Glaubensbekenntnisse ersetzen die Bibel nicht, sondern verweisen auf sie als Grundlage unseres Glaubens.

Sonntag für Sonntag wird das Glaubensbekenntnis im Gottesdienst gesprochen – üblicherweise das Apostolische, zu besonderen Anlässen das so genannte Große Glaubensbekenntnis. Letzteres können nur wenige Gläubige auswendig – und nicht alle wissen, dass das Große, genauer: das „Nizäno-Konstantinopolitanische“ Glaubensbekenntnis, wichtige dogmatische Festlegungen enthält, die von den beiden ersten Ökumenischen Konzilien in Nizäa (325) und Konstanti­nopel (381) eingefügt wurden. Nicht wenige Christ/innen haben mit diesen alten Texten ihre Schwierigkeiten. Es gelingt ihnen nicht, diese Inhalte mit ihrem eigenen Glaubensverständnis zusammenzubringen.

Eine bestimmte Auslegung der Bibel.
Ja, es sind alte Texte, in denen der persönliche und gemeinschaftliche Glaube öffentlich zum Ausdruck kommt. Durch das gemeinsame Rezitieren stelle ich mich in die Gemeinschaft, für die dieses Bekenntnis grundlegend ist. Wichtig: Glaubensbekenntnisse basieren auf der Heiligen Schrift und akzentuieren die Auslegung der Bibel. So war die Auseinandersetzung in Nizäa, beim ersten Konzil überhaupt, ein Ringen um das biblische Christuszeugnis. Ist der Sohn Gottes ein Geschöpf oder ewiger Sohn des Vaters: „wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen …“? Das Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) hält – in durchaus interpretationsbedürftigen Formulierungen – fest, dass in Jesus Christus, dem menschgewordenen Sohn, wirklich Gott selbst als Liebe nahegekommen und offenbar geworden ist: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18)

Theologische Erschließung. Um die Bedeutung und Tiefe der Aussagen der Glaubensbekenntnisse erfassen zu können, braucht es ein Minimum an theologischem Wissen. Auch für das Verständnis anderer Glaubenssätze kann dies von Vorteil sein. Ich hatte etwa lange Zeit Schwierigkeiten mit der Aussage „Er sitzet zur Rechten Gottes“. So wie sich manche Aussagen und Bilder der Bibel erst durch Hintergrundinformation erschließen, ist es auch bei Passagen der Glaubensbekenntnisse.

Nicht der ganze Jesus. Die Glaubensbekenntnisse fassen wesentliche – biblisch bezeugte – Glaubensinhalte zusammen. Aber über das Leben Jesu schweigen sie sich aus: Auf „geboren von der Jungfrau Maria“ folgt im Apostolischen Glaubensbekenntnis sogleich „gelitten unter Pontius Pilatus“. Auch im Großen Glaubensbekenntnis schließt „für uns gekreuzigt“ direkt an „Mensch geworden“ an. Der Jesus der Glaubensbekenntnisse isst nicht mit den Sündern, heilt nicht und predigt nicht das Reich Gottes … Die Glaubensbekenntnisse – wie alle kirch­lichen und dogmatischen Aussagen – ersetzen die Bibel nicht, sondern verweisen auf sie als Grundlage unseres Glaubens.

Teil 4 von 4 von Mag. Erhard Lesacher, Leiter der THEOLGOISCHEN KURSE

Wir glauben
an den Heiligen Geist,
der Herr ist
und lebendig macht,
der aus dem Vater und
dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und
dem Sohn angebetet
und verherrlicht wird,
der gesprochen hat
durch die Propheten.

„GROSSES“ GLAUBENSBEKENNTNIS,
GOTTESLOB 586

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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