Personalvertretung der Zentralangestellten
70 Jahre Einsatz für die Mitarbeitenden der Diözese
- Betriebsrat der Zentralangestellten, v. li.: Martin F. Wurz, Martina Bender, Vorsitzende Irmgard Bayrhofer, Barbara Dvoracek, Elisabeth Cerinski.
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
Bei einem Festakt wurde ein beeindruckender Rückblick auf sieben Jahrzehnte Personalvertretung und Betriebsrat in den Zentralstellen der Diözese St. Pölten (siehe Bild) gehalten. Was heute selbstverständlich erscheint – geregelte Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und soziale Absicherung – war vor 70 Jahren das Ergebnis mutiger Initiativen engagierter Mitarbeitender. Die Geschichte der Personalvertretung und des Betriebsrates in den Zentralstellen der Diözese gilt als Geschichte des Dialogs, der Beharrlichkeit und des gemeinsamen Ringens um faire Arbeitsbedingungen.
Größere Rolle der Laien
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Diözese verstärkt Laien in ihren Dienst aufzunehmen. Mit dem Ausbau der Kirchenbeitragsorganisation und der Entlastung der Priester entstanden viele neue diözesane Jobs. Die ersten Mitarbeitenden waren allerdings vielfach nur unzureichend abgesichert. Provisionsabhängige Einkommen führten bald zu wachsender Unzufriedenheit.
Ein entscheidender Schritt gelang 1956 mit der ersten Betriebsratswahl. Der neu gewählte Betriebsrat wurde zunächst kaum als Gesprächspartner anerkannt. Dennoch ließ sich das Gremium unter seinem Vorsitzenden Clemens Meyer nicht entmutigen und legte den Grundstein für eine starke Interessensvertretung der kirchlichen Mitarbeitenden.
In den folgenden Jahren entwickelte sich das Dienstrecht kontinuierlich weiter. Prägend war das Inkrafttreten neuer dienstrechtlicher Regelungen 1966. Sie brachten eine Anbindung der Gehälter an das Vertragsbedienstetenschema des Bundes, Sozialzulagen, klare Beförderungsrichtlinien und die Einrichtung gemeinsamer Gremien für Personalfragen.
Auch gesellschaftliche Veränderungen spiegelten sich in den Verhandlungen wider. In oft zähen Gesprächen wurden Verbesserungen erreicht, die damals nicht selbstverständlich waren: zusätzliche freie Tage, Zuschüsse zur Vorsorge, Verwaltungszulagen sowie die Möglichkeit für Frauen, auch nach Heirat und Geburt eines Kindes weiter im Dienst zu bleiben.
Über die Grenzen der Diözese hinaus engagierten sich Vertreter aus St. Pölten stark auf Österreich-Ebene. Gemeinsam mit anderen Diözesen setzten sie sich in den 1970er-Jahren erfolgreich dafür ein, dass kirchliche Angestellte weiter unter den Schutz des Arbeitsverfassungsgesetzes fielen. Damit wurden wesentliche Mitbestimmungsrechte dauerhaft gesichert.
Österreichweites Engagement
Mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft kirchlicher Dienstnehmervertretungen Österreichs (AKDÖ) 1976 begann eine intensive Zusammenarbeit aller österreichischen Diözesen. Daraus entstanden Mindestrahmenregelungen sowie viele Verbesserungen im Arbeits-, Urlaubs- und Sozialrecht, an deren Entwicklung Vertreter aus St. Pölten wesentlich mitwirkten.
Verlässlicher Ansprechpartner
Bis heute versteht sich der Betriebsrat als verlässlicher Ansprechpartner für die Mitarbeitenden der Diözese. Er begleitet dienstrechtliche Entwicklungen, vertritt die Anliegen der Kollegenschaft und trägt dazu bei, dass Arbeitsbedingungen den Herausforderungen der Zeit angepasst werden. Seit 70 Jahren zeigt sich: Gute Zusammenarbeit entsteht dort, wo Respekt, Dialog und gemeinsames Verantwortungsbewusstsein für die Menschen im Mittelpunkt stehen.
Derzeitige Vorsitzende der Personalvertretung ist Irmgard Bayrhofer. Sie begrüßte beim Fest Bischof Alois Schwarz und Generalvikar Christoph Weiss, die die wertschätzende Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat hervorhoben. Dieser freute sich über weitere Festgäste, u. a. Johannes Öllerer (AK NÖ) und Michael Pieber (Gewerkschaft der Privatangestellten).
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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