Pfarrer P. Hermann Sandberger SDB
Glaubst du wirklich, dass du einmal in den Himmel kommst?

Wie in vielen anderen Pfarren wird die Tradition der Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt auch in der Pfarre St. Christophen hochgehalten. | Foto: Archiv / Christine Hell
  • Wie in vielen anderen Pfarren wird die Tradition der Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt auch in der Pfarre St. Christophen hochgehalten.
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Auf Bitte von „Kirche bunt“ schreibt
P. Hermann Sandberger seine Homilie zum Fest Mariä Himmelfahrt.

Das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel wird seit dem 5. Jahrhundert gefeiert. Viele Kirchen sind diesem Festgeheimnis geweiht. Auch unsere Domkirche in St. Pölten wurde bereits 1228 zu Ehren Mariä Aufnahme in den Himmel geweiht, und das ist das Patrozinium, das der Dom bis heute führt.

Worum geht es: Maria, als erste von uns Menschen, ist ganz bei Gott, mit Leib und Seele, ganz.
Wenn ich Kinder frage, wie sie einmal in den Himmel kommen wollen, nur mit der Seele (da muss ich erklären, was Seele bedeutet) oder als Ganze, antworten normalerweise alle: Wir wollen einmal als Ganze in den Himmel kommen!

Eine Erwachsene hat mich vergangenes Jahr gefragt: aber wie geht das, mein Körper zerfällt ja, wenn ich sterbe. Ja, der Körper zerfällt, hier ist vom Leib die Rede. Der Leib ist all das, was zu mir, zu meiner Identität dazugehört, wie immer das dann genau aussieht.

Leibhaft auferstanden

Der auferstandene Jesus ist den Jüngern leibhaft erschienen, es war nicht sein Körper, es war sein Leib, sodass sie ihn nicht gleich erkannten, es hat etwas gebraucht, ihn zu erkennen: Er spricht sie an, er zeigt ihnen seine Wundmale. Erst dann erkennen sie ihn. Das war damals so, das ist heute so.

Für mich ist der 15. August auch mein Professtag (1985). Damals habe ich unter anderem versprochen, als Salesianer Don Boscos in Gemeinschaft mein Leben für jene einzusetzen, zu denen Gott mich senden wird, besonders für die ärmere Jugend. Wir bekamen damals ein Professkreuz, und jeder durfte sich etwas aussuchen, das auf der Rückseite eingraviert wurde. Ich wählte zwei Wörter und ein Rufzeichen: JESUS LEBT! Das hat mich bis heute durchgetragen.

Vergangenes Jahr, nach dem Trauungsgespräch mit einer meiner Nichten gab es anschließend Essen und Trinken im größeren Familienkreis. Im Laufe des Abends fragte mich meine Nichte etwas, und ich begann mit einer Geschichte zu antworten und sagte: „Doris, wenn wir einmal im Himmel sind, ...“, da unterbrach sie mich und sagte: „Onkel Hermann, glaubst du wirklich, dass du einmal in den Himmel kommst?“
Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet, aber nach einer kurzen Pause ist dann ein sehr offenes und ehrliches Gespräch entstanden.

Mariä Himmelfahrt zeigt uns, wofür wir eigentlich bestimmt sind: zur ganzheitlichen
Vollendung bei Gott.

Das Evangelium erzählt die Begegnung Marias mit Elisabet. Beide Frauen haben etwas von Gott her erfahren: das Kind, das sie erwarten. Von da her wird es zu einer ganz besonderen Begegnung.
Den Beginn der geisterfüllten Worte von Elisabet beten wir im zweiten Satz des Gegrüßet seist du Maria: „Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.“ Die Antwort Marias betet die Kirche jeden Abend bei der Vesper im Magnificat: „Meine Seele preist die Größe des Herrn …“

Am Festtag Mariä Aufnahme in den Himmel gibt es vielerorts traditionell auch eine Kräutersegnung, warum?
Die Legende sagt, die Jünger gingen zum Grab Mariens und fanden aber keinen Leichnam, sondern Blumen, Rosenblüten, Kräuter und es duftete!

Die Kräuterbüscherl drücken einerseits natürliche Heilkraft aus, durch die Fürbitte Mariens und den Segen aber auch eine Heilkraft, die weit darüber hinausgeht.
Das Fest zeigt uns, wofür wir eigentlich bestimmt sind: zur ganzheitlichen Vollendung bei Gott.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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