Jesus, Maria, Josef
Familie Heilig
- Harmensz van Rijn Rembrandt: Die Heilige Familie mit Engeln.
- Foto: Wikimedia Commons
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[i]Die erste Familie, die gemeinsam Weihnachten gefeiert hat, waren Jesus, Maria und Josef. In den Darstellungen ihres Familienleben wachsen oft Heiligkeit und Häuslichkeit zusammen.[/i]
Traute Häuslichkeit, gemeinsames Singen vor dem Christbaum, harmonisches Beisammensein: Es fallen einem viele Begriffe ein, wenn man an ein Weihnachten in der idealen Familie denkt. Die Realität ist freilich oft anders: Von kleinen Zwistigkeiten bis zu ausgewachsenen Streits, Stress, komplexen Patchwork-Situationen – gerade zu Weihnachten zeigt sich oft, dass die Familie als kleine Gesellschaft Spiegel all jener Herausforderungen und Schwierigkeiten ist, die sich im Zusammenleben der Menschen immer wieder ergeben können.
Da braucht es vielleicht ein gutes Beispiel, damit die Familien eben nicht nur streiten – zu Weihnachten und darüber hinaus, dachte sich der Namensvetter unseres jetzigen Papstes, Leo XIII., und förderete im 19. Jahrhundert nach Kräften die fromme Verehrung des Urbilds aller Familien schlechthin: der Heiligen Familie, bestehend aus Jesus, Maria und Josef. Benedikt XV. führte dann 1920 das Fest der Heiligen Familie für die ganze Kirche ein und seitdem feiern wir es am 30. Dezember oder am Sonntag in der Weihnachtsoktav.
Wie dieses Familienleben war, wissen wir nicht. Zwar gibt es das Kindheitsevangelium des Thomas, das nicht zum Bestand der offiziell rezipierten Texte der Bibel gehört; das späte Entstehungsdatum lange nach der Verfassung der vier kanonischen Evangelien und der fantasiereiche Inhalt legen aber nahe, dass diese Schrift pure Fiktion ist. Und doch suchte gerade die Kunst ab dem späteren Mittelalter immer wieder nach Möglichkeiten, dieses unbekannte Kapitel im Leben Jesu bildlich darzustellen und diesem „Urbild“ der Familie einen ikonographischen Ausdruck zu verleihen.
Der große flämische Maler Rembrandt zum Beispiel zeigt uns ein heimeliges, gemütliches Szenario: Josef, der Zimmermann, arbeitet im Hintergrund, während Maria von ihrem Buch aufsieht, um einen Blick auf ihr schlafendes Baby zu werfen. Zwar schweben über der Wiege Engelchen, aber offenbar scheinen die schon zur Familie zu gehören, Maria und Josef beachten sie nicht groß. Das ist alles so gemütlich, man wünschte, man würde selbst auch dabei sein.
Aber – könnte man einwenden – welche Familie ist denn schon normal?
Anders malten die Italiener die Heilige Familie: Raffaello Sanzio zum Beispiel, der das Jesuskind als nacktes Kleinkind auf einem Lamm sitzend und mit Heiligenschein darstellt. Das Lamm ist schon ein Vorausbild auf das Ostergeschehen, wo das Opferlamm Christus geschlachtet wird, um drei Tage später wieder auferstehen zu können. Das ist zwar alles weniger häuslich, dafür ist in symbolhafter Bildsprache gezeigt, dass die Heilige Familie eben keine ganz normale Familie war. Aber – könnte man einwenden – welche Familie ist denn schon normal?
Die Heilige Familie ist vielleicht nicht das ideale beispielhafte Vorbild, weil wir einfach zu wenig über ihren Alltag wissen, aber sie zeigt uns: Gott ist Mensch geworden und hat, genau wie wir, in einer Familie gelebt. Vielleicht tröstet uns das, wenn das Familienweihnachten hinter den Erwartungen des Heimeligen zurückbleibt und vielleicht bringt es uns ein Stück näher zu Christus, wenn es eben doch gelingt und so schön ist, wie die Geburstagsfeste Jesu in der Heiligen Familie vielleicht waren.
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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