SATIRE! - Zum Schmunzeln am Faschingssonntag
Großes Potenzial und viel Luft nach oben

Prof. Peter Filzmaier unterzog die Entwicklung der Seelsorgeräume in unserer Diözese einer messerscharfen Analyse. Fazit: Auch die, die auf der Leitung stehen, können den Strom nicht aufhalten.
  • Prof. Peter Filzmaier unterzog die Entwicklung der Seelsorgeräume in unserer Diözese einer messerscharfen Analyse. Fazit: Auch die, die auf der Leitung stehen, können den Strom nicht aufhalten.
  • Foto: Gugel
  • hochgeladen von Simon Grabner

Den Prozess der Diözesanreform analysiert der Politologe Prof. Peter Filzmaier in einem Exklusiv-Interview mit dem Sonntagsblatt.

Herr Professor, bis Herbst 2020 soll die Errichtung der Seelsorgeräume unter Dach und Fach sein. Wie beurteilen Sie aktuell den Stand der Dinge?
Filzmaier: Naja, die Beitrittsgespräche sind oft erst im Anlaufen. Viele Pfarren suchen noch nach einem Profil. Wobei sicher nicht alle, die sich profilieren wollen, dadurch auch ihre Bodenhaftung verbessert haben. Das Potenzial an Reformen und innovativen Ansätzen wird bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Aber es ist ein bisschen so wie bei der SPÖ: Es geht steil bergab, aber man ist überzeugt, die Richtung stimmt.

Es gibt ja für diesen Prozess einen sehr straffen Zeitplan. Lässt sich der halten?
Da bin ich alles andere als zuversichtlich. Allein die Sondierungsgespräche haben hier viel länger gedauert als bei Türkis-Grün – wegen der Konsultationsphase. Und da ist die Durchdringungsphase noch gar nicht mitgerechnet. In einigen Pilotpfarren hat es auch eine Experimentierphase gegeben. Und nach einer allgemeinen Erprobungsphase wird dann die Umsetzungsphase beginnen, die in eine Transformationsphase mündet, bevor in einer Evaluierungsphase die ersten Ergebnisse gesichert werden können.

Ist das nicht sehr langwierig?
Natürlich! Sie sehen auch: Das ganze Konzept ist sehr prozessorientiert, da ist eben vieles noch verhandelbar. Und phasenweise frage ich mich schon, ob all diese Phasen nicht nur Phrasen sind, oder überhaupt – eine Farce. Wer weiß das schon?

In der Diözese gibt es immerhin einen Perspektivenwechsel.
Das schon. Es bestehen aber schon allein in der Nomenklatur erhebliche Differenzen, ob es etwa zur Fusion von Pfarren kommt oder lediglich zur Konfusion. Außerdem muss erst geprüft werden, ob einzelne Pfarren bereits die Mess-streich-Kriterien erfüllen, oder ob da noch nachgebessert werden muss. Wird es eine Firmungsunion geben oder nicht? Welchen Schutz bekommen die Pfarren an den Diözesanaußengrenzen? Wie kann illegale Konversion bekämpft werden? Sind die Netto-Zahler nicht doch wieder nur reine Sakraments-Empfänger? Sie sehen schon, da sind noch viele Fragen offen. Es lässt sich auch noch überhaupt nicht prognostizieren, ob es zu einem harten oder weichen oder gar einem ungeordneten Pfarrexit kommen wird. Da ändern sich die Standpunkte derzeit genauso schnell wie die Parteizugehörigkeit von HC Strache. Und die Fluchtbewegungen sind ja nach wie vor nicht enden wollend. Wenn ich mir die Zahlen ansehe: Das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau. Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis das Paket geschnürt ist.

Aber werden nicht mit allen Mitarbeitern klare Commitments für ein eigenverantwortliches Handeln getroffen?
Allerdings. Jeder kann sich selbst entscheiden: Entweder ich komm mit, oder ich suche mir einen anderen Job. Im Sinne der Message-Control spricht man jedoch vorzugsweise von Netzwerken, die regional und vor Ort eine gemeinsame Vision entwickeln, von der es dann abhängt, ob die Mission der Kirche zu einer „Mission Impossible“ wird oder nicht. Der springende Punkt wird dabei – wie übrigens auch sonst überall – sicher die Frage der Leitung sein, wobei meine Wahrnehmung die ist, dass viele noch sehr auf der Leitung stehen. Warum soll das in der Kirche auch anders sein? Sobald es um die Posten geht, ist jede Vision auf verlorenem Posten. Und eine geteilte Leitung ist ja auch nichts wirklich Neues, die hatten wir schon seinerzeit beim legendären Vierteltelefon.

Das klingt jetzt nicht sehr optimistisch.
Ich würde es so sagen: Da ist noch Luft nach oben, wobei jedoch zu beachten ist, dass die Luft oben dünner wird. So gesehen sind die Veränderungen wirklich atemberaubend. Oder, mit anderen Worten: Der Prozess ist ergebnisoffen.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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