SportsGeist | Teil 03
Einer für alle – alle für einen

Ihre Gewänder haben alle die gleiche Farbe. Sie schwenken Fahnen und singen gemeinsame Lieder. Ihre Bewegungen sind genau aufeinander abgestimmt und folgen einer vertrauten Choreographie. Sie rufen die Namen von Menschen auf, die für ihre Gemeinschaft bedeutsam sind, und haben das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein, das ihrem Leben Sinn gibt. – So könnte vielleicht jemand eine Fronleichnamsprozession beschreiben oder die Teilnehmenden am Weltjugendtag. Oder auch das Geschehen in einem Fußballstadion.

Sport und Religion haben mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt. Beide gebrauchen Symbole und Rituale, sie stiften Identität. Und für beide sind Gemeinschaft und Kameradschaft zentrale Werte. Ich kann nicht für mich allein glauben, genauso wie ich viele Sportarten nicht allein ausüben kann. Dazu brauche ich ein Team, eine Seilschaft, einen Partner, einen Coach, eine Crew, einen Mitstreiter oder einen Gegenspieler. Im Glauben bin ich hineingenommen in eine Gemeinschaft, die mir Halt gibt, wo – im Idealfall – einer für den anderen da ist und der eine hilft, die Fehler des anderen auszugleichen. So ist es auch in einem Mannschaftssport, wo man nur gemeinsam ans Ziel kommen kann.

In der Diözesansportgemeinschaft, die an der Schnittstelle von Sport und Glaube angesiedelt ist, wird der Erfahrung von Gemeinschaft daher traditionell ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. Viele ihrer Angebote sind besonders auf Familien, die ersten und elementarsten Orte des Erlebens von Gemeinschaft, zugeschnitten. Wo man in einer Gruppe unter kundiger Leitung Sport betreibt, da verdichtet sich dieses Tun auch zu einer spirituellen Erfahrung, die das Leben in seiner Beziehung zu Gott deutet.

Für viele ist der Sonntag ein bevorzugter Tag, um Sport zu betreiben und Erholung zu finden. Er ist ein wertvolles Geschenk der jüdisch-christlichen Tradition an unsere Lebenskultur. Es wäre eine gefährliche Engführung des Menschen, ihn ausschließlich wirtschaftlichen Erfordernissen unterzuordnen. Am Sonntag können wir unser Leben vor Gott bringen und aus der Begegnung mit Christus Kraft und Gelassenheit in den Alltag mitnehmen. Auch das gemeinsame Erleben von Familie soll ein fester Bestandteil der Sonntagskultur sein. Das sportliche Tun schenkt dem manchmal doch recht stressigen Zusammenleben Gelassenheit und erinnert uns daran, das spielerische Moment im Leben nicht zu verlieren.

Noch anderes kann sich der Christ vom Sport abschauen: Beim Fußball etwa fühlt sich jeder zum Fachmann berufen und fiebert mit. Niemand würde behaupten, das sei ausschließlich Sache der Profis und Experten. Die Leistung kann nur dort stimmen, wo es auch den Breitensport gibt und vor allem eine gute Nachwuchsarbeit. Ebenso wenig dürfen wir die Verantwortung für den Glauben auf ein paar „Profis“ abschieben. Alle sind dazu berufen, das Wirken Gottes in ihrem eigenen Leben zu entdecken und ihre Glaubenserfahrungen mit anderen zu teilen.

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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