3. Fastensonntag | 12. März 2023
Kommentar

Trübe Brühe oder klares Quellwasser

Wer schon einmal bei einer Bergtour, durstig und erschöpft vom mühsamen Aufstieg, an einer Quelle vorbeigekommen ist, weiß, dass es ein ganz besonderes Erlebnis ist, vom klaren und sprudelnden Quellwasser zu trinken. Kein Vergleich zum gewöhnlichen Leitungswasser daheim, geschweige denn zum abgestandenen Brunnenwasser aus einer Zisterne.

Wie letzteres müssen wir uns wohl das Wasser im Jakobsbrunnen vorstellen. Es war eher eine trübe Brühe als ein prickelnder Trank. Ebenso trüb mag es um das Lebenswasser jener samaritischen Frau bestellt sein, die hier mit Jesus zusammentrifft. Zu viele Enttäuschungen und Erfahrungen des Scheiterns hat sie schon hinter sich. Entsprechend misstrauisch und skeptisch reagiert sie auch, als Jesus sie anspricht und ihr anbietet, ihr lebendiges Wasser zu geben. Bisher hat sie vergeblich nach etwas gesucht, womit sie ihren Lebensdurst stillen könnte. Nie hat der Zustand der Erfüllung lange angehalten, immer wieder muss sie aufs Neue zum Brunnen kommen.

Das ist heute bei vielen Menschen zu beobachten. Sie brauchen ständig neue Reize, eine größere Dosis und höhere Frequenz an Glücksmomenten und kommen dabei nicht zur Ruhe. Wie anders ist da jenes Wasser, das Jesus der Samariterin – und natürlich auch uns – anbietet. Er braucht dafür kein Schöpfgefäß und keinen Brunnen. Wer dieses Wasser trinkt – gemeint ist das Wasser der Taufe und einer lebendigen Gottesbeziehung –, wird merken, dass Lebenskraft, Frische und Erfüllung aus der Tiefe seines Innersten zu sprudeln beginnen.

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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