"Kirche bunt" in Pakistan
Caritas: Klimawandel als konkrete Lebensbedrohung

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Pakistan zählt zu den Ländern, die weltweit am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leiden. Dabei verursacht das Land selbst weniger als ein Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Dennoch sind die Auswirkungen für die Menschen dramatisch: Hitzewellen mit Temperaturen von über 50 Grad Celsius, verheerende Monsunfluten, sinkende Grundwasserspiegel und zunehmende Ernteausfälle bedrohen die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Die Klimakrise ist hier längst tägliche Realität.
Seit mehr als 20 Jahren ist die Caritas der Diözese St. Pölten mit ihren Projektpartnern im Bildungs-, Gesundheits- und Landwirtschaftsbereich in Pakistan aktiv, informieren Caritas-Generalsekretär Christoph Riedl und Pakistan-Experte Andreas Zinggl – der auch ein erprobter Helfer in Katastrophenfällen ist – vor Ort. Das Land zählt neben Senegal und Albanien zu einem der Schwerpunktländer der Caritas St. Pölten.

Viel Wertschätzung

Wie die Caritas St. Pölten gemeinsam mit der Caritas Pakistan darauf reagiert, zeigt das Projekt SAFBIN nahe der Millionenstadt Hyderabad. Schon die Ankunft in einem der abgelegenen Dörfer macht deutlich, wie sehr die Menschen die Unterstützung wertschätzen. Die Besucher aus Österreich wurden mit Tänzen, kleinen Geschenken, großer Herzlichkeit und neugierigen Blicken der Kinder empfangen. Diese gelebte Gastfreundschaft erinnert an einen Wert, der tief in der biblischen Tradition verwurzelt ist und überall in Pakistan zu spüren ist.
Besonders schätzt man als Besucher die leckeren Mangos, die als Nachtisch gereicht werden. Sie schmecken dort vor Ort einfach besser. Die Mangos, von deren Verkauf viele Pakistanis leben, sind aber auch ein Beispiel, wie anfällig das Land für Erschütterungen in der Weltpolitik ist: Der Export in das Hauptzielland Iran ist aufgrund des Nahost-Krieges zuletzt massiv eingebrochen. Weltweit spürt man den Konflikt, etwa bei Preissteigerungen oder bei Treibstoffmangel – aber arme Länder trifft das noch härter in ihrem Alltag.

Die Lebensbedingungen vieler Familien sind einfach, aber auch Elend findet man nicht selten vor. Mehrere Generationen leben oft gemeinsam auf engem Raum. Zugang zu sauberem Wasser, ausreichender Nahrung oder Bildung ist vielerorts keine Selbstverständlichkeit. Apropos Wasser: Als Besucher ist es eine Unmöglichkeit, Wasser aus Brunnen oder aus Leitungen zu trinken, das würde rasch zu Erkrankungen führen. Von den rund 240 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern Pakistans leben mehr als 70 Millionen in Armut. Zusammenhalt, Familienleben und religiöser Glaube prägen den Alltag der Menschen.

Das SAFBIN-Programm unterstützt Kleinbauernfamilien dabei, den Herausforderungen des Klimawandels mit nachhaltigen und kostengünstigen Methoden zu begegnen. Dazu gehören wassersparende Bewässerungssysteme, widerstandsfähige lokale Saatgutsorten, Bienenzucht, Hausgärten und natürliche Methoden der Schädlingsbekämpfung. Durch Mulchtechniken, Gründüngung und die Herstellung von organischem Kompost wird die Bodenfruchtbarkeit verbessert und die Ernte gesichert. Die Menschen erzählen, wie der Klimawandel für sie spürbar ist: geringere Ernteerträge, die Grundwasserspiegel sinken und die Sommer kommen immer früher. Fluch und Segen ist der sommerliche sintflutartige Monsun-Regen, der in vielen Gebieten oft der einzige Niederschlag im Jahr ist, aber gewaltige Dimensionen annehmen kann. Und das zerstört Ernten, Häuser und Infrastruktur – und tötet Menschen.

Bauern werden eingebunden

Besonders wichtig ist im SAFBIN-Projekt der Ansatz, die Menschen vor Ort aktiv einzubeziehen. Die Bauernfamilien entwickeln gemeinsam Lösungen, tauschen Erfahrungen aus und stärken ihre Widerstandskraft gegenüber den Folgen der Klimakrise. Gleichzeitig werden die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und Forschungseinrichtungen sowie die lokale Vermarktung der Produkte gefördert.

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass wirksame Hilfe weit über akute Nothilfe hinausgeht. Sie ermöglicht Menschen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und neue Perspektiven zu entwickeln. Gerade in einem Land, das die Folgen der Klimakrise besonders stark spürt, wird deutlich: Solidarität und nachhaltige Entwicklung schaffen Hoffnung – auch unter schwierigsten Bedingungen.

Schauplatzwechsel: Karatschi. Die Mega-Metropole hat rund drei Mal so viele Einwohner wie Österreich: also rund 25 Millionen, wahrscheinlich aber mehr. Auch hier zeigt sich: Christliche Organisationen kümmern sich um die Ärmsten der Armen – egal welcher Religion sie angehören. Der Anteil der Christen in Pakistan ist mit knapp zwei Prozent in der Islamischen Republik gering. Sie leben vor allem um Lahore herum, in Rawalpindi und Islamabad sowie in Karatschi. Viele haben ihre Wurzeln im indischen Bundesstaat Goa, viele in unteren sozialen Schichten. Rund 96 Prozent der Pakistani sind Muslime, dazu kommen noch Minderheiten wie die Hindus.

Kampf gegen Lepra

Das MALC (Marie Adelaide Leprosy Centre, eine christliche Hilfsorganisation) in Karatschi, mitgegründet von der 2017 verstorbenen deutschen Ordensfrau Ruth Pfau, kämpft so erfolgreich gegen die grausame Lepra-Krankheit, dass es heute nur mehr wenige Fälle gibt. 1963 wurde eine Lepraklinik erworben, die Patienten aus ganz Pakistan und sogar aus Afghanistan zur Behandlung anzog. Aber es gibt natürlich viele andere Herausforderungen: der Kampf gegen Tuberkulose oder gegen Blindheit. Auch Impfprogramme, etwa gegen Polio, und Schulungen sind zentrale MALC-Anliegen.

Bildung gilt als der Schlüssel zur Entwicklung und zum Ausbruch aus der Armut. 25 Millionen Kinder besuchen keine Schulen. Es erwartet sie ein Leben als Tagelöhner, als Arbeiter in der Landwirtschaft, meist auf Gedeih und Verderb abhängig von Großgrundbesitzern, im Haushalt oder in langjähriger Arbeitslosigkeit. Die unterste Schicht sammelt Plastik, Eisen, Glas u. ä. auf Straßen und Müllhalden, die sie zum Zwecke des Recyclings verkaufen kann – dieser Eindruck ist für westliche Besucher wirklich trostlos.

Entscheidender Faktor Bildung

Die vier MALC-Schulen in den Armenvierteln der Metropole Karatschi (Adam Goth, Gadap, Khameeso Goth und Manghopir) wurden gegründet, um Kindern von an Lepra erkrankten Menschen eine Chance zu bieten, der damit einhergehenden Stigmatisierung zu entkommen und dem Armutskreislauf zu entrinnen. Mittlerweile haben sich diese Schulen zu Motoren der Stadtteilentwicklung ausgezeichnet.

Die Schulen in den Armenvierteln wurden gegründet, um Kindern von an Lepra erkrankten Menschen eine Chance zu bieten. Neben der Schulbildung für 1.200 Kinder (Mädchen und Buben) aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen (religiöse Minderheiten, Flüchtlinge) werden Berufstrainings für Absolventinnen und Absolventen angeboten, sowie Gesundheitsversorgung (Ernährungsprogramm für Kinder unter fünf Jahren, Mutter-Kind-Betreuung).

Das Gesundheitszentrum in Gadap bei Karatschi wurde ursprünglich für Flüchtlinge aus Afghanistan gegründet. Ob Dürreperioden, Hochwasser, oder Wirtschaftskrise die Hintergründe sind, wann immer die Armut im Land steigt, werden die Konsequenzen an diesem Brennpunkt besonders sichtbar. In dieses Gesundheitszentrum kommen Mütter mit Kindern unter fünf Jahren.

Erfreulich ist: Die Kindersterblichkeit ging zuletzt stark zurück und die Lebenserwartung steigt.

Wichtig für Entwicklung: Stärkung des Immunsystems

Eine der Heldinnen im Gesundheitssystem ist Isabel Fernandes, eine Nachkommin der Goa-Christen. Geduldig untersucht sie beim Besuch von „Kirche bunt“ zahllose Kleinstkinder und verschreibt ihnen Nahrung, die ihr Überleben hoffentlich sichern wird. Sie erklärt: „Die Mütter und Kinder bekommen in Gadap nahrhafte Lebensmittel, die sie stärken. Denn wenn Kinder unter fünf Jahren geschwächt sind, dann wirkt sich das ein Leben lang auf das Immunsystem aus. Daher ist auch die Muttermilch so entscheidend!“

Weiterführende Infos: caritas-stpoelten.at/pakistan

Caritas St. Pölten-Spendenkonto: IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000, Pakistan.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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