Bischof Schwarz zum 50jährigen Priesterjubiläum
„50 Jahre im Dienst an Gott und den Menschen“

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz wurde vor 50 Jahren von Kardinal Franz König zum Priester geweiht. „Ich war 24 Jahre alt und habe gespürt: Dieser Schritt ist größer als meine eigenen Möglichkeiten. Besonders das Handauflegen, die Stille und das Gebet der Kirche sind mir in Erinnerung geblieben.“
 | Foto: Thomas Sattler
  • Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz wurde vor 50 Jahren von Kardinal Franz König zum Priester geweiht. „Ich war 24 Jahre alt und habe gespürt: Dieser Schritt ist größer als meine eigenen Möglichkeiten. Besonders das Handauflegen, die Stille und das Gebet der Kirche sind mir in Erinnerung geblieben.“
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„Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz feiert heuer sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Im Interview mit „Kirche bunt“ spricht er berührend von seiner Berufung und der tief prägenden Erfahrung der Priesterweihe. Er erinnert sich an Momente der Freude und des Segens ebenso wie an Zeiten der Herausforderung – und blickt dabei mit großer Dankbarkeit zurück. Er spricht darüber, was er jungen Menschen, die eine Berufung zum Priestertum verspüren, mit auf den Weg gibt und welche Wünsche er für die Diözese und die Kirche hat.

Herr Bischof, können Sie sich noch an den Moment erinnern, in dem Sie Ihre Berufung gespürt haben? Was hat Sie damals dazu bewegt, Priester zu werden?

Bischof Alois Schwarz: Meine Berufung war kein Blitz vom Himmel, sondern ein Weg, der langsam in mir gewachsen ist. Ich bin in Hollenthon in Niederösterreich aufgewachsen, in einer bäuerlichen Familie, in der der Glaube selbstverständlich zum Leben gehört hat. Die Kirche war für mich nicht zuerst eine Institution, sondern ein Ort von Heimat, Gebet, Gemeinschaft und Orientierung. In Sachsenbrunn, im Gymnasium und Internat, hat sich diese Frage weiter vertieft: Wofür möchte ich mein Leben einsetzen? Mich hat berührt, dass Priester Menschen in allen Lebenslagen nahe sein dürfen – in Freude, in Sorge, in Schuld, in Krankheit, im Abschied. So ist in mir der Wunsch gewachsen, mein Leben Gott und den Menschen zur Verfügung zu stellen.

Wie haben Sie Ihre Priesterweihe vor 50 Jahren erlebt?

Bischof Schwarz: Die Priesterweihe am 29. Juni 1976 in Wien durch Kardinal Franz König war für mich ein Tag großer innerer Bewegung. Ich war 24 Jahre alt und habe gespürt: Dieser Schritt ist größer als meine eigenen Möglichkeiten. Besonders das Handauflegen, die Stille und das Gebet der Kirche sind mir in Erinnerung geblieben. Es war Freude, aber auch Ehrfurcht. Ich wusste: Dieser Dienst gehört nicht mir. Er ist mir anvertraut.

Und welche Bedeutung hat das 50-jährige Priesterjubiläum für Sie heute?

Bischof Schwarz: Heute steht für mich vor allem die Dankbarkeit im Mittelpunkt. Fünfzig Jahre Priestersein bedeuten nicht einfach eine lange Zeit, sondern viele Menschen, viele Geschichten, viele Orte und auch manche schwere Stunde. Ich denke an Gloggnitz, an Krumbach, an die Erzdiözese Wien, an Kärnten und heute an St. Pölten. Überall durfte ich erfahren: Gott wirkt oft leise, aber treu.
„Wer Priester wird, entscheidet sich nicht für ein bequemes Leben, aber für ein erfülltes Leben im Dienst an Gott und den Menschen.“

Welche Stationen oder Aufgaben in Ihrem priesterlichen Dienst waren für Sie besonders prägend?

Bischof Schwarz: Sehr prägend war meine erste Zeit als Kaplan in Gloggnitz. Dort lernt man, was Seelsorge wirklich bedeutet: zuhören, mitgehen, erreichbar sein. Als Pfarrer in Krumbach war ich den Menschen im Alltag sehr nahe. Später haben mich die Aufgaben im Pastoralamt der Erzdiözese Wien, als Weihbischof, als Bischof von Gurk-Klagenfurt und nun als Bischof von St. Pölten geprägt. Jede Station hat mich gelehrt: Kirche lebt aus Begegnung.

Sie haben fünf Jahrzehnte kirchlicher Entwicklung miterlebt: Welche Veränderungen haben Sie besonders geprägt?

Bischof Schwarz: Früher war der Glaube in vielen Familien und Orten selbstverständlicher eingebettet. Heute ist vieles fragiler geworden. Menschen wählen bewusster, suchen stärker, fragen kritischer. Das fordert uns heraus, aber ich sehe darin auch eine Chance. Der Glaube kann heute nicht einfach vorausgesetzt werden. Er muss persönlich, glaubwürdig und verständlich bezeugt werden.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Kirche heute?

Bischof Schwarz: Die größte Herausforderung ist Glaubwürdigkeit. Wir müssen als Kirche zeigen, dass das Evangelium nicht nur gepredigt, sondern gelebt wird. Dazu gehört auch, Wunden nicht zu überdecken, sondern ehrlich hinzuschauen. Zugleich müssen wir Menschen neu die Schönheit des Glaubens erschließen: dass Gott das Leben nicht kleiner macht, sondern weiter, tiefer und hoffnungsvoller.

Was verstehen Sie als Kernaufgabe Ihres bischöflichen Dienstes?

Bischof Schwarz: Mein Wahlspruch lautet: „Et verbum caro factum est“ – „Und das Wort ist Fleisch geworden.“ Für mich heißt das: Der Glaube muss konkret werden. Ein Bischof soll nicht fern sein, sondern nahe bei den Menschen. Meine Aufgabe ist es, zu stärken, zu ermutigen, zu verbinden und Christus in die Mitte zu stellen.

Welche Entscheidungen oder Begegnungen haben Sie als Bischof besonders geprägt?

Bischof Schwarz: Am meisten prägen mich nicht Akten oder Sitzungen, sondern Begegnungen: mit Kranken, mit Trauernden, mit jungen Menschen, mit Priestern und Ordensleuten, mit Familien, mit Menschen, die an der Kirche leiden oder neu nach Gott fragen. Solche Gespräche bleiben im Herzen. Sie erinnern mich daran, dass jede Entscheidung am Ende den Menschen dienen muss.

Wie sind Sie mit schwierigen Situationen oder Krisen in Kirche und Gesellschaft umgegangen?

Bischof Schwarz: Krisen verlangen Ehrlichkeit, Geduld und Gebet. Ich habe erlebt, dass man schwierige Situationen nicht wegreden kann. Man muss hinschauen, zuhören und Verantwortung übernehmen. Zugleich habe ich erfahren, dass mich das Gebet vieler Menschen getragen hat. Gute Freunde und ehrliche Wegbegleiter waren mir dabei eine große Hilfe.

Mit Ihren Postings/Reels in den Sozialen Medien erreichen Sie Millionen Menschen. Welche Rolle sehen Sie in den Sozialen Medien bei der Evangelisierung von heute?

Bischof Schwarz: Soziale Medien sind heute ein großer öffentlicher Raum. Wenn Menschen dort leben, suchen, fragen und hoffen, dann darf die Kirche dort nicht fehlen. Mir geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern darum, einen Gedanken des Evangeliums, ein Wort der Hoffnung, einen geistlichen Impuls dorthin zu bringen, wo Menschen unterwegs sind. Manchmal kann ein kurzer Satz ein Herz öffnen.

Wofür sind Sie auf Ihrem bisherigen Weg besonders dankbar?

Bischof Schwarz: Ich bin dankbar für meine Herkunft aus Niederösterreich, für meine Familie, für die Menschen, die mich geprägt haben, für Kardinal König, der mich zum Priester geweiht hat, und für unzählige Begegnungen in Pfarren, Schulen, Krankenhäusern, Klöstern und Gemeinschaften. Dankbar bin ich auch für die Erfahrung: Gott verlässt uns nicht.

Welche Wünsche haben Sie für Ihre Diözese und die Kirche insgesamt?

Bischof Schwarz: Ich wünsche mir eine Kirche, die nahe bei den Menschen ist. Eine Kirche, die zuhört, tröstet, aufrichtet und Hoffnung schenkt. Für unsere Diözese St. Pölten wünsche ich mir, dass wir mutig und zugleich demütig aus dem Evangelium leben – in den Pfarren, in den Familien, in den Schulen, in der Caritas und in allen pastoralen Räumen.

Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die über eine Berufung zum Priestertum nachdenken?

Bischof Schwarz: Habt keine Angst, Gott euer Leben hinzuhalten. Berufung beginnt oft leise. Sie braucht Stille, Gebet, Begleitung und Mut. Wer Priester wird, entscheidet sich nicht für ein bequemes Leben, aber für ein erfülltes Leben im Dienst an Gott und den Menschen.

Was gibt Ihnen heute Kraft und Freude im Alltag?

Bischof Schwarz: Kraft geben mir das Gebet, die Psalmen am Morgen, die Eucharistie und die Begegnung mit Menschen. Freude erfahre ich, wenn ich sehe, dass Aufbruch möglich ist, dass Menschen Hoffnung schöpfen und dass Glaube auch heute Herzen berührt.

Gibt es ein Bibelwort oder einen Leitgedanken, der Sie besonders begleitet?

Bischof Schwarz: Mein bischöflicher Wahlspruch aus dem Johannesevangelium begleitet mich besonders: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“ Das ist für mich Kern unseres Glaubens. Gott bleibt nicht fern. Er kommt in unser Leben hinein. Darum muss auch unser Glaube menschlich, konkret und nahe bei den Menschen sein.

Autor:

Sonja Planitzer aus Niederösterreich | Kirche bunt

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