Familie
Ein sicherer Ort für Kinder mit psychisch kranken Eltern
- Beim KIPKE-Sommercamp erleben Kinder Gemeinschaft, Austausch und eine willkommene Auszeit - und das professionell begleitet.
- Foto: Caritas St. Pölten & NÖ-West
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Spielzeug, Bastelmaterial und Kuscheltiere gehören bei Mag. Birgit Riedinger zum Arbeitsalltag. Ihr Büro sei das bunteste von allen, erzählt die Klinische- und Gesundheitspsychologin. Riedinger ist Mitarbeiterin im Caritas-Projekt „KIPKE – Beratung von Kindern mit psychisch kranken Eltern“.
Einfacher Zugang
Zu Birgit Riedinger können Kinder im Alter von drei bis 18 Jahren kommen, deren Eltern an psychischen Erkrankungen oder an Suchterkrankungen leiden. Der Zugang zu KIPKE sei einfach: „Jeder kann bei uns anrufen, man benötigt keine Zuweisung“, erklärt Riedinger. Bei einem Erstgespräch mit den Eltern wird die Situation besprochen und geklärt, ob Bedarf besteht.
Bei KIPKE handle es sich um ein Aufklärungsprojekt, das präventiv wirke und keine Therapie sei, fügt die Psychologin hinzu. Leiden die Eltern an psychischen Erkrankungen oder an Suchterkrankungen, wirke sich das vielfältig auf die Kinder aus. Scham, Schuldgefühle oder die sogenannte Parentifizierung treten auf. Bei letzterem übernimmt das Kind die Rolle eines Elternteils, etwa indem es sich um die emotionalen Bedürfnisse des Erwachsenen kümmert oder kontinuierlich Aufgaben wie Putzen oder die Betreuung jüngerer Geschwister übernimmt. Das kann dazu führen, dass das Kind selbst diverse Ängste oder psychische Probleme entwickelt.
Kindern wird häufig vieles verheimlicht. Sie merken aber, wenn ihre Eltern anders sind.
Genau hier setzt KIPKE an: Spielerisch wird den Kindern vermittelt, was die Psyche ist und was es mit Gefühlen auf sich hat. Diese Aufklärung spielt eine große Rolle: „Kindern wird häufig viel verheimlicht. Sie merken aber, wenn ihre Eltern anders sind. Viele Kinder glauben dann, dass sie daran schuld sind. Wir klären sie darüber auf, warum die Eltern anders als andere sind“, erklärt Riedinger.
Die Gefühle des Kindes sind ein wichtiges Thema in der Beratung. So vermittelt die Psychologin den Kindern etwa, dass alle Gefühle in Ordnung sind. Die Stärkung der eigenen Resilienz und des Selbstwertes sind ebenfalls Teil von KIPKE. Ihr bunter Raum sei ein Safe Space (sicherer Ort) für die Kinder, so Riedinger: „Ich bin für dieses Thema da und habe Zeit nur für sie. Die Kinder wissen, dass alles, was sie erzählen, bei mir bleibt.“ Mit sehr jungen Kindern arbeitet sie mit Kinderbüchern, die sich psychischen Erkrankungen widmen. Auch kreative Materialien kommen zum Einsatz, etwa um einen Gefühle-Koffer zu bauen oder um Collagen zu basteln. Dabei geht es beispielsweise um das Thema Selbstfürsorge. Rund um das Thema Gefühle kommen Gefühle-Spiele zum Einsatz.
Wenn dabei eine Gefährdung zur Sprache kommt oder Birgit Riedinger das Gefühl hat, dass das Kind eine Therapie benötigt, wendet sie sich an die Eltern. Auch sie können jederzeit einen Termin bei der Psychologin vereinbaren. Das Angebot von KIPKE, das es seit 15 Jahren gibt, wird sehr gut angenommen, erzählt Riedinger. Neben Klinischen- und Gesundheitspsychologinnen und -psychologen arbeiten auch Sozialpädagoginnen und -pädagogen und Sozialarbeiterinnen und -arbeiter bei KIPKE. Das Angebot – meist zehn Einheiten pro Kind – ist vertraulich und kostenlos. Ziel ist es, dass das betroffene Kind psychische Erkrankungen versteht, mit Gefühlen umzugehen lernt und Vertrauen in sich selbst entwickelt – um trotz der Belastungen stark durchs Leben gehen zu können. Daniela Rittmannsberger-Kampel
KIPKE-Beratungsstellen gibt es in: Amstetten, Gmünd, Horn, Krems, Lilienfeld, Melk, Neulengbach, St. Pölten, St. Valentin, Scheibbs, Waidhofen/Thaya, Waidhofen/Ybbs und Zwettl.
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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