Kirche Steiermark
Zu Gast
- Die neuen Büroräume von Schulamt und Bildungsforum bei den Minoriten sind bewusst in die Ausstellungsräume des KULTUM hineinverschränkt. Kathrin Karloff, Walter Prügger und Martina Platter (l. Bild v. l.) erzählen im SONNTAGSBLATT-Interview, warum und wie.
- Foto: Gerd Neuhold / Sonntagsblatt für Steiermark
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Im Minoritenkloster in Graz wurde umgebaut und neue Gäste zogen ein:
Das Bischöfliche Amt für Schule und Bildung und das Bildungsforum bei den Minoriten sind die neuen Nachbarn des dort ansässigen KULTUM. Am 14. Mai lädt ein Tag der offenen Tür zum Kennenlernen der Einrichtungen und des Raumkonzeptes ein.
Durch den unscheinbaren Eingang neben der Mariahilferkirche betrete ich den Kreuzgang des Grazer Minoritenklosters. Dort erwartet mich neben der prächtig blühenden Zierkirsche auch Ruhe. Die Menschen hier haben, im Gegensatz zum regen Treiben am Mariahilferplatz, ein anderes Schritttempo. Sie werden von der Symmetrie der Arkaden und Säulen scheinbar verlangsamt. Ich bin mit Kathrin Karloff, Martina Platter und Walter Prügger zu einem Gespräch verabredet. Im Ausstellungsbereich des KULTUMUSEUM im zweiten Stock erwartet mich Kathrin. Zwischen Kunstwerken und Video-Installationen öffnet sie eine unauffällige Tür, die in moderne Büros führt. Auf einem Bildschirm steht „Liebe Katharina, herzlich willkommen!“. Auf ins Gespräch:
Seit Kurzem seid ihr – das Bischöfliche Amt für Schule und Bildung und das ehemalige Bildungsforum Mariatrost – jetzt Bildungsforum bei den Minoriten – hier im Minoritenzentrum eingezogen. Wie kam es dazu?
Walter Prügger: Ich bin total dankbar, dass unsere Vision Realität geworden ist und wir uns hier neu verorten konnten. Für das Schulamt war das für mich besonders wichtig, denn wir sagen im Zukunftsbild „Wir gehen vom Leben der Menschen aus“. Nun sind wir hinausgegangen im Sinne einer aufsuchenden Seelsorge. Ich finde, das ist ein starkes Zeichen: Wir sind das letzte bischöfliche Amt, weil wir gegenüber der Bildungsdirektion Behördenstatus haben. Alle anderen Ämter wurden ja im Prozess der Ordinariatsreform in den letzten Jahren umstrukturiert. Und dieses einzige bischöfliche Amt hat jetzt das Ordinariat verlassen. Weil wir sagen, dass wir hier im Minoritenzentrum die Möglichkeit haben – in Kooperation mit Einrichtungen unseres Ressorts und darüber hinaus, mit dem Orden, der Pfarre … – für die Menschen da und mit ihnen in Kontakt zu sein. Es ist eine große Freude, dass das geglückt ist.
Kathrin Karloff: Der Gedanke, hierhin zu ziehen, hat ja schon länger in unseren Köpfen gesprudelt. Mit Tatkraft sind wir das vor einigen Monaten angegangen und sind jetzt froh, als Erwachsenenbildungsinstitut hier vor Ort zu sein. Vom Leben der Menschen auszugehen, war bereits im Bildungshaus Mariatrost wichtig und auch in den letzten fünf Jahren im Bildungsforum Mariatrost. Das werden und können wir jetzt neu und anders leben, hier als Gäste unter dem Dach des Minoritenordens, was nun auch in unserem neuen Namen Niederschlag findet, indem wir uns Bildungsforum bei den Minoriten nennen. Vom Leben der Menschen gehen wir als Erwachsenenbildungsinstitut aus, indem wir ihre Sorgen und Wünsche aufgreifen und Möglichkeiten aufzeigen, mit den Herausforderungen des Lebens gut umgehen zu können, das persönliche Wissen zu erweitern und Spiritualität und Glauben zu vertiefen.
Wir sind der festen Überzeugung – Martina, Walter und ich – dass wir das hier noch besser machen können als bisher. Das Minoritenzentrum ist ein hochattraktiver Ort am rechten Murufer von Graz, wo es lebendig sprudelt, vom Lendplatz bis zum Kunsthaus, am Rand vom Griesviertel gelegen. Wir wollen uns dieser Umgebung öffnen und sie mitgestalten.
Martina Platter: Das entspricht auch den Leitlinien der katholischen Erwachsenenbildung, wo unser Anspruch formuliert ist: Mit Bildung ein Fenster zur Welt aufmachen, aber auch ein Fenster zur Kirche. Und ich glaube, dass es an diesem Ort mit unterschiedlichen Bildungsformaten gut gelingen kann, ein Fenster zur Kirche aufzumachen, sodass die Leute sagen: „Wow, das macht Kirche?“
Walter Prügger: Nachdem ich die Verhandlungen mit dem Orden der Minoriten führen durfte, kann ich sagen, dass es auch sie freut, dass die seit Jahrhunderten durchbeteten Räume im Sinne einer christlichen Bildungsarbeit und in der Grundhaltung einer Kultur des Dialogs von uns mitgeprägt werden. Und es ist sehr schön, dass es mit dem Orden eine gute Basis gibt, für das, was wir in nächster Zeit vorhaben!
Ich hab beim Hereingehen kurz gezögert, ob ich hier sein „darf“, weil ich mitten in der Ausstellung gelandet bin …
Walter Prügger: Das ist ganz bewusst eine Intention des Umbaus gewesen: Büros und Ausstellungsflächen zu verschränken. Ich durfte vor kurzem ein Seminar für JunglehrerInnen abhalten und die jungen Menschen hier hereinführen. Das war schon ein anderes Erlebnis, nicht in ein normales Bürogebäude zu kommen. Wir haben im Schulamt insgesamt einen regen „Kundenverkehr“. Teilweise kommen Menschen mit moderner Kunst in Berührung, die sonst vielleicht nie hergekommen wären.
Kathrin Karloff: Es sind miteinander verschränkte Büroräume in vielerlei Hinsicht: Einerseits nutzen die MitarbeiterInnen von Schulamt und Bildungsforum die Räume gemeinsam – wir teilen uns Büro-Arbeitsplätze. Zudem sind die Büros in die Kunstgalerie hineinverschränkt. Wir MitarbeiterInnen benutzen die Gänge der Galerie, kommen mit BesucherInnen in Kontakt und können z. B. auf Veranstaltungen hinweisen. Zugleich haben TeilnehmerInnen unserer Veranstaltungen die Möglichkeit, die aktuelle Kunstausstellung zu besuchen.
Das klingt nach mehr Miteinander ...
Walter Prügger: Wir wollen auch innerhalb des Ressorts Bildung, Kunst & Kultur immer mehr synergetisch zusammenarbeiten. Ein idealtypisches Beispiel: Es könnte hier im Minoritensaal eine große Bildungsveranstaltung geben, die mit neuer Musik aus der Sparte des KULTUM kombiniert sein könnte. Am Abend könnte die Vernissage einer neuen Ausstellung stattfinden.
Martina Platter: In diese Richtung werden wir in nächster Zeit experimentieren. Aber Erwachsenenbildungs-Angebote gibt es nicht nur im zuständigen Ressort Bildung, Kunst & Kultur. Sondern auch andere diözesane Einheiten bieten Erwachsenenbildung an. Da arbeiten wir auch jetzt schon immer wieder verschränkt, machen Kooperationen und fördern das Miteinander.
Wie klappt es, Doppelstrukturen oder Termin-überschneidungen zu vermeiden?
Martina Platter: Wir haben in der Diözese dafür das Netzwerk Erwachsenenbildung, wo wir im ständigen Austausch sind und vieles zusammenschauen. Das hilft! Einer meiner Aufträge ist es, Synergien zu nützen, Redundanzen zu vermeiden und Kooperationen zu verstärken. Da sind wir auf dem Weg. Das ist nichts, was von heute auf morgen geht.
Kathrin Karloff: Auch technisch gibt es bereits Möglichkeiten. Es gibt ein Veranstaltungsprogramm, das auch ressortübergreifend funktioniert. Zugleich sind die guten und regelmäßigen Absprachen miteinander wesentlich. Und wir können schon von zahlreichen gelungenen Beispielen erzählen, wie eine gemeinsame Startveranstaltung mehrerer Anbieter ins Bildungsjahr 2024/25 mit Hartmut Rosa. Das hat viele Absprachen erfordert, aber geklappt. Da wollen wir dranbleiben.
Walter Prügger: Trotzdem darf man nicht denken, dass das in Perfektion gelingen kann. Es gibt einfach sehr viele Veranstaltungen Tag für Tag. Auch andere Partner bieten viel an. Wenn man die Zeitung aufschlägt und die Ankündigungen liest, weiß man gar nicht, wo man überall gleichzeitig hingehen soll.
Martina Platter: Und bei manchen Veranstaltungen sind einfach die Zielgruppen sehr unterschiedlich – da kommt man sich dann nicht ins Gehege.
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Die neuen Räume sind wirklich sehenswert – wann kann man euch besuchen?
Walter Prügger: Eigentlich immer! (lacht) Aber am 14. Mai laden wir zum „Tag der offenen Tür“: Die neuen Räume werden gesegnet – dafür kommen der Kustos des Minoritenordens, Pater Bernhard Lang, und Christian Leibnitz, der ehemalige Schulamtsleiter. Man kann unsere Büros besichtigen und wird kulinarisch verwöhnt. Zudem gibt es die Chance auf Kuratorenführungen mit Johannes Rauchenberger durch die neue Ausstellung im KULTUM.
Kathrin Karloff: Und am Abend präsentiert die Top-Journalistin Ingrid Brodnig ihr Buch „Wider die Verrohrung“ – ein Thema, das gesellschaftlich ja gerade sehr präsent ist und auch inhaltlich zum Thema der Ausstellung „NUN MEHR – MEANTIME“ von Maaria Wirkkala passt.
Als ich nach dem Gespräch das Büro verlasse, schallt mir die Stimme von KULTUM-Gründer Josef Fink entgegen – eine Videoinstallation. Ich halte inne. Höre. Spüre allem nach. Auf der Stiege begegnet mir Johannes Rauchenberger, Leiter des KULTUM, und ich nütze die Chance:
Wie sehen Sie eigentlich diese Erweiterung?
Johannes Rauchenberger: Jeder Ort hat seine DNA. Jene der „Minoriten“ in Graz würde ich mit dem Widerspruch aus franziskanischer Armut und fremdgesponsertem Kloster sehen, einer (gegen-)reformatorischen Religionspolitik mit erfolgreichem Wunderglauben und einer extremen Distanz kritischer Geister darauf, einem Respekt einflößenden Saal und zahlreicher (Kloster-)zellen, die einen Kontrast von „innen“ und „außen“ bilden. An beiden Orten wird seit 50 Jahren (!) ein fruchtbarer Dialog mit Gegenwartskunst geführt, der Schwellen, ja Treppen pflegt. Neu Angekommene werden sich dazu verhalten. Das ist die Latte zum Gelingen.
Interview: Katharina Grager
Kathrin Karloff, Pädagogische Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten (früher: Bildungsforum Mariatrost)
Martina Platter, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerks und Leiterin des Bereiches „Bildungsmanagement & Erwachsenenbildung“ im diözesanen Ressort „Bildung, Kunst & Kultur“.
Walter Prügger, u. a. Leiter des diözesanen Ressort „Bildung, Kunst & Kultur“ und Schulamtsleiter.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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