Kulturerbe
Zerstörtes Erbe

David, König von Juda und Nachfolger Sauls, soll um 1000 v. Chr. gelebt haben und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen. Das Bild zeigt die Re-plik eines Mosaiks aus der Synagoge von Gaza aus früh-byzantinischer Zeit (6./7. Jahrhundert).  | Foto: KNA
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  • David, König von Juda und Nachfolger Sauls, soll um 1000 v. Chr. gelebt haben und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen. Das Bild zeigt die Re-plik eines Mosaiks aus der Synagoge von Gaza aus früh-byzantinischer Zeit (6./7. Jahrhundert).
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Gaza. Aktuell Kriegsgebiet, war Palästina schon in der Antike kulturell bedeutsam – auch für das nachfolgende Christentum.

Meeresbrise, Sandstrand und mediterrane Lebensweise: Unter anderen Voraussetzungen könnte Gaza ein Sehnsuchtsort sein und dank Tourismus-Einnahmen florieren. Doch Jahre der Einfuhrblockaden, der blutigen Konflikte und der Reaktion Israels auf den Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023, bei dem u. a. 251 Menschen als Geiseln genommen worden waren, haben den sogenannten Gazastreifen extrem unwirtlich gemacht.

Knapp drei Viertel der zivilen Infrastruktur gelten als beschädigt oder zerstört – darunter 22 von der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) ausgewiesene Kulturerbe-Stätten – Moscheen, Kirchen, archäologisch bedeutsame Orte und ein Museum. Die Auslöschung des kulturellen Erbes eines Volkes ist eines der vielen Kriegsverbrechen, die dem Staat Israel vorgeworfen werden.
„Das ist kultureller Völkermord“, sagt auch Isber Sabrine, Präsident der Organisation Heritage for Peace („Erbe für den Frieden“), in einem Interview mit dem britischen Nachrichtensender Channel 4 im Februar 2024. „Kulturelles Erbe besteht nicht nur aus Denkmälern, historischen Gebäuden und Museen, sondern auch aus der Lebensweise dieser Menschen und ihrer kulturellen Identität.“

UNESCO-Weltkulturerbe. Mosaike der Grabungsstätte des Hilarion-Klosters in Tell Umm el-’Amr in Gaza (2021). | Foto: Andrea Krogmann/KNA
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220 Fundstätten. Am 17. Jänner 2024 sprengt die Israelische Armee in Gaza die letzte verbliebene Universität. Die willentliche Auslöschung des Hochschulwesens im Küstenstreifen Palästinas ist filmisch dokumentiert. Zugleich mehren sich weltweit die Bemühungen, das kulturelle Erbe Gazas vor dem Vergessen zu bewahren. Die renommierte deutsche Fachzeitschrift Welt und Umwelt der Bibel etwa widmet in ihrer aktuellen Ausgabe den kulturell bedeutsamen Funden in Gaza einen Schwerpunkt (siehe Kasten links). Eine Auflistung von Artefakten von 220 Fundstätten veranschaulicht die historisch-kulturelle Bedeutung des Küstenstreifens vom Paläolithikum, das bis 10.000 v. Chr. dauerte, bis 1920. Angesichts von nur 395 Quadratkilometern Fläche am Rande der Wüste eine überraschend hohe Zahl.

Gefährdet sind in Gaza freilich Kultstätten jeglicher Religion – so auch das Hilarion-Kloster, UNESCO-Weltkulturerbe im Süden und einst größter Ort klösterlichen Zusammenlebens in Nahost. Der frühchristliche Pilger-Ort wurde 1997 umfassend ausgegraben (siehe Bild links oben). Die aus dem 4. bis 9. Jh. stammende Anlage auf 14.500 Quadratmetern enthielt u. a. ein Pilgerhotel oder ein einst beheiztes Bad von 1000 Quadratmetern. Die Krypta unter den drei Kirchen, die um das Grab des heiligen Hilarion von Gaza errichtet worden war, ist in Ausstattung und Größe einzigartig im östlichen Mittelmeerraum. Dass sie den Krieg in Gaza überdauert, bleibt zu hoffen.

Anna Maria Steiner

Im Originalton

Lucas Johannes Maier, gebürtiger Leobener, ist Hausleiter und interimist. Rektor des Österreichischen Hospiz zur Hl. Familie in Jerusalem. | Foto: austrianhospice
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Lucas Johannes Maier, gebürtiger Leobener, ist Hausleiter und interimist. Rektor des Österreichischen Hospiz zur Hl. Familie in Jerusalem.

Leben in zwei Welten
Seit sieben Jahren sind Sie in Jerusalem. Wie lebt es sich im Heiligen Land?
Der Alltag ist geprägt von orientalisch-südländischer Offenheit. Ob Israeli oder Palästinenser – die Menschen sind im Alltag unheimlich freundlich, offen und entspannt. Anders als in Europa ist die Gesellschaft hier stärker in familiären Strukturen organisiert. Anfangs ist das etwas ungewohnt, und man muss sich erst zurechtfinden. Aber im Allgemeinen funktioniert das Zusammenleben im Alltag in 90 Prozent der Zeit gut.

Wie ist Multikulturalität bemerkbar?
In meinem Fall ist es so, dass ich in der Altstadt in Ostjerusalem arbeite und in Westjerusalem lebe. Ich pendle also täglich zwischen Alt- und Neustadt; de facto ist das ein Pendeln zwischen zwei Welten – und das auf engstem Raum. Westjerusalem ist viel eher vergleichbar mit jeder südeuropäischen, mediterranen Stadt – hingegen Ostjerusalem: Sobald man durch das Damaskus-Tor geht, taucht man ein in den Orient: andere Sprache, andere Schrift, anderer Geräuschpegel … Zwei Welten, wie gesagt.

Führt das zu Problemen?
Einige unserer MitarbeiterInnen sind ChristInnen aus Betlehem, das zu den palästinensischen Autonomiegebieten gehört. Sie haben eine Arbeitsgenehmigung für Israel, müssen am Weg zur Arbeit aber immer Checkpoints passieren. Je nach Sicherheitslage werden diese „Grenzübergänge“ mitunter kurzfristig geschlossen – für kürzer oder länger. Für die Betroffenen ist das zermürbend.

Welt und Umwelt der Bibel
In Ausgabe 3/2025 widmet sich die Zeitschrift Welt und Umwelt der Bibel u. a. den Grabungen im Gazastreifen. Erhältlich unter wub@bibelwerk.de oder im Buchhandel: ISBN 978-3-911227-00-1

Leben im Krieg. Gaza im Licht der Abendsonne, dahinter das Meer (24.8.2025). | Foto: KNA
  • Leben im Krieg. Gaza im Licht der Abendsonne, dahinter das Meer (24.8.2025).
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Gaza

Blüte und Vernichtung
Die Region Palästina zählt zu den frühesten Orten menschlicher Besiedelung. Nomadisch lebende Jäger und Sammler bewohnten das Gebiet bereits vor 10.000 v. Chr. Im Zuge der Gründung dauerhafter Siedlungen wurde Ägypten um 2000 v. Chr. wichtigster Handelspartner. PharaonInnen wie Hatschepsut (reg. 1479–1458 v. Chr.) oder Ramses der Große (reg. 1279–1213 v. Chr.) verbesserten die Infrastruktur.
Im Zuge der Angriffe auf Gaza in den vergangenen Jahren dokumentierte die UNESCO die Zerstörung und Beschädigung von über 200 Stätten, darunter:

Das Pascha-Palastmuseum (Qasr al-Bascha) in der Altstadt von Gaza. Im Herrschaftssitz aus dem 13. Jahrhundert nächtigte einst auch Napoleon Bonaparte (1769–1821). Das zweistöckige Gebäude wurde im Dezember 2023 von der Israelischen Armee zerstört.
Der Hamam al-Samara befand sich in einem Ensemble aus Gebäuden – darunter Bibliotheken, Galerien und das Zentralarchiv von Gaza, wo Dokumente aus über 100 Jahren aufbewahrt wurden. Das etwa 1000 Jahre alte Gebäude war bis zu seiner Zerstörung durch die Israelische Armee Ende 2023 als einziges Badehaus von Gaza in Betrieb.
Die Al-Omari-Moschee. In Gazas größter Moschee mit 4100 Quadratmetern Grundfläche befanden sich auch eine Arkadenhalle und eine Bibliothek mit seltenen Manuskripten. Die zwischenzeitlich als Kirche genutzte Moschee aus dem 12. Jh. wurde Ende 2023 weitgehend zerstört. Lediglich das achteckige Minarett blieb unversehrt.

Quellen: J. J. Mark; Palästina (worldhistory.org); Channel4News

David, König von Juda und Nachfolger Sauls, soll um 1000 v. Chr. gelebt haben und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen. Das Bild zeigt die Re-plik eines Mosaiks aus der Synagoge von Gaza aus früh-byzantinischer Zeit (6./7. Jahrhundert).  | Foto: KNA
Leben im Krieg. Gaza im Licht der Abendsonne, dahinter das Meer (24.8.2025). | Foto: KNA
UNESCO-Weltkulturerbe. Mosaike der Grabungsstätte des Hilarion-Klosters in Tell Umm el-’Amr in Gaza (2021). | Foto: Andrea Krogmann/KNA
Kreuz auf der von Bomben beschädigten Kirche der Hl. Familie in Gaza (15.7.2025). | Foto: KNA
Lucas Johannes Maier, gebürtiger Leobener, ist Hausleiter und interimist. Rektor des Österreichischen Hospiz zur Hl. Familie in Jerusalem. | Foto: austrianhospice
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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