USA
Wahlkampf mit Bibel

US-Präsident Trumps Auftritte mit Bibel analysieren die Theologen Kurt Remele und Andreas G. Weiß.

Die jüngsten umstrittenen Auftritte von US-Präsident Donald Trump vor Kirchen in Washington und mit der Bibel in der Hand zielen darauf ab, Evangelikale sowie rechtskonservative katholische Wähler zu halten und zu mobilisieren. Das hat der Grazer Sozialethiker und USA-Experte Kurt Remele im Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress erklärt. Trump habe die Bibel „für seine Politik instrumentalisiert und damit die biblische Option für die Schwachen, die Außenseiter, die Armen konterkariert“, hielt der Theologe fest. „Aber auch wenn es ein Sakrileg ist, ist es aus Sicht Trumps ein kalkuliertes Sakrileg“, betonte Remele, der mehrfach als Gastprofessor in den Vereinigten Staaten tätig war.

Mit der Bibel Kernwähler halten
Trump, der wohl persönlich mit dem Christentum „nicht sehr viel am Hut habe“, wolle mit derartigen Aktionen seine Kernwähler halten, „und es funktioniert auch“, sagte der Grazer Universitätsprofessor. Zwar gebe es selbst unter den Evangelikalen Gegenstimmen zu Trumps Bibelfoto, aber: „Es haben schon einige der evangelikalen Prediger dafür Beifall gespendet, dass Trump das gemacht hat, und gesagt: Das ist ein bibeltreuer Präsident.“
Die enge Verbindung zwischen Trump, Evangelikalen und rechtskonservativen Katholiken habe auch problematische Folgen für den gesellschaftlichen Blick auf Christen insgesamt, verdeutlichte der Theologe. So werde das Christentum von immer mehr Menschen in den USA „sehr stark als gegenmoderne Bewegung betrachtet“ bis hin zu einem „gewissen Obskurantismus-Verdacht gegen das Christentum überhaupt“, analysierte Remele.

Maximale Aufmerksamkeit
Der Theologe Andreas G. Weiß, der selbst immer wieder in den USA forscht und lehrt, beschreibt, dass auffällig sei, wie sich Trump auf dem Bild zeigte: Nicht in Siegerpose, sondern mit ernstem Blick. „Er wollte zeigen, dass die Bibel das Fundament ist, auf dem seine Macht aufbaut“, so Weiß. Um diese Wirkung zu erzielen, brauchte Trump weder die Kirche zu betreten noch Klerus an seiner Seite – im Gegenteil: „Der theologisch-religiöse Aufschrei zeigt, dass er sein Ziel erreicht hat: maximale Aufmerksamkeit.“
Trotz anhaltender Säkularisierung und einem teils massiven Abbruch kirchlich verorteter Religiosität würden viele Menschen in den USA weiterhin die Prosperität des Landes und seine weltweite Vorrangstellung in wirtschaftlicher, aber auch in politischer Hinsicht als „Gott gegeben“ verstehen, so Weiß weiter. Dem Präsidenten komme in dieser Konstruktion einer Zivilreligion eine zentrale Position zu: „Der Präsident hat in den Augen vieler von Amts wegen eine göttliche Aufgabe, ja fast ein heiliges Amt übernommen.“ Diese Aura überstrahle letztlich den jeweils konkreten Präsidenten und selbst etwaige Verfehlungen in seiner persönlichen Lebensführung.
Dazu kommt beinharte Kalkulation im Blick auf die Wählerschichten: Schließlich sei die christliche Wählerschaft eine der wichtigsten, die es für einen amtierenden Präsidenten mit der Absicht auf Wiederwahl zu halten gelte.
KATHPRESS

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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