Kunst-Aschermittwoch
„Die Waffen nieder!“
- In der Andreaskapelle in der Grazer Andräkirche zeigt die Künstlerin Elisabeth Gschiel heuer in der Fastenzeit „Broken Guns“ – genähte, funktionsuntüchtige Waffen.
- Foto: Peter Brandstätter
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Zum Kunst-Aschermittwoch in der Grazer Andräkirche.
In diesem Jahr wird die Künstlerin Elisabeth Gschiel die Fastenzeit-Installation in der Grazer Andräkirche gestalten. Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington und unter dem Eindruck von immer zahlreicher auftretenden Bildern bewaffneter Auseinandersetzungen ist ihre Serie genähter Bilder von funktionsuntüchtigen Waffen entstanden. Sie wirken wie eine bildnerische Transformation von „Die Waffen nieder“, dem Roman der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Alois Kölbl hat mit der Künstlerin Elisabeth Gschiel über ihr Projekt gesprochen.
Alois Kölbl: Wenn man an bildende KünstlerInnen denkt, haben die meisten Menschen im Kopf, dass sie malen oder zeichnen, dass sie fotografieren, filmen oder Skulpturen schaffen. Dein künstlerisches Medium ist die Nähnadel. Wie bist du dazu gekommen?
Elisabeth Gschiel: Ich bin da ein wenig hineingestolpert. Als Künstlerin komme ich ursprünglich von der Malerei. Vor ungefähr fünfzehn Jahren wollte ich etwas Neues probieren. Mir ist während einer Asienreise aufgefallen, wie unglaublich viel Plastikmüll dort auf den Straßen liegt. Diese Erfahrung habe ich als Künstlerin aufgegriffen und wollte aus Plastikverpackungsmaterial, das ich selber bei mir im Haushalt gesammelt habe, eine künstlerische Arbeit schaffen. Ich konnte aber keinen passenden Klebstoff finden, um die Materialien zusammenzufügen. So habe ich zur Nähmaschine gegriffen und gesehen, dass das wunderbar funktioniert, um die Plastikteile dauerhaft zusammenzuhalten.
Kölbl: Du wirst in der Vorbereitungszeit auf das Osterfest die Fastenzeit-Installation in der Grazer St. Andrä-Kirche gestalten und in der Andreaskapelle auch deine Waffenserie zeigen. Das ist ein ungewöhnliches Bildmotiv für einen Kirchenraum. Was bedeutet es für dich als Künstlerin?
Gschiel: Begonnen habe ich meine Serie genähter Waffenbilder nach dem Sturm auf das Kapitol 2021 als Reaktion auf die verstörenden Bilder von bewaffneten Männern, die das Symbol der amerikanischen Demokratie stürmten. Dass man mit Waffen ins zentrale Gebäude einer der am längsten bestehenden Demokratien eindringen konnte, das hat mich wirklich schockiert!
Ich habe damals mit meinen ersten Waffenbildern begonnen, aber die sind dann zunächst wieder in der Schublade verschwunden. In der Folge habe ich dann immer, wenn neue Kriegsbilder auf uns hereinprasselten – ob aus der Ukraine oder aus Gaza – neue Bilder gemacht. So ist diese Serie entstanden. Mittlerweile wird ja überall aufgerüstet, auch bei uns in Europa. Und dann passierte auch bei uns in Graz noch dieser schreckliche Amoklauf in einer Schule!
Meine genähten Waffen zeigen funktionsuntüchtige Schussinstrumente, es sind kaputte oder entschärfte Waffen: Sie haben keinen Auslöser, sie sind deformiert oder sie sind mit anderen Geräten wie einem Mixer (siehe Foto oben) oder auch mit einer Trompete verbunden. Meine Bilder stehen für die Frage, ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt, Konflikte zu lösen als mit Waffengewalt.
◉ Kunst-Aschermittwoch mit Aschenkreuzauflegung. Fastenzeit-Installation von Elisabeth Gschiel. Klaus Lang spielt Improvisationen auf der neu renovierten Orgel.
Mittwoch, 18. Februar, 19 Uhr, Pfarrkirche Graz-St. Andrä (St.-Andräplatz 1). Eine Kooperation von AndräKunst, Kultum und QL-Galerie.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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