Priesterstudientagung
Bischof Schwarz ermutigt Pfarrer: "Gönne dich dir selbst"
- Die Priesterstudientagung fand wie jedes Jahr im Hiphaus in St. Pölten statt.
- Foto: Wolfgang Zarl
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Im Rahmen der Priesterstudientagung („Kirche bunt“ berichtete in Ausgabe 39/2026) wandte sich am dritten Tag Bischof Alois Schwarz an die Priester. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen die Perspektiven für die Seelsorge in einer Zeit großer Veränderungen. „Was heißt es heute, Pfarrer zu sein?“, stellte der Bischof zu Beginn die zentrale Frage. Die Herausforderungen seien bekannt: weniger Priester, größere Pastoralräume, rückläufige Gottesdienstbesuche sowie steigende Anforderungen in Leitung, Verwaltung und Kommunikation. Vieles habe sich in Kirche und Gesellschaft verändert, Christus und sein Auftrag seien jedoch dieselben geblieben: das Evangelium zu verkünden, die Sakramente zu feiern und bei den Menschen zu sein.
Perspektivenwechsel
Dabei erinnerte der Bischof daran, dass nicht die Priester die Erlöser ihrer Pfarren seien. „Das ist Jesus Christus. Das entlastet nicht von Verantwortung, macht aber erst richtig Verantwortung möglich.“ Wer nicht alles selbst tragen müsse, könne leichter führen, delegieren und anderen Verantwortung zutrauen.
Besonders hob Schwarz die Bedeutung eines Perspektivenwechsels hervor. Christus sei in den Evangelien oft als Gast aufgetreten. Auch die Kirche müsse heute lernen, Gast bei den Menschen zu sein: in ihren Familien, Lebensgeschichten, Sorgen und Nöten. „Ein Gast hört zu“, betonte er. Vielleicht sei genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten für Seelsorger heute. Entscheidend sei oft nicht die Lösung eines Problems, sondern dass Menschen spürten: „Da war jemand, der mich gesehen und mir zugehört hat.“
„Es gibt eine heilende Zuwendung Gottes zu deinem Leben.“
In diesem Zusammenhang erinnerte Schwarz an ein Interview mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier. Dieser habe bereits 2008 darauf hingewiesen, dass die Kirche Menschen nicht allein dadurch erreiche, dass sie sich ihnen möglichst stark anpasse. „Auf Menschen zugehen heißt nicht, ihnen nach dem Mund reden“, sagte der Bischof. Mission bedeute nicht, das Evangelium so weit zu verdünnen, bis es niemanden mehr berühre. Vielmehr gelte es, die Frage neu zu stellen, ob Christen selbst noch daran glaubten, dass Gott im konkreten Leben der Menschen wirke. Ein Priester müsse nicht auf alles eine Antwort haben. Entscheidend sei, eine Mitte zu haben: die Beziehung zu Gott, die im Gebet, in der Stille und im Zuhören sichtbar werde.
Besonderes Gewicht legte Schwarz auf die sakramentale Sendung der Priester. Sie seien nicht nur berufen, die Eucharistie zu feiern, sondern auch das Sakrament der Versöhnung anzubieten. „Unsere Aufgabe ist es, den Menschen zu sagen: Es gibt eine heilende Zuwendung Gottes zu deinem Leben.“ Die Beichte sei keine rückwärtsgewandte Beschäftigung mit Fehlern, sondern eine Ausrichtung auf die Zukunft und damit eine Quelle der Heilung. Dies gelte auch für die Priester selber.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte der Bischof beim sorgsamen Umgang mit den eigenen Kräften. Mit einem Wort des heiligen Bernhard von Clairvaux rief er den Priestern zu: „Gönne dich dir selbst.“ Wer ständig gebe und nie empfange, werde auf Dauer leer. Delegieren sei kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Vertrauen. Kirche sei eine große Wir-Gemeinschaft, Synodalität bedeute geteilte Verantwortung.
Als Orientierung verwies Schwarz auf eine Empfehlung aus der Spiritualität der Jesuiten: Schlaf, Bewegung, Gebet und Stille, Freundschaften und erst dann die Arbeit. „Diese Reihenfolge niemals umkehren“, mahnte er. Wer dauerhaft erschöpft sei, könne kein guter Seelsorger sein.
Gott-erfahrene Priester
Zum Abschluss formulierte der Bischof seinen Wunsch für die Diözese: „Ich wünsche mir keine perfekten Pfarrer, sondern geistliche Menschen. Männer, die beten und zuhören können, die Menschen gern haben und bei denen Gott nicht nur Thema, sondern Wirklichkeit ist.“ Es brauche nicht nur Gott-informierte, sondern Gott-erfahrene Priester, die etwas vom Feuer ihrer ersten Berufung ausstrahlen.
Im Anschluss lud Generalvikar Christoph Weiss die Priester zum Austausch, welche Priester sie in der Kindheit/Jugend geprägt hatten. Zudem gab es Informationen über die neue Gremienordnung und u. a. die anstehende Pfarrgemeinderats-Wahl im nächsten Jahr. Der Tag klang mit einem Ausflug nach Krems aus. SP
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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