Papstreise Irak
Mutige Reise, starke Zeichen

In der ehemaligen IS-Hochburg Mossul erwartete den Papst eine vom Krieg zerstörte und weithin entvölkerte Stadt. Auf dem einst belebten Platz Hosh al-Bieaa betete Franziskus mitten in den Trümmern für die Opfer des Krieges: „Geschwisterlichkeit ist stärker als der Brudermord.“
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  • In der ehemaligen IS-Hochburg Mossul erwartete den Papst eine vom Krieg zerstörte und weithin entvölkerte Stadt. Auf dem einst belebten Platz Hosh al-Bieaa betete Franziskus mitten in den Trümmern für die Opfer des Krieges: „Geschwisterlichkeit ist stärker als der Brudermord.“
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Papstreise. Seine erste Auslandsreise seit Corona führte Franziskus in den vom Krieg gezeichneten Irak. Seine Botschaft lautete Geschwisterlichkeit und Vergebung.

Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie trat Papst Franziskus wieder eine Auslandsreise an, nicht ohne vorher in der Kirche S. Maria Maggiore vor der von ihm so geschätzten Marienikone „Salus populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“) zu beten. Von 5. bis 8. März besuchte er den Irak.

Nach der Ankunft Freitagmittag in Bagdad besuchte Franziskus die syrisch-katholische Sayidat-al-Nejat-Kathedrale, wo 2010 bei einem islamistischen Terroranschlag 48 Christen ums Leben gekommen waren. Die Bischöfe, Priester, Ordensleute, Seminaristen und Katecheten ermunterte er, sich trotz aller Schwierigkeiten nicht vom „Virus der Mutlosigkeit“ anstecken zu lassen. Die katholische Gemeinschaft des Irak könne „wie ein Senfkorn“ das Land bereichern, so der Papst.

Gewalt ist Verrat an Religion

Am Samstagmorgen traf Papst Franziskus den 90-jährigen schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani, eine moralische Autorität des Irak, zu einer privaten Unterredung. Das Treffen gilt als historischer Brückenschlag zwischen katholischer Kirche und schiitischem Islam.

Anschließend leitete der Papst in der süd-irakischen Stadt Ur, der Heimat der biblischen Gestalt Abrahams, auf den sich Juden, Christen und Muslime gleichermaßen als Stammvater berufen, ein interreligiöses Friedenstreffen. Wahre Religiosität bedeute „Gott anbeten und den Nächsten lieben“, so Franziskus. Feindseligkeit, Extremismus und Gewalt seien „Verrat an der Religion“.

In der chaldäischen Kathedrale Sankt Josef in Bagdad feierte Franziskus als erster Papst in der Geschichte eine Liturgie im ostsyrischen Ritus. Der chaldäisch-katholische Patriarch Kardinal Louis Raphael I. Sako würdigte die Geste als „Umarmung für die ganze Kirche“.

Botschaft der Geschwisterlichkeit

Am Sonntag betete Franziskus in der ehemaligen IS-Hochburg Mossul inmitten von Trümmern und Schutt für die Opfer des Krieges. „Wenn Gott der Gott des Lebens ist – und das ist er –, dann ist es uns nicht erlaubt, die Brüder und Schwestern in seinem Namen zu töten“, so der Papst.

In der christlichen Stadt Karakosch betete er mit vielen Gläubigen den Angelus. Die dezimierte Gemeinde rief er auf „zu träumen“. Das Land habe „eine Zukunft der Hoffnung“. Außerdem brachte Franziskus ein besonderes Geschenk: ein restauriertes Gebetbuch mit liturgischen Gebeten in syrischer Schrift aus dem 14./15. Jahrhundert, das 2014 von Priestern in Karakosch vor der anrückenden Terrormiliz gerettet worden war.
Zum Abschluss seiner Irak-Reise feierte Franziskus in der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil eine Messe im Franso-Hariri-Stadion. In seiner Predigt rief er die Menschen auf, nicht „nach Rache zu suchen, die in eine endlose Vergeltungsspirale versinken lässt“.

Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar M. Warda, dankte dem Papst für seine „mutige“ Reise und die „kraftvolle Botschaft der Geschwisterlichkeit und Vergebung“, die er allen Menschen im Irak zum Geschenk gemacht habe. „Dass Sie in unser unruhiges Land kommen, in einer Zeit von Pandemie und Krise, verwirklicht für uns die Worte Christi ‚Fürchtet euch nicht‘“, so Erbils Erzbischof zum Papst.

Am Ende des Gottesdienstes versicherte Franziskus: „Der Irak wird immer bei mir bleiben, in meinem Herzen“, und er verabschiedete sich auf Arabisch: „Allah ma’akum!“ (Gott sei mit euch!).

Irak
Von den ca. 39 Mio. Einwohnern des Irak sind min. 98 % Muslime. Vor 2003 soll es noch 1 Mio. Christen gegeben haben. Diese Zahl ist seither dramatisch zurückgegangen. Derzeit soll es noch ca. 200.000 bis 300.000 Christen geben.

Katharina Grager / Kathpress

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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