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Das Kreuz nicht ausklammern
Zu „Grenzenlos gütig“, Nr. 11
Zu den von Peter Trummer vorgetragenen Thesen über „Jesus ohne Opfer“ sind doch einige Vorbehalte anzumelden. Der aus der Religionsgeschichte und vor allem der germanischen und frühmittelalterlichen Lehensordnung und Rechtsvorstellung abgeleitete Opferbegriff hat zwar die christliche Frömmigkeit lange bestimmt. Joseph Ratzinger hat aber schon in seiner „Einführung in das Christentum“ klargestellt: „So verbreitet dieses Bild ist, so falsch ist es“ (S. 231). Damit aber den Begriff des Opfers völlig abzutun, wird dem biblischen Zeugnis nicht gerecht.
Das gesamte Lebenszeugnis, nicht erst die „achtzehn Stunden“ seiner Passion, werden in den Zeugnissen des Neuen Testaments als Hingabe Jesu „für uns“ dargestellt: Seine „Pro-Existenz“ ist zu einem christologischen Grundbegriff geworden – s. den urchristlichen Hymnus in Phil 2,7; „Er entäußerte sich und wurde den Menschen gleich …“.
Aber der Hebräerbrief deutet auch das Leiden und Kreuz Jesu, „der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat“, als Opfer. Und auch beim Abendmahl spricht Jesus über dem Brot: „Das ist mein Leib für euch“ (1 Kor 11,24; Mk 14,22). Lukas deutet dieses „für euch“ mit dem Wort „der für euch hingegeben wird“ (Lk 22,19). Und das feiern wir, wenn wir in der Messe seinen „Tod verkünden und seine Auferstehung preisen“ (vgl. 1 Kor 11,26) – nicht nur ein „Durch Teilen wird Überfluss“.
Wenn man im Licht des Neuen Testamentes Jesus „als Weisheitslehrer für alle Menschen akzeptabel machen“ möchte, darf man jedenfalls „das Wort vom Kreuz“ (1 Kor 1,18ff) nicht ausklammern.
Heinrich Schnuderl, Graz
em. Dompropst, Dompfarrer und Bischofsvikar
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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