18. Sonntag im Jahreskreis | 2. August 2026
Meditation
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Wasser und Hahn
Den Wasserhahn öffnen. Und wirklich: Es funktioniert! Es funktioniert täglich, stündlich, wann immer ich will. Eigentlich erstaunlich, dass dem so ist. Es könnte ja sein, dass ich den Hahn öffne und es würde gar nichts geschehen, kein Tropfen käme heraus. Oder eine verschmutzte oder gar vergiftete Brühe würde ausfließen.
Doch ich gehöre zu den Glücklichen: Der Wasserhahn versiegt nicht in meiner Küche, in meinem Badezimmer. Alle meine Hähne geben Tag und Nacht sauberes Wasser ab, so oft und so lange ich sie öffne. Ich kann die Finger unter den Strahl halten und die Hände waschen – kalt oder warm.
Ohne Bedenken kann ich das Wasser trinken. Ich kann das Spülbecken füllen und eine Sekunde lang denken, wie viel es wert ist, diese Fülle von Wasser zur Verfügung zu haben.
Ein Glas Wasser, bitte. Nein, nichts anderes. Nur Lust auf Wasser. Die schlichte Nahrung für den Augenblick. Wasser hilft nicht erst, wenn mir die Zunge fast am Gaumen klebt. Schon vorher einfach nur die reine Frische kosten, dieses Lebenselixier. Es lohnt sich, nicht gleich loszutrinken und das Glas zuvor noch schnell ins Licht zu halten: Die Klarheit selbst! Ich kann das Wasser sehen und nicht sehen. Ich sehe mitten durch, als wäre es ein Fenster. Bäume hinter Glas und hinter Wasser, dort das Nachbarhaus, ein Stück der weiten Welt.
Jetzt der Genuss: Ich setze an, das Glas zum Mund. Ich lasse mir die kühle Nässe auf die Zunge fließen. Ich schlucke, spüre, wie es frisch durch meine Kehle und in alle Glieder strömt, als würde ich zum ersten Mal im Leben Wasser trinken.
Vreni Merz
Aus: Die kleinen Dinge des Alltags, Katholisches Bibelwerk, 2004.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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