Heilige
Mit Glaube und Humor

Detail aus dem berühmten Deckenfresko in der römischen Kirche Sant‘Ignazio di Loyola. Andrea Pozzo: Glorie des heiligen Ignatius. | Foto: Finoskov / Wikimedia Commons
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Ehemaliger Soldat und Lebemann, Bekehrter und bedeutender spiritueller Lehrer: Am 31. Juli gedenkt die Kirche des Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola. Über ihn erzählt der Superior der Jesuiten in Wien, P. Christian Marte SJ.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen jemaden, der noch nie vom heiligen Ignatius gehört hat. Wie beschreiben Sie ihn in einem Satz?
P. Christian Marte SJ: Ignatius von Loyola, ursprünglich Soldat aus dem Baskenland, hat 1540 den Jesuitenorden gegründet. Das Fundament dieses Ordens sind „Geistliche Übungen“, die Ignatius im Exerzitienbuch zusammengefasst hat – und die bis heute viele Menschen geistlich prägen.

Ignatius von Loyola verwendet in der Ordensregel immer wieder militärische Begriffe. Welche Kämpfe kämpfen Jesuiten heute?
P. Christian Marte SJ: Unsere Kurz-Formel lautet: Wir kämpfen für Glaube und Gerechtigkeit. Richtig ist, dass wir mit dem Zustand der Welt und der Kirche nicht zufrieden sind. Wir möchte es anders haben, mehr in der Linie Jesu. Darum sind wir von Anfang an und bis heute ganz nahe beim Papst, der uns sendet. Immer wieder werden wir durch den Papst an Grenzen und in schwierige Situationen gesendet. In der Theologie, im Dialog mit anderen Religionen, nach China und Russland, ins Feld der Künstlichen Intelligenz. Ich selbst fahre seit fünf Jahren einmal pro Jahr in die Ukraine – und berichte dann nach Rom. Jesuiten arbeiten in Krankenhäusern und in Gefängnissen als Seelsorger. Ich bin einer von zwei Jesuiten in Wien, die in der Justizanstalt Josefstadt in Wien heilige Messe feiert und mit Gefangenen Gespräche führt. Das sind Grenz-Situationen, für die man einen starken Glauben und einen guten Humor braucht.

Der heilige Ignatius war Soldat und Lebemann, bevor er eine radikale Umkehr vollzog. Gibt es solche Umkehrgeschichten heute auch noch?
P. Christian Marte SJ: Die radikale Umkehr des Ignatius hat mit einer Kanonenkugel zu tun, die seinen Fuß getroffen hat. Auch heute gibt es Menschen, die durch einen Schicksalsschlag noch einmal genau wissen möchten: Wofür möchte ich leben? Was kann ich wirklich gut? Was macht mir Freude? Wo werde ich gebraucht? Manchmal ist es einfach ein diffuses Gefühl: Es muss noch mehr geben im Leben als Konsum, Karriere und Kurz-Urlaube. So beginnt dann ein geistlicher Weg: Mit guten Fragen.

Gibt es etwas aus den geistlichen Übungen des heiligen Ignatius, das Sie jedem für seinen persönlichen Alltag empfehlen würden?
P. Christian Marte SJ: Ignatius empfiehlt, am Abend den Tag noch einmal durchzugehen und dabei besonders auf die eigenen Emotionen zu achten: Worüber habe ich mich heute gefreut? Worüber habe ich mich geärgert? Man nennt das das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“. Am besten ist es, sich eine Viertelstunde zurückzuziehen oder einen Spaziergang zu machen. Man spricht mit Jesus, so wie man mit einem Freund spricht – und erzählt seinen Tag. Dann schaut man noch auf morgen und schließt mit einem Vaterunser. Dann sind Kopf und Herz wieder frei – und man kann Gott um einen guten Schlaf bitten – und dass er auf alle aufpasst, die uns wichtig sind.

Wenn Ignatius von Loyola heute leben würde, wofür würde er jeden Tag beten?
P. Christian Marte SJ: Ignatius würde eine kleine Liste von Gebetsanliegen haben: Sorgen von Eltern, Familien, von Verantwortlichen in Führungspositionen und von Gefangenen und Kranken. Und er würde für die großen Themen der Welt beten: um das Schweigen der Waffen und einen gerechten Frieden in der Ukraine, im Sudan, in Venezuela, in Myanmar – und ganz besonders im Heiligen Land. Aber jedes Gebet würde er mit einem Dank beginnen für die „erhaltenen Wohltaten“. Der Dank kommt bei Ignatius vor der Bitte.

Interview: M. Wunder

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

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