Oft kommt es im Leben ganz anders, als man denkt.
Wenn sich das Leben plötzlich ändert

Verkündigung des Herrn – das Gemälde von Leonardo da Vinci ist in den Uffizien in Florenz ausgestellt.
  • Verkündigung des Herrn – das Gemälde von Leonardo da Vinci ist in den Uffizien in Florenz ausgestellt.
  • Foto: Gemeinfrei
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Am 25. März feiert die Kirche das Fest „Ver­kün­digung des Herrn“ oder „Mariä Verkündigung“. Der Erzengel Gabriel tritt bei Maria – einer jungen, unverheirateten Frau – ein und verkündet ihr, dass sie ein Kind bekommen soll. Eine nahezu unerhörte Ankündigung, die das Leben der jungen Frau extrem durcheinanderwirbelt. Die Pläne, die sie bis dahin hatte – bekannt ist die Absicht, Josef zu heiraten –, sind plötzlich nicht mehr sicher. Wird Josef sie noch heiraten, wenn sie auf unerklärliche Weise schwanger ist? Wird er ihr glauben, dass kein anderer Mann im Spiel ist? Was wird ihre Familie sagen?

Danach ist nichts mehr wie vorher
Maria wird mit einer Art Nachricht konfrontiert, die das Leben auf einen Schlag ändert. Bei Maria war es die unerwartete Schwangerschaft; andere Menschen bekommen eine Krebsdiagnose, die unerwartete Kündigung am Arbeitsplatz oder erfahren vom plötzlichen Tod eines geliebten Menschen. Danach ist nichts mehr wie vorher. Die Frage lautet, wie man nun seinen Weg weitergehen kann. Die Jungfrau Maria hat bei aller Ungewissheit ja dazu gesagt, das Kind zu bekommen. In ihrem Fall hat Gott ihre Einwilligung abgewartet.
Hier ist vielleicht der große Unterschied zu den Situationen, in denen man eine lebens­än­­dern­de Nachricht erfährt. Denn oft steht man vor vollendeten Tatsachen und hat keine Wahl mehr. Die Krankheit ist schon ausgebrochen, der geliebte Mensch bereits verstorben. Man wird nicht mehr gefragt und kann seine Meinung dazu nicht äußern.
Es besteht jedoch trotzdem eine Möglichkeit, wie Maria eine neue Situation anzunehmen. Das ist sicher oft nicht einfach und erfordert eine gewisse Arbeit und Kraftanstrengung. Wer es jedoch schafft zu sagen: „Es ist jetzt so“ und die Lage akzeptiert, der hat schon viel gewonnen. Der kann klarer schauen, wie man mit dieser neuen Situation umgehen kann, welche Handlungsspielräume man hat und welche Wege es noch gibt – auch wenn auf den ersten Blick alles ausweglos ist.

Das mag einige Zeit dauern, bis man so weit ist. Auch Maria brauchte offensichtlich Zeit, um die Nachricht zu verdauen. Denn im Lukasevangelium ist zu lesen, dass sie sich nach einigen Tagen auf den Weg machte. Sie geht nicht sofort los, sie verfällt nicht in Aktionismus, sondern sie nimmt sich die Zeit, um die neue Lebenswirklichkeit zu akzeptieren und bei sich ankommen zu lassen.

Das kann auch heute hilfreich sein: sich die Zeit zur Trauer zu nehmen, bewusst Ab- schied zu nehmen von den eigenen Lebensplänen. In Ruhe zu überlegen, was es bedeutet, ohne Arbeit zu sein. Wie lange diese Phase jeweils dauert, kann man nicht vorherbestimmen. Aber es ist auf jeden Fall gut, auf sich zu achten und zu schauen, was gut tut.

Maria macht sich nach einigen Tagen Bedenkzeit auf den Weg zu ihrer Cousine Elisabet. Zum einen war Elisabet ihre Verbündete, weil auch sie eine unerwartete Nachricht bekommen hatte: Sie war noch im hohen Alter schwanger geworden, als niemand mehr damit rechnete. Diese Frau würde also verstehen können, wie Maria sich fühlt. Und gleichzeitig ist sie eine Verwandte. Sie gehört zum Umfeld Marias, sie kennen sich. Es tut gut, seine Erfahrungen mit Menschen zu teilen, die Ähnliches erleben bzw. erlebt haben. Die nachvollziehen können, wie es einem in dieser bestimmten Situation geht.

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“

Gleichzeitig ist es überhaupt gut, jemanden aufzusuchen und ihm zu erzählen, was einem widerfahren ist. Nicht umsonst kennt der Volksmund das Sprichwort „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Zu erfahren, dass jemand die Last mitträgt, kann Kraft spenden, und ein anderer kann neue Wege und Perspektiven entdecken, die einem selber nicht in den Sinn kommen. Maria schöpft aus der Begegnung mit ihrer Cousine Kraft und Mut. Nach drei Monaten kehrt sie wieder nach Hause zurück und beginnt ihr Leben als diejenige, die den Sohn Gottes zur Welt bringen soll.

So konnte sich die junge Maria schließlich in der neuen Lage zurechtfinden und sie annehmen. Ähnlich kann es heute auch jedem von uns gelingen, schwierige und belastende Situationen anzunehmen und sie zu gestalten.
Kerstin-Marie Berretz OP/KNA/Red.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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