Weltanschauungsarbeit heute | 19
Alles wird gut!

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Von unseriösen Angeboten am Weltanschauungsmarkt.

Ende Mai wurde in der deutschen Sendung „Aktenzeichen XY ... Vorsicht, Betrug!“ ein Beitrag über einen jungen Mann gezeigt, der händeringend nach einer Möglichkeit, Geld zu verdienen, suchte. Da alle Bewerbungen, die er an Firmen verschickt hatte, abgelehnt wurden, hatte er in seiner Verzweiflung ein Angebot aus dem Internet angenommen. Ein „Coach“ verkaufte ihm einen sehr teuren Ausbildungskurs, nach dessen Abschluss er endlich viel Geld verdienen würde. Letztlich stand der junge Mann ohne brauchbare Ausbildung da, dafür aber mit einem ordentlichen Berg Schulden. Er war in seiner Not einem unseriösen Angebot aus den Sozialen Medien erlegen.

Aber nicht nur im digitalen Raum gibt es zahlreiche solcher „Lockangebote“, die Verzweifelnden versprechen, „dass alles ganz einfach wieder gut wird“. Anfang 2025 berichteten österreichische Medien von einer „Schamanin“, die über die Jahre viele Millionen Euro und teuren Schmuck von ihren KlientInnen kassiert hatte. Als Gegenleistung gab es menschliche Zuwendung, fragwürdige Rituale und unhaltbare Heilsversprechen.
Immer wieder kontaktieren uns Menschen, denen es ähnlich ergangen ist. Sie hatten Geldprobleme, gesundheitliche Sorgen oder eine spirituelle Bedürftigkeit. Dabei fühlten sie sich von ihrer Umgebung nicht ausreichend verstanden und unterstützt oder schämten sich für ihre Not-Situation und hielten sie geheim. Irgendwann trafen sie auf ein Inserat, auf einen Hinweis in den Sozialen Medien oder bekamen von jemandem einen Tipp zu einer Person, die schnelle, einfache und verlässige Lösungen für ihre Probleme anbietet. Diese „Heilungsangebote“, „Sorglos-Pakete“ und „Selbstoptimierungskurse“ kosteten über die Jahre oft viele tausende Euro, der Nutzen blieb überschaubar. Am Ende hatten sie viel Geld verloren und standen mit ihren Problemen doch wieder allein da. Sie fühlten sich betrogen und wussten nicht wohin.

Diesen Machenschaften auf rechtlicher Ebene zu begegnen ist oft schwierig: Ein Rechtsanwalt will auch bezahlt werden, und die Beweislage ist oft schlecht, da man in der Zeit, wo man noch hofft, dass alles gut wird, gar nicht daran denkt, Dinge aufzubewahren, die zu einem späteren Zeitpunkt bei einer rechtlichen Auseinandersetzung hilfreich sein könnten.

Besser ist es, präventiv zu handeln und trotz persönlicher Not vorsichtig zu sein mit allzu verlockenden Angeboten, denn es gilt: „Für komplexe Probleme gibt es keine einfachen Lösungen!“ Wer etwas anderes behauptet, meint es nicht gut mit einem. Und wenn ein Gefühl von Unsicherheit aufkommt, sollte man dem trauen und nachgehen. Es ist meist ein Zeichen, dass mit dem Angebotenen tatsächlich etwas nicht stimmt. Man tut dann gut daran, sich mit der Familie bzw. Freunden zu beraten – oder man wendet sich an das jeweilige Weltanschauungsreferat in einer der neun Diözesen Österreichs.

Johannes Sinabell & Helmut Kirchengast

Referat bzw. Fachstelle für Weltanschauungsfragen
Jede Diözese verfügt über ein Referat bzw. eine Fachstelle für Weltanschauungsfragen.
www.weltanschauungsfragen.at

MEIN BEITRAG

Johannes Sinabell ist Theologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen.

Kommen viele Menschen, deren Not ausgenützt wurde, zu Ihnen?
Ich bin überzeugt: Viel weniger, als tatsächlich betroffen sind und denen es guttäte, darüber zu sprechen.

Warum ist es wichtig, darüber zu reden? Der Schaden ist ja schon passiert.

Rechtlich kann man oft nichts mehr machen. Aber da das Thema sehr schambehaftet ist, hat es einen positiven psychohygienischen Effekt, wenn man in einem vertrauten verständnisvollen Rahmen darüber sprechen kann. Und es hilft auch dabei, die eigene Lernkurve für das weitere Leben nach oben zu drehen, damit man zu einem späteren Zeitpunkt nicht nochmals in eine ähnliche Falle tappt.

Wie kann man sich davor schützen, ausgenützt zu werden?

Lassen Sie sich auf keinen Fall drängen und überlegen Sie: Ist das Versprechen, das abgegeben wird, wirklich realistisch? Und reden Sie mit Menschen darüber, denen Sie vertrauen.

Johannes Sinabell  | Foto: Doleschal
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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