Maria Anzbach
Gärtnern als Therapie

Hauswurzen einpflanzen: Bewohnerinnen des Pflegehauses St. Louise in Maria Anzbach arbeiten mit Martina Wels.  | Foto: Alek Kawka/BHS Pflege
  • Hauswurzen einpflanzen: Bewohnerinnen des Pflegehauses St. Louise in Maria Anzbach arbeiten mit Martina Wels.
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Pflanzen, ernten, gestalten: Im Haus St. Louise der Barmherzigen Schwestern in Maria Anzbach wird im Rahmen der Gartentherapie gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gegärtnert.

Die Bewohnerinnen und Bewohner sitzen rund um einen Tisch. Konzentriert nehmen sie Rebe für Rebe der leuchtend roten Ribisel und „rebeln“ sie ab. Das Ergebnis: Mehrere Kilogramm Ribisel werden an diesem Sommertag von den Stängeln entfernt. Die alten und beeinträchtigten Menschen sind sichtlich stolz auf ihre Leistung. Das Arbeiten, Bewegen und Entdecken im Garten ist Teil der Gartentherapie im Pflegehaus St. Louise der Barmherzigen Schwestern in Maria Anzbach. Hilft sie?

Für Martina Weis, Pflegeassistentin und Seniorenbetreuerin, bedeutet die Natur seit jeher Entschleunigung. Vor einigen Jahren kam sie auf die Idee, ihre Leidenschaft für den Garten mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu teilen: „Sie müssen mit dem Einzug in das Pflegeheim viel Vertrautes zurücklassen.
Die Natur hingegen bleibt etwas Beständiges. Ins Freie zu gehen, die Sonne und den Wind zu spüren, gibt Stabilität und Halt. Die Jahreszeiten geben außerdem Orientierung.“

Martina Weis absolvierte verschiedene Ausbildungen, unter anderem den Universitätslehrgang Gartentherapie an der Universität für Weiterbildung Krems.

Sie bietet eine einstündige Aktivitätsrunde im Garten an: den „Gartenclub“.

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildungen fing Weis an, eine einstündige Aktivitätsrunde im Garten anzubieten: den „Gartenclub“. Auch wenn viele Bewohnerinnen und Bewohner zunächst skeptisch reagierten, nahmen doch einige daran teil.

Die Gartentherapie ist in der Pflegeeinrichtung stark von den Jahreszeiten geprägt. Im Frühling werden gemeinsam die Hochbeete bepflanzt, Kartoffeln in die Kartoffelpyramide eingelegt und Blumen gesetzt. Martina Weis arbeitet mit unterschiedlichen Naturmaterialien sowie mit alten Gegenständen, die neu bepflanzt werden – etwa mit dem Hauswurz.
Dadurch würden bei vielen Menschen Erinnerungen geweckt: „Eine Guglhupfform, die früher viele Dienste geleistet hat, wird neu bepflanzt und erhält eine neue Verwendung. Dadurch entsteht ein Erfolgserlebnis.“

Im Sommer wird natürlich gemeinsam geerntet; der Höhepunkt ist das Kartoffelfest, bei dem gemeinsam gefeiert wird und warme Kartoffeln gegessen werden. Auch an den kirchlichen Festen orientiert sich Martina Weis: Rund um Maria Himmelfahrt werden Kräuterbüschel gebunden und zum Erntedank eine Ernte-Krone geschmückt.

Das Gefühl, gebraucht zu werden

Gartentherapie wirkt sich sowohl körperlich als auch psychisch positiv aus. Das Gärtnern fördert die Bewegung, verbessert die Motorik und kann unter anderem Kraft und Koordination positiv unterstützen. Der Aufenthalt in der Natur entspannt, reduziert Stress und kann depressive Symptome und Ängste verringern.

Vieles davon beobachtet auch Martina Weis bei den Bewohnerinnen und Bewohnern: „Man merkt deutlich, wie die Menschen entschleunigen. Gleichzeitig kann ein Spaziergang durch den Garten auch aktivierend wirken. Neugier und Interesse an der Zukunft werden geweckt. Pflanzen werden häufig zum Ausgangspunkt für Gespräche und Erinnerungen. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten Orientierung und wechseln teilweise von der Rolle der Betreuten in die Rolle der Betreuenden. Dadurch erleben sie Selbstwirksamkeit.“

Auch auf Menschen mit Demenz wirkt sich die Gartentherapie positiv aus – motorische und emotionale Unruhe nehmen ab, die Arbeit in der Natur wirkt erdend.
Eines ist für Martina Weis besonders bedeutsam: „Die Bewohnerinnen und Bewohner haben eine sinnvolle Beschäftigung. Viele von ihnen wurden ihr Leben lang gebraucht. Dieses Gefühl auch weiterhin zu erleben, ist sehr wichtig. Und am Ende gibt es immer ein Erfolgserlebnis, das gemeinsam genossen werden kann.“

Viele Elemente der Gartentherapie lassen sich auch zuhause im eigenen Garten umsetzen. Martina Weis geht nach einem langen Tag in ihren eigenen Garten, betrachtet bewusst die Blumen und merkt, wie sie ruhiger, gelassener und entspannter wird. Bewusst wahrnehmen, den Garten mit Pflanzen zum Leben erwecken und Obst und Gemüse verarbeiten – das kann für jeden von uns erfüllend sein.

Daniela Rittmannsberger-Kampel

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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