GEISTES.Gaben aus FRAUEN.Sicht | Teil 04
Fragen will gelernt sein

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“, formulierte Marie von Ebner-Eschenbach. Was nützt uns Wissen? Wovor schützt uns Unwissen?
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Erkenntnis – eine Geistesgabe, die zum Hinterfragen anspornt und Verstehen ermöglicht.

Es gibt keine blöden Fragen – nur blöde Antworten“, so lautet ein Spruch, den ich selbst hin und wieder verwende. Im Grunde soll der Spruch zum Fragenstellen einladen, denn wer fragt, zeigt, dass er etwas nicht weiß, aber wissen möchte. Das kann keinesfalls dumm sein! Ganz im Gegenteil: Um unser Wissen und unseren Horizont zu erweitern, müssen wir sogar lernen, Fragen zu stellen. Lisz Hirn, eine österreichische Philosophin, meint: „Wer nicht fragen kann, darf keine Antworten verlangen.“ Das sollte uns alle anspornen, viele Fragen zu stellen. Auch wenn wir unser Gegenüber damit herausfordern oder unbequem erscheinen.

Wir sprechen heute von der Notwendigkeit von lebenslangem Lernen. Wenn wir beobachten, wie schnell sich Situationen verändern oder neues Wissen entsteht, zum Beispiel mit dem Krieg in der Ukraine samt Fluchtbewegung, der Klimakrise oder der Corona-Pandemie, so kann das als ziemlich herausfordernd erlebt werden. Umso wichtiger ist es daher, sich über verschiedene Themen zu informieren, sich ein eigenes Bild zu machen, den eigenen Horizont zu erweitern, sich mit unterschiedlichen Standpunkten auseinanderzusetzen.
Den Kopf in den Sand stecken, wegschauen oder die Verantwortung für Entscheidungen gerne an andere abgeben ist auf den ersten Blick vielleicht auch eine mögliche und bequeme Variante. Im Grunde steht dahinter jedoch eine große Verantwortungslosigkeit – sich selbst und auch anderen gegenüber.

Die Gabe der Erkenntnis weist uns darauf hin, unseren Verstand einzusetzen. Gleichzeitig wissen wir, dass das größte theoretische Wissen nichts hilft, wenn es nicht auch im Alltag mit Kopf, Herz und Verstand umgesetzt wird, ins Leben transferiert wird. Die Gabe der Erkenntnis ermöglicht das tiefe, auch religiöse Verstehen meiner Umwelt, der Welt an sich und meiner eigenen Person – sie ist Auftrag und Verantwortung zugleich.

Katrin Windischbacher leitet das Familienreferat der Diözese Graz-Seckau. Sie ist Erwachsenenbildnerin, Inklusionspädagogin und Ehe-, Familien- und Lebensberaterin.

So schaue
denn, o Mensch,
in dich hinein.
Gott hat dir den
besten Schatz
gegeben,
einen lebendigen Schatz – deinen
Verstand!

Hl. Hildegard von Bingen
(1098–1179), Mystikerin, Äbtissin, Naturwissenschaftlerin.

Erkenntnis:konkret
Kennen Sie das Gefühl, wenn einem „ein Licht aufgeht?“ Der Blick, der Raum, der Geist weiten sich plötzlich, und ein Aha-Gefühl stellt sich ein. Es müssen nicht immer die großen Lichter auf-gehen – auch viele kleine erhellen einen Raum.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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