Kräutersegnung - Mariä Himmelfahrt
Mit jedem Samen ein Segen

Mit vier besonderen „Kräuterbüscheln“ erwartete Anna Ambrosch das SONNTAGSBLATT im Blick auf das Fest „Mariä Himmelfahrt“ und den Brauch der Kräutersegnungen. Im Bild von links: ein Blumen-Büschel, ein Basilikum-Büschel, ein 12-Kräuter-Büschel und ein Beikraut-Büschel.
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  • Mit vier besonderen „Kräuterbüscheln“ erwartete Anna Ambrosch das SONNTAGSBLATT im Blick auf das Fest „Mariä Himmelfahrt“ und den Brauch der Kräutersegnungen. Im Bild von links: ein Blumen-Büschel, ein Basilikum-Büschel, ein 12-Kräuter-Büschel und ein Beikraut-Büschel.
  • Foto: Neuhold
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Am Jaklhof wird Zukunft gesät. Im Gespräch mit Bio-Bäuerin Anna Ambrosch über Nachhaltigkeit und Saisonalität im Gemüseanbau und die Zukunft unserer Ernährung.

Was ins Kräuterbüschel zur Kräutersegnung am Fest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ (kurz: Mariä Himmelfahrt) gehört, ist regional unterschiedlich. Anna Ambrosch erwartet uns am Jaklhof mit vier verschiedenen „Büscheln“, die für ihre Arbeit in der Bio-Landwirtschaft stehen. Ein Strauß aus großblättrigem grünem und violettem Kraut sticht hervor. „Das sind sieben Basilikumsorten, die bei uns wachsen“, klärt die Bio-Bäuerin auf. „Sieben ist ja die Schöpfungszahl. Das passt gut, dachte ich.“

Das Basilikum-Büschel steht für ein Kernthema von Anna Ambrosch: Saisonalität. „Basilikum hat jetzt Saison – von Juli bis etwa September.“ Und nicht Mitte Dezember, wie es uns Supermärkte vorgaukeln wollen. Am Jaklhof gibt es von Februar bis Dezember Gemüse und Kräuter, „aber eben das, was gerade Saison hat“. Und das ist oft mehr, als man glaubt. Auf terrassenförmig angelegten Äckern auf dem Südhang in Kainbach bei Graz wachsen auch im Winter robuste Gemüsesorten, wie Kohl, Salate und Kräuter.

Einen weiteren Strauß nennt Ambrosch Beikraut-Büschel – sie spricht lieber vom Beikraut als vom Unkraut, da die oft ungeliebten Pflanzen wichtigen Lebensraum für Nützlinge bieten. So sind Distel und Brennnessel zwar durch die Schmerzhaftigkeit bei Begegnung auch am Jaklhof nicht sehr beliebt, aber bei Distelfalter und Tagpfauenauge dafür umso mehr, weiß die frühere Nützlingsberaterin. Auch ein Blumen-Büschel hat Anna Am-
brosch gepflückt. „Neben unseren Folientunnel setzen wir einen Streifen mit Blumen, um Nutzinsekten wie Wildbienen, Schlupfwespen oder Schwebfliegen anzulocken“, erklärt sie die Strategie zur natürlichen Schädlingsbekämpfung. Das letzte der vier Büschel besteht aus zwölf verschiedenen Kräutern für die zwölf Monate. „Denn wir ernten auch im Winter Kräuter: Petersilie, Kerbel, Koriander, Rosmarin, Salbei ...“

Ein Herzensanliegen ist Anna Ambrosch das Saatgut. Zusammen mit anderen Bio-Betrieben tüftelt sie an standort-angepassten, samenfesten Paradeis-Sorten. Dabei ist sehr viel Handarbeit gefragt. „Beim Überlegen, ob wir Abläufe automatisieren, hat mir eine innere Stimme – ich sage Stimme Gottes dazu – gesagt: Nein, Anna, leg weiterhin die Samen von Hand in die Erde. Es ist, wie wenn ich mit jedem Samen einen Segen mitschicke.“
Der Jaklhof ist seit 2015 eine gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft. Das heißt, er finanziert sich durch Beiträge von sogenannten ErnteteilerInnen. „Wir wissen unseren Finanzbedarf und wie viele Menschen wir versorgen können. Dividiert man diese Zahlen, ergibt sich ein Richtwert, den wir von den ErnteteilerInnen erbitten“, erklärt Ambrosch. Dafür erhalten diese jede Woche ihren Ernte-Teil, eine Holzkiste saisonales Gemüse und Kräuter. 2021 werden wöchentlich 175 Kisten gepackt. Was übrig bleibt, wird im Hofladen oder am Grazer Kaiser-Josef-Platz verkauft.

Eine gesunde und umweltfreundliche Ernährungszukunft sieht Anna Ambrosch in kleinstrukturierten Landwirtschaften. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Landwirtschaftliche Flächen werden zunehmend verbaut, gute Böden versiegelt. Die Corona-Krise hat der Regionalität und Versorgungssicherheit Rückenwind gegeben. Für den Jakl-hof eine erfreuliche Entwicklung: „Für unsere Ernte-Teile haben wir inzwischen eine Warteliste“, sagt Ambrosch und verweist auf ihr Motto: „Wir säen Zukunft.“ Und Hoffnung.

www.jaklhof.at

Schöpfungsverantwortung
Zu „Schöpfung“ startet die Bibel-Festwoche
am 25. September in der Landwirtschaftlichen Fachschule Grottenhof/Graz. Am Podium die Biobäuerin Anna Ambrosch vom Jaklhof.

www.katholische-kirche-steiermark.at/bibeljahre

Katharina Grager

Mit vier besonderen „Kräuterbüscheln“ erwartete Anna Ambrosch das SONNTAGSBLATT im Blick auf das Fest „Mariä Himmelfahrt“ und den Brauch der Kräutersegnungen. Im Bild von links: ein Blumen-Büschel, ein Basilikum-Büschel, ein 12-Kräuter-Büschel und ein Beikraut-Büschel.
Am Jaklhof ernten Anna Ambrosch und ihr Team von Februar bis Dezember saisonales Gemüse und Kräuter. Der Fenchel ist reif.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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