Kirche Steiermark
Frauen stimmen

„... nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“, schrieb Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Galatien (Gal 3,28). Und doch ist es nicht immer so einfach.  | Foto: Neuhold
  • „... nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“, schrieb Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Galatien (Gal 3,28). Und doch ist es nicht immer so einfach.
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Zum Weltfrauentag vier Frauenstimmen über Glaube, Berufung, Trost und Engagement.

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März haben wir – exemplarisch für viele – vier Frauen aus der steirischen katholischen Kirche um Wortmeldungen gebeten:

Gott übersteigt unsere Kategorien
Am Welttag der Frauen denke ich ganz besonders an jene Frauen, die ihr Kreuz bewusst auf sich nehmen, und so wie es die Schutzpatronin Europas, die hl. Edith Stein, einmal formuliert hat, ihr Kreuz umarmen. Vom Mann-Frau-Thema in unserer Kirche bin ich als Ehrenamtliche nur selten unmittelbar betroffen. Ich kann oft nicht mehr tun, als es einfach schade zu finden, dass z. B. am Sonntag ausschließlich Männer predigen und die meisten katholischen Lehrstühle für z. B. Moraltheologie männlich besetzt sind. Oder dass Frauen zwar am Krankenbett dienen und trösten, nicht aber das Sakrament der Krankensalbung spenden dürfen. Es tröstet mich, dass große heilige Frauen wie Teresa von Avila oder Edith Stein unter männlichen kirchlichen Strukturen zu leiden hatten, aber trotzdem ihre Loyalität zur Kirche nicht aufgegeben haben.

Meinen Glauben sehe ich als Riesengeschenk. Natürlich nicht immer, aber immer öfter, erlebe ich mich als geliebte Tochter Gottes mit all meinen Stärken und Schwächen, meinen weiblichen Vorlieben und Grenzen. Als vierfache Mutter wird mir immer wieder bewusst, wie sehr ich auf Gottes Hilfe angewiesen bin, weil ich natürlich nicht für alle Fragen und Herausforderungen eine Lösung parat habe. In den Schwangerschaften ist mir die Mutter Jesu zu einer wichtigen Freundin geworden, und wenn eines unserer Kinder besonders gefordert ist, erbitte ich für unser Kind den Segen Marias.

Die Heilige Geistin verkörpert für mich Gottes weibliche Seite – sofern man bei Gott überhaupt von weiblicher und männlicher Seite sprechen kann, denn seine oder ihre Größe wird ja auch diese Kategorien übersteigen. Die Führung der Heiligen Geistin braucht offenbar Zeit und Geduld, was manchmal auch schwer auszuhalten ist.

Cornelia Pernkopf
Vorsitzende des Kath. Familienverbandes Steiermark

Alle sind vor Gott gleich
Ob als Wortgottesfeier-Leiterin, in der Betreuung von Geflüchteten oder als Caritas-Haussammlerin: Mir persönlich geht es als Frau in der Kirche gut. Ich habe das Gefühl, nicht übersehen, sondern gesehen zu werden. Zugleich braucht es aber in vielem einen langen Atem. Als Frau gehört zu werden – das kann schon mal dauern. Ebenso, was Veränderungen anbelangt. Die Erwartung, dass Dinge im Handumdrehen anders werden, wird sich nicht erfüllen.

Ich denke da oft an meine Mutter. Von ihr habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dranzubleiben. Als junge Frau war sie von vielen pfarrlichen Tätigkeiten ausgeschlossen. Ihre Antwort darauf? Sie hat den Führerschein gemacht, um mit den Frauen ihres Dorfes in die Kirche fahren zu können. Das zeigt: Frauen müssen oft die Initiative selbst in die Hand nehmen und aktiv werden, und manchmal muss man auch lästig sein, damit man gehört wird, oder – wie meine Mutter – andere Wege suchen. Inzwischen hat sich viel getan, aber wir müssen dranbleiben.

In meinem kirchlichen Haupt- und Ehrenamt hatte ich immer wieder auch das Glück, gefördert und ermächtigt zu werden. So ermutigte mich als Pfarrhausfrau in Graz-Gösting Pfarrer Karl Niederer dazu, mich im Sozialen und im Caritativen zu verwirklichen. „Wenn es der Pfarre nützt, dann mach Ausbildungen in diese Richtung“, sagte er. Das, was Frauen zu sagen haben, ist nicht weniger wert als das, was ein Mann sagt, ein Priester oder ein Diakon. Wir alle sind Geschöpfe Gottes, und: Wir alle sind gleich vor Gott.
Frauen, die sich in der Kirche engagieren wollen, möchte ich sagen: Sucht immer das Gespräch und die Begegnung, und: Sagt ehrlich, wie es euch geht! Dinge nicht anzusprechen und sich nur zu ärgern – das bringt nichts.

Von der Kirche wünsche ich mir, dass in puncto Diakonat für Frauen mehr Bewegung hineinkommt. Und dass wir dahingehend auf gleicher Ebene wie Männer behandelt werden. Dafür müssen wir nur auf Jesus schauen. Und davon abgesehen: Wer hat die Frohe Botschaft zuerst verbreitet? Wenn nicht Frauen verkündet hätten, dass Jesus auferstanden ist – womöglich hätten wir bis heute noch nicht davon erfahren.

Angela Kamper
Haussammlerin und Leiterin der Pfarrcaritas der Pfarren Graz-St. Elisabeth und Graz-Gösting

Einfach Mensch sein
Ich bin eine Frau der katholischen Kirche und möchte die Kirche auch nicht verlassen, aber ich bin auch nicht glücklich mit der Stellung und den Möglichkeiten, die Frauen im Moment haben. Mir wäre es lieber, es gäbe gar kein „Frauenthema“. Ich wäre gerne einfach ein Mensch – in der Welt und in der Kirche – mit allen Rechten. Das Geschlechter-Thema bringt jene auf, die andere auf Grund ihres Geschlechtes diskriminieren. Es macht mich traurig, dass in der katholischen Kirche Männer entscheiden, wer eine diakonale oder priesterliche Berufung haben kann und wer nicht. Können sie den Heiligen Geist etwa lenken?

Ich kenne tolle Frauen, die gute Priesterinnen und Diakoninnen wären. Und Priester, die es nicht mehr sind, weil sie sich verliebt haben. Das ist so schade. Und es macht mich traurig, dass viele Menschen aus der katholischen Kirche austreten, weil sie mit den Strukturen nicht einverstanden sind. An meinen Kindern sehe ich, dass auch junge Menschen sich für den Glauben entscheiden. Aber sie gehen nicht mehr in die Kirche, weil sie sich dort mit ihren Lebenswelten vielfach nicht wiederfinden.

Ich bin ehrenamtlich Teil des Frauenliturgie-Teams im AndersOrt Haus der Frauen und mir ist es wichtig, dass wir unsere Liturgien nicht exklusiv für Frauen feiern, sondern für alle Interessierten offen sind. Das Evangelium richtet sich an alle Menschen jeglicher Kategorie oder gar jenseits aller Kategorien. In der Bibel gibt es eine Fülle unterschiedlicher Gottesbilder – auch weibliche wie Gott als Mutter, als Bärin, Gebärende ... Diese nehmen wir mithinein in unser Feiern. Eine leitende Frage in unseren Liturgien ist immer: Was heißt dieser biblische Text für mein Leben? Außerdem feiern wir sehr sinnlich und mit Symbolen – mit Körper, Geist und Seele.

Veronika Schweiger-Mauschitz
Theologin und Erwachsenenbildnerin

Mein Glaube schenkt mir Würde
Ich fühle mich in der Kirche wohl – sie ist meine Heimat im Glauben. Das Miteinander in der Schwesterngemeinschaft sowie in der Begegnung mit anderen Gläubigen stärkt mich. In der Klostergemeinschaft leben wir nach einem festen Gebetsrhythmus, der unseren Tag strukturiert und uns immer wieder neu auf IHN ausrichtet. Das tut gut und trägt. Wir bemühen uns, jeden Tag aus dem Schatz des Glaubens zu leben und Gottsucherinnen zu sein.

In unseren Angeboten auf Schloss Seggau, wie etwa beim „Bibel teilen“ oder den „Tagen im Kloster zu Ostern“ (näheres siehe S. 17), möchten wir Räume schaffen, in denen wir gemeinsam im Glauben unterwegs sind – auf der Suche nach Gott und nach seinen Träumen mit uns.

Mein Glaube schenkt mir Würde: Ich bin Gottes Kind, nach seinem Bild geschaffen, so wie ich bin – als Frau, gewollt und geliebt von Gott. Egal ob Mann oder Frau – jeder kann seine Charismen in die Kirche einbringen, an dem Platz, an dem er oder sie in seiner/ihrer Berufung steht. Auch in meinem Beruf als Religionslehrerin empfinde ich große Freude. Kirche sind wir alle – mit allem, was wir mitbringen und einbringen. Gemeinsam machen wir sie lebendig.

Sr. Sabine Grangl
Grazer Schulschwester

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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