13.Sonntag i.JK26: Pfarrer Peter Bösendorfer
Nachfolge Jesu bedeutet nicht für alle dasselbe
- Schon ein Becher Wasser, aus Liebe gegeben, bleibt vor Gott nicht unbeachtet. Keine Tat der Liebe ist zu klein.
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Klingt nicht besonders familienfördernd, was Jesus da seinen Jüngern zumutet. Auch stellt er keinen Lohn in Aussicht, den wir nach menschlichen Maßstäben als besonders attraktiv empfinden würden. Von Sicherheiten, die heute selbstverständlich erscheinen, ist nicht die Rede. Jesu Worte sind radikal – sie gehen an die Wurzel und fragen danach, was letztlich den ersten Platz in unserem Herzen einnimmt.
Erste christliche Wanderprediger
Dabei beginnt das Evangelium beinahe wie eine Erzählung, der man entspannt lauschen möchte: „In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln …“ Doch dann folgen Worte, die herausfordern. Jesus spricht von Nachfolge, vom Kreuztragen und davon, das Leben um seinetwillen zu verlieren, um es zu gewinnen.
Die Bibelwissenschaft geht davon aus, dass sich in diesen Worten auch die Erfahrungen der ersten christlichen Wanderprediger widerspiegeln. Sie waren unterwegs ohne große Sicherheiten und darauf angewiesen, aufgenommen und unterstützt zu werden. Ihre Erfahrungen haben im Matthäusevangelium ihren Niederschlag gefunden.
Heißt das nun, dass einige wenige diese radikale Nachfolge leben und wir anderen nur bewundernde Zuschauer bleiben?
Diese Form radikaler Nachfolge blieb nicht die einzige Gestalt christlichen Lebens. Es gab sie im Lauf der Geschichte immer wieder: Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Maximilian Kolbe, Franz Jägerstätter oder Óscar Romero und andere sind Beispiele dafür.
Heißt das nun, dass einige wenige diese radikale Nachfolge leben und wir anderen nur bewundernde Zuschauer bleiben? Wohl kaum. Das Evangelium richtet sich an jede und jeden von uns. Als Getaufte sind wir eingeladen, uns persönlich zu fragen: Was bedeutet Christsein für mich? Wie kann ich Jesus in meiner Lebenssituation nachfolgen? Wo nehme ich Christus auf? Wo bin ich gerufen, Zeugnis zu geben – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Pfarre oder im öffentlichen Leben?
Nachfolge Jesu bedeutet nicht für alle dasselbe. Aber sie bedeutet für alle, sich von Jesu Botschaft berühren und prägen zu lassen. Das kann spannend sein und werden. Nicht alles, was in Politik und Gesellschaft vertreten wird, lässt sich mit der Botschaft Jesu vereinbaren. Besonders dort, wo die Achtung vor der Würde des Menschen und die Liebe zum Nächsten verloren gehen, sind Christinnen und Christen gefordert, Haltung zu zeigen.
Keine Tat der Liebe ist zu klein
Dann spricht Jesus vom Lohn. Dabei geht es nicht um eine Bezahlung nach Leistung. Der „Lohn“ besteht vielmehr darin, Anteil an Gottes Leben zu haben. Schon ein Becher frischen Wassers, aus Liebe gegeben, bleibt vor Gott nicht unbeachtet. Keine Tat der Liebe ist zu klein. Gott sieht das Verborgene und würdigt auch das, was Menschen oft übersehen.
Wir werden immer wieder mit der Frage konfrontiert sein, was es heißt, als Christin und Christ zu leben. Ob die Nachfolge in außergewöhnlicher Radikalität oder in der stillen Treue des Alltags Gestalt annimmt – für alle gilt dieselbe Verheißung: Er oder sie wird nicht um seinen Lohn kommen!
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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