Seggauer Gespräche
Seelsorge mit Kollateralnutzen

Die wissenschaftliche Tagung in Seggau ist eine Kooperation der Diözese Graz-Seckau, der Erzdiözese Salzburg, der Evang. Kirche A.B. Steiermark, des Instituts für Philosophie der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz und des Instituts für Europarecht und Internationales Recht der WU Wien.
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  • Die wissenschaftliche Tagung in Seggau ist eine Kooperation der Diözese Graz-Seckau, der Erzdiözese Salzburg, der Evang. Kirche A.B. Steiermark, des Instituts für Philosophie der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz und des Instituts für Europarecht und Internationales Recht der WU Wien.
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Bei den 8. Seggauer Gesprächen ging es um die Wichtigkeit der kategorialen Seelsorge – beim Militär, im Krankenhaus, an Haft-anstalten und für Studierende.

Wie man sie nennt, ist da und dort verschieden: besondere Seelsorge, Spezialseelsorge oder eben kategoriale Seelsorge; die Begleitung von Menschen in bestimmten Kontexten oder Seelsorge „im Ereignis“, wie Harald Tripp von der österreichischen Militärdiözese es formuliert.

Wo Menschen selbstgewählt, aber auch unfreiwillig in teils schwierigen Situationen leben, wollen Kirchen und Religionsgemeinschaften da sein. Beispielsweise für SoldatInnen, Menschen im Krankenhaus, Studierende und Häftlinge. In all diesen Bereichen und den dazugehörigen Einrichtungen ist das Verhältnis von Staat und Kirche immer wieder auszutarieren. Damit beschäftigten sich die 8. Seggauer Gespräche am 21. und 22. April.

Bei der Militärseelsorge kommen Fragen, heute brennender denn je, auf den Tisch: „Was heißt legitime Verteidigung oder legitime Tötung, und wie gehen wir damit um?“, nennt Tripp, Ordinariatskanzler der österreichischen Militärdiözese, eine. Militärseelsorger begleiten SoldatInnen auch bei persönlichen und existenziellen Fragen, zum Beispiel bei längeren Auslandseinsätzen.

In einer der größten Haftanstalten Deutschlands – in Berlin Tegel mit über 800 Insassen – ist Christine Ostrick, evangelische Pfarrerin, als Seelsorgerin tätig. Wo die Behörde von Straftätern spricht, sieht sie geliebte Kinder Gottes und versucht, durch respektvollen Umgang einen positiven Blick zu bewahren und hilfreich zu sein, ohne jemanden auszuschließen oder sich mit jemandem zu verbrüdern. „Bei uns können diese Menschen so sein, wie sie sind, und müssen nicht eine vermeintliche Stärke zur Schau stellen, wie das im Gefängnis üblich ist“, erklärt Ostrick, die im Laufe ihrer Arbeit auch schon viele Insassen getauft hat.

SeelsorgerInnen im Krankenhaus haben es auf den ersten Blick leichter; auf den zweiten nicht mehr: „Bei uns geht es oft um die Grenzen des Lebens; um Therapieänderungen, Therapieabbrüche, vorgeburtliche Sterbefälle“, so Detlev Schwarz, Fachreferent für die KrankenhausseelsorgerInnen der Erzdiözese Salzburg. Waren die priesterlichen Krankenhausseelsorger früher hauptsächlich für den sakramentalen Dienst zuständig, wie Taufe, Beichte, Krankensalbung oder das „Viaticum“, die Kommunion als „Wegzehrung“, so sind heute vor allem nicht geweihte SeelsorgerInnen als GesprächspartnerInnen tätig und arbeiten mit am Heilungsauftrag.

Der Berliner Hochschulseelsorger und Dominikanerpater Max Cappabianca verweist auf drei Grundlagen, die allen Bereichen der kategorialen Seelsorge gemeinsam sind: die Persönlichkeit der SeelsorgerInnen, die Präsenz bei den Menschen und die gute Beziehung zu ihnen. Damit stehe und falle gelungene Seelsorge. Er plädiert für einen „anständigen, nicht diskriminierenden Umgang mit Religionen“ durch den Staat.

Kirchliches Tun in allen genannten Einrichtungen bewirke neben der Gewährleistung des Grundrechtes der freien Religionsausübung einen „Kollateralnutzen“ für die Gesellschaft, wie es der Präsident des Verfassungsgerichtshofes und einer der Tagungsleiter, Christoph Grabenwarter, formuliert. Ein Häftling, dem zugehört wird, ist wahrscheinlich ausgeglichener, ein Kranker, dem ein/e Seelsorger/in Gesprächszeit schenkt, gesundet möglicherweise schneller. Damit erfülle Seelsorge einen nicht wegzudenkenden Auftrag an der Gesellschaft.

Katharina Grager/Thomas Stanzer

Seggauer Gespräche
Dieses alle zwei Jahre stattfindende Tagungsformat wurde 2006 vom damaligen steirischen Bischof Egon Kapellari ins Leben gerufen und beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Überschneidungsbereichen von Staat und Kirche.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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