Familie
Ohne Wenn und Aber

"Bunte Nachmittage" sorgen für Abwechslung im Alltag von Demenzkranken.
  • "Bunte Nachmittage" sorgen für Abwechslung im Alltag von Demenzkranken.
  • Foto: Caritas / Karl Lahmer
  • hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl

Pflegende Ehepartner von demenzkranken Menschen teilen ein gemeinsames Schicksal: Sie müssen rund um die Uhr da sein. So geht es auch Anna* aus Göpfritz. Trotz allem gibt sie die Hoffnung und die Liebe nicht auf.

Mein Mann Heinz hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert“, sagt Anna* (Name der Redaktion bekannt) aus Göpfritz an der Wild im Waldviertel. Zunehmende Gedächtnis-, Orientierungs- und Sprachstörungen – das sind nur einige der typischen Symp­tome einer Alzheimer Demenz, die auftreten können und den Alltag von Betroffenen wie Angehörigen auf den Kopf stellen.

Keine ruhige Minute
Heinz ist kein Einzelfall. Jährlich erkranken Tausende Menschen in Österreich an dieser Form der Demenz. „Das ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der die Nervenzellen und ihre Verbindungen im Gehirn zunehmend absterben“, erklärt Claudia Rathmanner, Leiterin der Kompetenzstelle Demenz der Caritas der Diözese St. Pölten. Für die meisten Menschen ist die Krankheit aber nach wie vor ein Tabu. Nur selten reden sie darüber in der Öffentlichkeit. Auch erfahren die pflegenden Angehörigen kaum Wertschätzung, stellt Claudia Rathmanner fest, obwohl sie sich für ihre Partner rund um die Uhr liebevoll einsetzen.
Allein 100.000 Österreicher leisten diese Arbeit unentgeltlich, heißt es von der Österreichischen Alzheimergesellschaft. Ein Großteil davon sind erwachsene Kinder, die ihre Eltern pflegen, oder ältere Personen, die ihre Partner betreuen. Viele nehmen Unterstützung „von außen“ an, wenn sie im Alltag an ihre Grenzen stoßen und weder ein noch aus wissen. „Dann kommen sie zu uns“, sagt Claudia Rathmanner.

Von Tag zu Tag
Den Lebensabend mit ihrem Mann hatte sich Anna anders vorgestellt: Reisen wollte sie mit ihm unternehmen und dabei andere Länder mit ihm entdecken; auch ins Theater gehen. Daran ist heute nicht mehr zu denken.
Kleinigkeiten im Alltag können den 81-Jährigen irritieren und zusätzlich verwirren. Als vor Wochen das Dach des Hauses repariert wurde, war das der Fall: Anna musste auf diese Situation reagieren und Heinz zu seiner gewohnten Tagesstruktur verhelfen. „Komm, ich setze mich zu dir. Es ist alles in Ordnung!“ – mit diesen Worten beruhigte sie ihn. Um ihren Mann abzulenken, stellte sie einen Kaffee auf den Tisch und ermunterte: „Erzähl mir vom Urlaub in Italien!“
Manchmal spiele sie ihm auch seine Lieblingsmusik vor, um ihn etwas abzulenken. Betroffene wollen Sicherheit und Geborgenheit in ihrem Umfeld erleben, erklärt Rathmanner. Angehörige müssen daher spontan auf sie eingehen und ihnen viel Geduld, Liebe und Zeit entgegenbringen.

Alltag und Sorgen teilen
Die Corona-Pandemie führte bei vielen Menschen mit Demenz zu einer weiteren Verschlechterung des Krankheitsbildes, da Besuche von Familienmitgliedern nicht stattfinden konnten. Auch Anna beobachtete bei ihrem Mann einige Veränderungen. So sei Heinz zunehmend ängstlicher und aggressiver geworden. Um sich vom herausfordernden Alltag etwas zu erholen und zu lösen, fährt sie mit ihm auch regelmäßig zu „Bunten Nachmittagen“ der Caritas im Waldviertel. Dort kann er einen Nachmittag unter Freunden mit Kaffee und Kuchen, Musik und Beschäftigung verbringen. Informieren und untereinander austauschen können sich Angehörige bei Stammtischen. Das helfe und bestärke sie immer wieder, gibt Anna im Gespräch zu. „So weiß ich, dass ich mit meinen Sorgen und Alltagsproblemen nicht alleine bin.“

Aber die Liebe hält
Für Anna ist die Erkrankung „ein Abschied auf Raten“. Obwohl Heinz sie an manchen Tagen „an die Grenzen bringt“, ist die Beziehung zwischen ihm und ihr weiterhin intakt – „nur auf einer anderen Ebene“, wie die 76-Jährige ergänzt. „Denn das Herz wird eben nicht dement.“ Christopher Erben

* Name geändert

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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