1. Sonntag n. Weihnachten: Pfarrer i. R. Schlosser
In Jesus hat Gott mit uns Menschen einen neuen Anfang gemacht
- Viele Krippen in unseren Pfarren sind rund um Weihnachten wunderbar geschmückt. Sie laden dazu ein, dem Jesu-Kindlein die Freuden, Sorgen und Anliegen hinzutragen.
- Foto: Wolfgang Zarl
- hochgeladen von Matthias Wunder
Beim Gottesdienst an diesem Sonntag hören wir den Anfang vom Johannes-Evangelium. Dieser Text ist eng mit Weihnachten verbunden: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
Der Evangelist will uns mit diesem Satz sagen: In Jesus ist uns nicht nur irgendeiner der Guten begegnet, die es immer und überall gibt. Dieser Jesus ist auch anders als alle Weisen und Mächtigen, als alle Suchenden und Wissenden und als alle Religionsstifter und Wohltäter der Menschheit. Wer wissen will, wie Jesus wirklich ist, muss hinter die Kulissen des Kindes in der Krippe im Stall von Betlehem schauen: In Jesus ist Gott selbst Mensch geworden!
Und genau das ist der Unterschied zwischen ihm und allen anderen guten und bedeutenden Menschen. Das ist einmalig und nicht zu überbieten. Und das versucht uns Johannes in seinem ganzen Evangelium zu zeigen. Darum beginnt er auch wie das erste Buch der Bibel, die Schöpfungserzählung, mit „Im Anfang …“
Für ihn ist Jesus der neue Anfang. In ihm hat Gott mit der ganzen Schöpfung, vor allem aber mit uns Menschen einen neuen Anfang gemacht. Jesus ist das Wort, das Gott in die Welt herein spricht. Er ist das Wort, das nicht aus Buchstaben und Silben besteht, er ist das Wort, das Mensch geworden ist. Er ist das Wort, das Hände und Füße bekommen hat und vor allem ein liebendes Herz.
An diesem Licht sollte selbst der Tod seine Endgültigkeit verlieren
Weiter heißt es: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ Leben und Licht gehören zusammen und an diesem Licht sollte sich die Finsternis, egal wie sie uns entgegentritt, gleichsam die Zähle ausbeißen, an diesem Licht sollte selbst der Tod seine Endgültigkeit verlieren!
Ist nicht gerade das die Sehnsucht von uns Menschen? Gott erfüllt sie in Jesus! Ich denke, das ist auch die am meisten Freude schenkende Mitte unseres christlichen Glaubens. Zu Weihnachten ist das schon Wirklichkeit geworden.
Damit ist die Wahrheit über das Kind in der Krippe die Wahrheit über Gott. Und, was noch großartiger ist, auch die Wahrheit über uns Menschen: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.“
„Aus Gott geboren“ sind wir, wenn wir vor den Schwächsten, Behinderten und Kleinen Achtung haben.
Zu Gott gehören wir, wenn wir nicht mehr dem „Gesetz des Blutes“ folgen, das auch gerade heute so viele sinnlose Opfer fordert, das auch heute so viele Menschen verachtet und verfolgt, weil sie anders denken und leben, als es die meisten tun.
„Aus Gott geboren“ sind wir weiter dann, wenn wir nicht dem „Willen des Fleisches“ folgen, also dem Egoismus, der in der Macht sein Ziel sieht. „Aus Gott geboren sind wir“, wenn uns nicht der „Wille des Mannes“ beherrscht, der meint, alles machen zu können und mit Krieg und Zerstörung Probleme lösen zu können. „Aus Gott geboren“ sind wir auch dann, wenn wir vor den Schwachen, Behinderten, Kleinen Achtung haben.
Ja, Gott ist Mensch geworden, in diesem wehrlosen Kind in der Krippe, um uns alle, besonders die, die es nicht leicht haben, als seine Kinder anzunehmen und uns eine unverlierbare Würde zu geben, die uns durch nichts und niemand genommen werden kann – wir sind Kinder Gottes und Schwestern und Brüder von Jesus!
Das wäre doch ein Motto für das neue Jahr: „Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben“ (1 Joh 4,12). Ich wünsche uns, dass uns diese Botschaft Freude schenkt und dass es uns gelingt, unser Leben sinnvoll und glücklich zu führen …
Autor: Pfarrer i. R. Mag. Herbert Schlosser
Die Gedanken zu diesem und dem kommenden Sonntag schreibt Pfarrer i. R. Mag. Herbert Schlosser. Er wurde 1956 geboren und stammt aus der Pfarre Heidenreichstein. 1980 empfing er in St. Pölten die Priesterweihe. Er war zuletzt Pfarrer in Schrems und Langegg und Dechant des Dekanates Gmünd und trat mit 1. September 2022 in den Ruhestand; er lebt jetzt in Heidenreichstein.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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