Pionierinnen in der Seelsorge | Gudrun Weichberger
„So etwas wie Kapläne“

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Diesmal im Blick zurück: Gudrun Weichberger 83 Jahre

Gudrun Weichberger machte berufsmäßig eine Tour durch die Steiermark: alle drei Jahre eine neue Pfarre.

Sie beschritt einen Weg, der bei Familien in der Kriegs- und Nachkriegszeit vielleicht gar nicht so ungewöhnlich war. 1942 wurde Gudrun Weichberger in Perchtoldsdorf in der Nähe von Wien geboren. Sechs Kinder hatte die Familie und flüchtete, „als damals die Russen kamen“. „Ein Nachbar sagte zu meiner Mutter: Sie mit ihren vier Töchtern, gehen sie.“ Also ging es nach Schlad-ming, in die britische Zone.
Nach dem Krieg waren die Mittel natürlich eingeschränkt. „Wir hatten alle Kinder gemeinsam nur ein Paar Schi, aber da haben wir uns eben abgewechselt. Es war trotzdem schön.“ In Salzburg ging sie in die Haushaltsschule und konnte danach den Weg zu dem von ihr gewünschten Beruf finden. „Ich wollte immer schon mit Kindern und Menschen arbeiten.“

„Für mich war der Sprung damals vermutlich einfacher als für manche andere, denn natürlich kannte ich Wien.“ Aber eigentlich hatte ihre Familie im Krieg doch noch Glück, meint sie, denn „mein Bruder war noch zu jung für den Krieg und mein Vater war schon zu alt.“

Das Berufsbild, das für die damalige Zeit recht fortschrittlich klingt, beschreibt sie so: „Seelsorgehelferinnen verstand man damals schon als eine Ergänzung zum männlichen Priesterberuf.“ Gudrun Weichberger kommt ein bisschen ins Überlegen, Philosophieren. „Zuerst waren wir ja nur Frauen und wurden ‚Pfarrschwestern‘ genannt, obwohl wir natürlich nie geistliche Schwestern waren.“

Sie muss lächeln. „Aber die Menschen damals konnten sich wohl überhaupt nicht vorstellen, was das für Frauen sind und was die jetzt machen.“
In einem Gespräch sagte sie irgendwann auf die Frage, was die Arbeit dieser Frauen sei: „Wir sind so etwas wie Kapläne.“ Doch gab es nie Probleme, von den Menschen angenommen zu werden – es war eben ein ganz neuer Beruf, der da entstanden war. „Wir haben uns immer als selbstständige Frauen in der Kirche gesehen. Ja, wir waren schon Pionierinnen, Vorreiterinnen.“ Um die Ausbildung möglichst umfassend zu machen, lernten die Frauen auch eine Art von Kirchenlatein, wie sie es nennt, „die Messe wurde damals ja noch lateinisch gefeiert“.
1962, als sie das Seminar in Wien abgeschlossen hatte, fand ihre Sendungsfeier durch Kardinal Franz König statt.

Stolz verweist sie auf eine Tafel an der Wand, wo die fünf Pfarren aufgeführt sind, in denen sie tätig war. Begonnen hat ihre Berufslaufbahn in der Diözese in Graz-St. Andrä (1962 bis 1965). „Dort war damals Johann Weber der Pfarrer.“ Der spätere Bischof hat sie stark geprägt. „Durch ihn habe ich einen Halt in der Kirche gefunden.“

Alle drei Jahre wurde die Pfarre gewechselt. Nach Andrä ging es in die Obersteiermark, nach Kapfenberg-Schirmitzbühel. Ihre Beziehung zur Obersteiermark ist in all den Jahren stark geblieben, denn ihre Nichten und Neffen leben heute noch in Gröbming. Danach kam Gudrun Weichberger nach Groß St. Florian und Fehring. Auch in Langenwang war sie beschäftigt, und offensichtlich fand ihre Arbeit auch außerhalb der Kirche Anerkennung, was man an der Ehrenurkunde der Gemeinde sieht, die an der Wand hängt.

Etwas, das ihr großen Spaß machte: Singen. „Mit den Kindern war das immer schön.“ Zuerst kamen weltliche Lieder und danach geistliche, sie greift zum Gotteslob. „Die Musik war etwas Verbindendes.“
Im Seminar lernte sie Gitarre spielen und hatte während der Gottesdienste auch immer die Gitarre dabei. Blockflöte spielte Frau Weichberger, auch Alt- und Tenorflöte. „Die Musik hat den Beruf einfach viel fröhlicher gemacht.“

Etwas hat sie später doch irritiert. „Als ich bemerkt habe, dass die Kinder die Gebete nicht mehr zu Hause in der Familie lernen.“ Das führte dazu, dass Frau Weichberger einen Behelf herausgab: „Gebete für den Tag, das Jahr, das Leben“. Die erste Ausgabe war sofort weg, erzählt sie mit einem Exemplar in der Hand. Einen zweiten Behelf erarbeitete sie in der Pension: „Sie erkannten ihn beim Brotbrechen“. „Ich war der Meinung, dass Menschen, die in der Krankenseelsorge arbeiten, eine Unterstützung brauchen.“

Gisela Remler

Gudrun Weichberger lernte in ihrer Ausbildung auch Gitarre spielen – für die Seelsorge besonders wichtig.  | Foto: Neuhold
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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