Philipp Neri und das Oratorium
Frei sein für Gott

Giuseppe Angeli: „Kommunion des heiligen Philipp Neri“. Am 26. Mai wird sein Gedenktag begangen.   | Foto: Ca‘ Rezzonico / Didier Descouens / Wikimedia Commons
  • Giuseppe Angeli: „Kommunion des heiligen Philipp Neri“. Am 26. Mai wird sein Gedenktag begangen.
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Der heilige Philipp Neri (1515–1595) ist bekannt als „der lachende Heilige“. Was uns der florentinische Heilige heute sagen kann, erzählt P. Felix Selden, Gründungsmitglied der Wiener Oratorianer.

Was muss man unbedingt über Philipp Neri wissen, um ihn als Menschen und Heiligen verstehen zu können?
P. Felix: Philipp Neri lebte im Zeitalter der Renaissance, einer Zeit der Umbrüche, in der nicht mehr Gott, sondern mehr und mehr der Mensch das Zentrum bildete und die auch die Reformation hervorbrachte.
Als Antwort auf die Verweltlichung der Kirche folgte in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts eine tiefe Glaubenserneuerung, die von Reformpäpsten, dem Konzil von Trient und auch von bedeutenden Heiligen wie Philipp Neri getragen wurde. Als gebürtiger Florentiner war ihm ein Sinn für Schönheit, Liebe zur Freiheit und Demokratie und der typisch florentinische Witz in die Wiege gelegt. Als junger Erwachsener zog er nach Rom, wo er in großer Armut lebte und bereits apostolisch wirkte. Sein bekannter Weckruf lautete: „Wann werden wir endlich anfangen, Gutes zu tun?“
Gegen seinen eigenen Willen – er fühlte sich unwürdig – bewegte ihn sein Beichtvater Persiano Rosa mit 36 Jahren zur Priesterweihe. Fortan widmete sich Philipp intensiv dem Beichtdienst und der persönlichen Seelsorge und der Schriftbetrachtung mit Gruppen von Gläubigen. Als die Gruppe wuchs, baute er den Dachboden zum „Oratorium“ aus, das schließlich den Treffen ihren Namen gab.
Philipp wurde zum Beichtvater einfacher Menschen sowie von hochrangigen Persönlichkeiten, darunter mehrere spätere Päpste. Als seine geistlichen Söhne den Wunsch äußerten, mit ihm in Gemeinschaft zu leben, entstand daraus – erneut gegen Philipps anfänglichen Widerstand – die „Kongregation des Oratoriums“.

Philipp hatte auch viele mystische Erfahrungen. Was hat es damit auf sich?
P. Felix: Mystik ist nicht mehr als einfach gelebte Glaubenslehre, verbunden mit der tiefen Sehnsucht nach dem Einssein mit Gottes Willen. Bei Heiligen wie Paulus, Teresa von Ávila oder Johannes vom Kreuz erfüllte sich diese Einigung der Seele mit Gott nach Jahren innerer Reinigung und des Gebets auch in mystischen Ekstasen. Auch Philipp Neri war ein Mystiker. Als er am Vorabend von Pfingsten 1544 in der Sebastians-Katakombe betete, durchdrang der Heilige Geist in Gestalt einer Feuerkugel sein Herz. Philipp stürzte zu Boden und rief: „Genug, Herr, mehr kann ich nicht ertragen!“ Die Herzerweiterung war so stark, dass dabei zwei Rippen brachen – was die spätere Obduktion bestätigte. Wenn Philipp Menschen in Zeiten der Versuchung an sein Herz drückte, vergingen ihre Bedrängnisse.

Was unterscheidet das Oratorium von anderen Ordensgemeinschaften?
P. Felix: Die „Kongregation des Oratoriums“ ist eine Weltpriestergemeinschaft päpstlichen Rechts. Obwohl sie in manchem ordensähnlich ist, legte Philipp fest, dass die Mitglieder keine Gelübde ablegen: „Die Liebe soll das einzige Band sein.“ Jedes Oratorium ist autonom und ortsgebunden, und wirkt als geistliches Zentrum meist in größeren Städten. Die Priester nehmen sich bewusst Zeit für Beichte und geistliches Gespräch. Manchmal begleiten sie Gläubige ein Leben lang – von der Taufe bis zum Tod. In Österreich gibt es ein Oratorium in Wien-St. Rochus, 1978 durch den Heiligen Stuhl errichtet. Es gibt daneben zwei Gründungsprojekte in Hartberg und Kufstein.

Philipp Neri gilt als der „lachende Heilige“. Warum?
P. Felix: Philipp lebte in tiefem Frieden und war stets fröhlich. Durch skurrile Streiche wollte er verhindern, dass man ihn schon zu Lebzeiten als Heiligen verehrte. Seinen Beichtkindern legte er originelle Bußen auf, um sie Demut zu lehren: Ein eitler Mann musste mit einem Fuchsschwanz am Rock durch Rom laufen; ein reicher Geizhals nach der Messe um Almosen betteln. Das Ziel war stets, die Menschen innerlich frei für Gott zu machen.

Müssten wir heute als Christen auch wieder mehr lachen?
P. Felix: Lachen ist bekanntlich gesund. Unsere Hauptfreude gilt aber dem Kern unseres Glaubens: Gottes unendlicher Liebe zu uns Menschen, der Freundschaft mit Christus und der Verheißung des Ewigen Lebens. Diese Zuversicht, auch durch persönliche Zuneigung, weiterzugeben, macht uns zu Schülern Philipps. Diesem Weg folgten auch prominente heilige Oratorianer wie die Kirchenlehrer Franz von Sales und John Henry Newman.

Interview: Matthias Wunder

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

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