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Kein „Schnellverfahren“

Zum Leserbrief „Es schmerzt“ aus Nr. 9
Sehr geehrte Damen und Herren der Initiative Maria 2.0 Steiermark, Sie beschreiben eine Irritation über die Nachricht, dass ältere Männer auf einem „zweiten Bildungsweg“ Priester werden können, während Frauen weiterhin nicht Diakoninnen werden dürfen. Sie sprechen von „innerkirchlichen Scheuklappen“, von gefühlter Abwertung gut ausgebildeter Frauen wie auch verheirateter Männer. Dass dies schmerzt, kann und will ich nicht kleinreden.

Allerdings ist mir eine Klarstellung wichtig: Es gibt kein „Schnellverfahren“, um Priester zu werden, auch nicht für Männer zwischen 45 und 60 Jahren. Was neu beworben wurde, ist kein verkürzter, sondern ein biographisch angepasster Ausbildungsweg für Männer mit reifer Lebens- und Berufserfahrung. Die Grundlagen dieses sogenannten „zweiten Weges“ sind klar definiert und keineswegs reduziert: Verpflichtend ist ein theologisches Studium auf Bachelor-Niveau oder höher, was konkret in Graz an der theologischen Fakultät in Präsenz möglich ist. Es gilt das reguläre Ausbildungsprogramm des Priesterseminars. Individuelle Anpassungen, etwa im Blick auf berufliche Verpflichtungen, werden mit dem Kandidaten vereinbart, ohne die inhaltlichen Anforderungen zu mindern. Ein berufsbegleitender Ausbildungsweg ist kein „Schnellverfahren“. Im Gegenteil: Er erstreckt sich über mehrere Jahre und verlangt einen langen Atem, da die Ausbildung parallel zu einer fortgeführten beruflichen Tätigkeit absolviert wird. Eine Präsenz von mehreren Jahren im Priesterseminar bleibt unverzichtbarer Bestandteil der Priesterausbildung. Das Ziel dieses Weges ist es, alle notwendigen theologischen, pastoralen und spirituellen Kompetenzen zu erarbeiten, nicht weniger als bei jüngeren Kandidaten, sondern unter Berücksichtigung einer anderen Lebens-situation.

Thorsten Schreiber, Regens des Priesterseminars Graz

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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