3. Sonntag der Osterzeit | 19. April 2026
Meditation
- Foto: Heidemarie Ithaler-Muster
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Flugzeuge überm Kopf
Ich lieg im Gras und schau ins Blau. An einem Frühlingstag wie heute ist dies das Beste, was ich machen kann. Über mir summen, brummen kleine und größere Insekten, unter mir wächst langsam, aber beständig, junges Gras. Zwischen den grünen Halmen und meinem in Übergangsbekleidung gepackten Körper eine Decke, die ausgleicht, was der Boden noch nicht an Wärme herzugeben vermag.
Während ich so dalieg’ und die Sonnenstrahlen spüre, streift mich ein Satz von Astrid Lindgren (1907–2002): „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen“, hat die schwedische Kinderbuchautorin einmal geschrieben. Noch besser, Astrid: Ich liege da und freu mich über die Auszeit, die ich mir genommen hab. Denn heute wird weder gejätet, noch gesät.
Die Schöpferin von Pippi Langstrumpf wusste: Wer arbeitet, braucht auch den Müßiggang.
Müßiggang, von mittelhochdeutsch „müezec gân“ (müßig gehen) ist ein nicht ganz unumstrittener Begriff. Zusammengesetzt aus „Muße“ – der mit innerer Ruhe verbundenen freien Zeit, in der eigenen Interessen nachgegangen werden kann – und „gehen“, meint Müßiggang Zeit ohne die Erfüllung von Pflichten. Zeit, in der weder für sich selbst noch für andere ein Nutzen anzustreben ist. Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert galt Müßiggang als unerwünscht, als Laster oder sogar als Gesetzesverstoß. Erst viel später wurde er positiv konnotiert.
„Die schönsten und prächtigsten Dinge sind nicht mit Geld zu bezahlen“, schrieb Heidemarie Ithaler-Muster, die Fotografin dieses Bildes. „Nur der Preis dafür kann sehr hoch sein, dass Du sie erreichst“, heißt es bei ihr weiter.
Was ist der Preis des Müßiggangs, der Preis des Zeitverlebens ohne Pflichten? Vielleicht, dass andere den Müßiggang verurteilen, und mich, die Müßiggeherin, als faul bezeichnen? Der Anblick eines blühenden Baumes, seiner Äste und der weißen Blüten im Detail ist eine Bemerkung Wert, der blaue Himmel und die Wolken sind es auch. Und erst recht das winzig klein wirkende Flugzeug, das ich wohl nicht entdeckt hätte ohne meinen Müßiggang.
Anna Maria Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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