Dreifaltigkeitssonntag | 31. Juni 2026
Meditation
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Nie ausstempeln
Wenn es eine Haltung gibt, zu der wir als Christinnen und Christen berufen sind, dann ist es das Dienen. Diese Berufung bedeutet nicht einfach, einen Dienst auszuüben – ein- und auszustempeln, zu predigen, Seelsorge zu machen oder die Jungschar zu leiten. Dienen ist kein Aufgabenpaket, das man abarbeitet. Dienende Menschen „stempeln“ nie aus, weil Dienen ein Lebensstil ist. Man dient, indem man ein dienendes Herz hat – eines, das alle Bereiche des Lebens prägt, unabhängig davon, ob man in einem klassischen Dienstberuf arbeitet oder Geschäftsführer oder Direktorin ist. Jesus selbst ist unser Vorbild: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45)
Doch beim Dienen geht es Gott nicht um messbare Erfolge. Wir Menschen lieben Zahlen: Wie viele kommen zum Gottesdienst? Wie viele haben sich für die Jungschar angemeldet? Wie viele Klicks hat der Livestream? Aber Gott misst anders. Wenn er das machen würde, gäbe es in der Bibel einen Versager: Jeremia. Vierzig Jahre lang rief er das Volk Juda zur Umkehr. Er predigte, warnte, weinte und rang mit Gott. Und rate mal, wie viele Menschen tatsächlich umkehrten? Null, nada, niente, niemand. Nach menschlichen Maßstäben wäre das erbärmlich.
Ganz anders Jona. Er wollte eigentlich gar nicht predigen. Er floh vor seinem Auftrag, stritt mit Gott – und trotzdem kehrten nach einer einzigen Predigt alle 120.000 Menschen in Ninive um. Nach menschlichen Maßstäben wäre Jona der „Erfolgreiche“ und Jeremia der „Erfolglose“. Doch Gott erzählt uns diese beiden Geschichten nicht, um uns Erfolgsstatistiken zu zeigen, sondern, um uns etwas über sein Herz zu lehren: Erfolg ist nicht das Maß der Treue. Und Treue ist nicht abhängig vom Erfolg.
Dienen heißt, verfügbar zu sein. Sich senden zu lassen – auch wenn man nicht weiß, was daraus wird. Dienen heißt, Gott das Ergebnis zu überlassen. Manchmal sehen wir Früchte, wie Jona. Manchmal sehen wir keine, wie Jeremia. Aber in beiden Fällen sieht Gott das Herz. Und das Herz ist es, das zählt.
Maria Wilbrink
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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