Hitze & Dürre
Caritas: Klimakrise ist auch eine soziale Krise
- Die anhaltende Trockenheit, Hitze und Dürre setzen der Landwirtschaft in Österreich weiter zu. Die Böden sind vielerorts hart und trocken. Auf dem Bild: Ein Traktor beim Auflockern des Bodens im Marchfeld nach der Getreideernte am 3. August.
- Foto: APA/Harald Schneider
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Die große Hitzewelle Ende Juli/Anfang August lässt Österreich und ganz Europa glühen. Die Auswirkungen sind überall schmerzlich zu spüren.
Unter der enormen Hitze in den letzten Juli- und ersten Augusttagen leiden alle: Menschen, Tiere und die gesamte Umwelt. Neben Großbränden, die vor allem Südeuropa treffen und die ganze Wälder und Landstriche zerstören, macht sich vielerorts der Wassermangel immer deutlicher bemerkbar. So manche Gemeinde ruft deshalb schon zum umsichtigen Umgang mit dem Wasser oder sogar zum Wassersparen auf. Flüsse und Seen stehen auf einem historischen Tiefststand.
Große Sorgen gibt es in der Landwirtschaft: Auf vielen Wiesen und Almen wächst kaum noch Gras nach, weshalb viele Bauern auf die für den Winter gedachten Futtervorräte zurückgreifen oder versuchen, Futtermittel zuzukaufen. Doch das gestaltet sich immer schwieriger, weil weite Teile Euorpas ähnliche Situationen haben und solche Futterzukäufe immer teurer werden. Neben dem Grünfutter drohen auch bei Gemüse wie Erdäpfeln massive Ernteausfälle.
In einer gemeinsamen Aussendung betonten Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger (beide ÖVP): „Die anhaltende Dürre infolge des Klimawandels stellt die österreichische Landwirtschaft vor eine historische Belastungsprobe. Das erste Halbjahr 2026 war das zweittrockenste seit Beginn der Messungen. In Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg wurde sogar das trockenste erste Halbjahr überhaupt verzeichnet. Gleichzeitig verschärfen steigende Temperaturen und eine höhere Verdunstung die Auswirkungen zusätzlich. Hält diese Entwicklung an, könnte 2026 als neues Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen.“
Langfristige Maßnahmen
Vor diesem Hintergrund wiesen Totschnig und Moosbrugger auf die Bedeutung von Futtermittelbörsen und der Dürreversicherung in Österreich hin, die in der Landwirtschaft gut angenommen werde. Vor allem aber arbeite man an langfristigen Maßnahmen, um die Landwirtschaft in Österreich noch besser auf den Klimawandel anzupassen. So wird u. a. der Anbau von hitzeresistenten Pflanzen propagiert.
Dass die Hitze vor allem auch eine soziale Krise ist, darauf weist die Caritas Österreich hin. „Hitze trifft nicht alle gleich“, sagt Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler in einer Aussendung. Extreme Hitze sei damit nicht mehr nur ein Wetterphänomen, sondern eine soziale Krise, die vorrangig Armutsbetroffene und ältere Menschen treffe, so Tödtling-Musenbichler und der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner. Und sie fordern: Sozial- und Klimapolitik müssten daher stärker zusammengedacht werden.
„Extreme Hitze darf nicht
darüber entscheiden, wer
geschützt ist und wer nicht.“
In den Tagen vor der großen Hitzewelle verstärkte die Caritas ihre Hilfsmaßnahmen vor allem in großen Städten wie Wien oder Graz, wo verstärkt Streetworker eingesetzt und zusätzliche Klima-Oasen – auch in Kooperation mit Pfarren – geschaffen wurden.
„Extreme Hitze darf nicht darüber entscheiden, wer geschützt ist und wer nicht. Gerade Menschen ohne kühlen Rückzugsort brauchen jetzt unsere besondere Unterstützung“, so Tödtling-Musenbichler. Als besonders vulnerabel bezeichnete die Hilfsorganisation obdachlose Menschen, ältere Alleinlebende, chronisch Kranke und Familien mit kleinen Kindern.
Der Klimaschutz sei „kein Luxusprojekt“, sondern Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik, sagt die Caritas-Präsidentin. Die Caritas fordert daher unter anderem einen nationalen Hitzeplan, ausreichend Notquartiersplätze für obdachlose Menschen, leistbaren und hitzebeständigen Wohnraum sowie mehr Grünflächen und konsumfreie kühle Aufenthaltsorte.
KAP/Red.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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