Meditation

Foto: Neuhold

Hoffnung in persona

Dass in der Mariahilferkirche Fresken und Malereien von Jesu Mutter zu finden sind, ist keine Überraschung. Seit Jahrhunderten inspiriert Maria KünstlerInnen, die sie in unzähligen Facetten dargestellt haben – von der demütigen Magd bis zur Himmelskönigin.

Jetzt stehe ich in dieser Grazer Kirche und blicke hinauf auf den Hochaltar, auf das Gnadenbild Mariahilf. Giovanni Pietro de Pomis malte es im Jahr 1611, erfahre ich bei einer kurzen Recherche im Internet. Das Bild ist in zwei Sphären unterteilt: Unten ist die Erde, finster, mit leidenden Menschen, Gefangenen und Kranken in einer architektonischen Umgebung. Oben ist der Himmel, erkennbar an goldenen Farbtönen und Wolken. Auf diesen Wolken sitzt Maria mit dem jungen Jesus im Arm.

Wie kam sie dorthin? Sie war doch einst ein einfaches, normales Mädchen. Wie sich ihr Leben verändert hat …
Stell dir vor: Ein Engel – ein sonst unsichtbares Wesen – steht plötzlich vor dir. Du erschrickst. Doch diese leuchtende Gestalt spricht: „Fürchte dich nicht.“ Er verkündet dir etwas, das biologisch nicht erklärbar ist – ein Wunder. Ich würde mich fragen: Warum ausgerechnet ich? Ich, ein einfaches Mädchen – jung, unbedeutend. Absolut unperfekt. Doch in der Bibel finde ich immer wieder unperfekte Menschen: David, der Ehebruch begeht, Mose, der einen Sprachfehler hat … Hat Gott überhaupt eine andere Wahl? Wir Menschen sind die einzigen Werkzeuge, die ihm zur Verfügung stehen.

Maria – die biblische Maria – hatte auch Fragen. Ob in der Verkündigungsszene von Leonardo da Vinci, auf mittelalterlichen Fresken oder barocken Altargemälden – oft blickt sie fragend, staunend, demütig, überrascht. Aber schließlich sagt sie Ja. „Mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38) Maria ließ Gott in sich anfangen. Sie wurde die Mutter Jesu – und damit eine Hoffnungsgestalt für Generationen.

KünstlerInnen haben sie als schützende Madonna, als Himmelskönigin oder als schmerzensreiche Mutter dargestellt. Und in jeder dieser Darstellungen leuchtet ihr Vertrauen auf Gott.

Ich blicke noch einmal auf das Bild. Zwischen Himmel und Erde, zwischen Dunkel und Licht – dort sitzt Maria. Vielleicht, weil sie sich gebrauchen ließ. Vielleicht, weil Gott auch uns gebrauchen kann – damals wie heute.

Maria Wilbrink

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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