Maria und Pfingsten
Mutter der Kirche

Ausschnitt aus dem Gemälde „Pfingsten“ des flämischen Barockmalers Matthys Voet. Das Bild ist Teil eines Zykluses von 15 monumentalen Gemälden, die – von verschiedenen Malern um 1616 geschaffen – die Geheimisse des Rosenkranzes in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen darstellen. | Foto: Wikimedia Commons
  • Ausschnitt aus dem Gemälde „Pfingsten“ des flämischen Barockmalers Matthys Voet. Das Bild ist Teil eines Zykluses von 15 monumentalen Gemälden, die – von verschiedenen Malern um 1616 geschaffen – die Geheimisse des Rosenkranzes in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen darstellen.
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Dem Pfingstmontag wurde durch Papst Franziskus der Gedenktag „Maria, Mutter der Kirche“ beigesellt. Warum das so ist und was Maria mit Pfingsten zu tun hat.

Wer das Haupt zur Welt bringt, bringt auch den Leib zur Welt. So lautet das simple Argument von Papst Leo dem Großen (400-461), warum Maria Mutter der Kirche ist. Dem Argument liegt zu Grunde, dass Christus als Haupt der Kirche verstanden wird – und umgekehrt die Kirche Leib Christi ist. Da Maria die Mutter des Hauptes Jesus Christus ist, ist sie auch Mutter des Leibes, der Kirche.
Aber was heißt das eigentlich, die Kirche hätte ein Mutter? Und warum spricht man von der Kirche als Leib Christi? Gerade heute macht die Kirche doch eher den Anschein einer weltweit tätigen Organisation, einer Art NGO oder Weltkonzern: sozial engagiert, gesellschaftlich relevante Themen bearbeitend, mit wirtschaftlichen Interessen und demokratischen Abstimmungen über die Unternehmensstrategie. Wozu also diese Rede vom mystischen Leib und von Mutterschaft, wenn selbst Organisationen wie die UNO oder Unternehmen wie Apple ohne derartige Vorstellungen auskommen?

Was soll da das Gerede von mystischem Leib und Mutterschaft?

Die Kirche ist keine NGO und kein Weltkonzern, auch wenn sie hin und wieder den Anschein erweckt. Die Kirche ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil erkannt hat, „jenes Sakrament, das aus der Seite Jesu geflossen ist“. Sie ist schon seit Beginn der Welt in der Gemeinschaft derer, die an Gott glauben, vorausgedeutet; in ihr ist heute bereits das Reich Gottes angebrochen, sie ist sein zu Gott pilgerndes Volk und so weiter.
Die Bilder, mit denen die Kirche beschrieben wird, sind vielfältig und versuchen annäherungsweise jenes Mysterium zu beschreiben, das die Kirche ist und deren Wesen sich irgendwo zwischen der Fehlbarkeit der Menschen und der unendlichen Weisheit Gottes verortet, der die Kirche als Werkzeug seiner Erlösung erwählt hat.
Zentral dafür, wie die Kirche zu verstehen ist, sind die Kar- und Ostertage sowie Pfingsten. Das Bild, dass die Kirche aus der Seitenwunde Christi strömt, kommt vom Kirchenvater Augustinus. So wie aus Adams Rippe seine Partnerin Eva geschaffen wurde, wurde aus der Wunde Jesu seine Braut, die Kirche geboren. Aus dem Tod Jesu entspringt uns die Erlösung – aus seiner Seitenwunde entspringt sein Erlösungswerkzeug. Das Öffnen der Seitenwunde öffnet den Menschen den sicheren Weg zu Gott: die Sakramente und die Kirche, die selbst Sakrament ist und zur Verwaltung der Sakramente eingesetzt wurde.
Noch bevor aber Christus starb und der Soldat seine Seite durchbohrte, sagte Jesus zu Maria und dem Jünger Johannes, die zu Füßen des Kreuzes standen: „Frau, siehe, dein Sohn! (...) Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26-27). Die Apostel, die das Fundament der Kirche darstellen, wurden in diesem Moment in die Obhut der Mutter Jesu gegeben. Oder, wie es Kardinal Robert Sarah im Dekret zur Einführung des Gedenktages „Maria, Mutter der Kirche“ formulierte: „So wurde sie zur liebevollen Nährmutter der Kirche, die Christus am Kreuz den Geist aushauchend gebar.“
Maria begleitete ihre neuen Ziehkinder von da an. So war sie auch dabei, als die Jünger gemeinsam im Abendmahlssaal waren, sich plötzlich der Himmel öffnete und sich der Geist Gottes über die Jünger ergoss. Dieser Moment eröffnet die bis heute andauernde Missionierungsgeschichte durch die Kirche: Die Apostel beginnen in allen Sprachen der Welt zu sprechen und von Gott und Jesus Christus zu erzählen.
Pfingsten – die Geschichte vom Beistand des Heiligen Geistes in der kirchlichen Sendung – und die Rede von Maria als Mutter der Kirche machen deutlich: Die Kirche hat einen weltverändernden Auftrag, der von Gott selbst kommt. Aber wir sind in diesem Auftrag nicht allein. Da ist der Heilige Geist, der die Kirche damals wie heute durchdringt und stärkt. Und da ist die Mutter Jesu, die die Kirche in ihrem Auftrag begleitet und zeigt: Die Kirche ist keine NGO, die Kirche hat ein Haupt – und eine Mutter. M. Wunder

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

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