Weltkirche
Mensch, wo bist du?
- Geboren im KZ. An den Befreiungsfeiern teilgenommen haben auch Hana Berger-Moran (l.)und Mark Olsky aus den USA sowie Eva Clarke (r.) aus Großbritannien. In den letzten Kriegstagen wurden sie unter unvorstellbaren Bedingungen als Kinder von Zwangsarbeiterinnen im KZ geboren. Am 11. Mai 2025 kehrten sie als 80-Jährige wieder.
- Foto: Samuel Haijes
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80 Jahre nach Kriegsende und KZ-Befreiung hielten 20.000 Menschen in Mauthausen das Gedenken an die Opfer wach.
In Mauthausen war an Gott zu glauben und seinem Glauben auch Ausdruck zu verleihen, selbst schon Widerstand und ein Grund, ermordet zu werden.“ Unter strahlend blauem Himmel predigt Michael Chalupka vom Grauen, das im ehemaligen Konzentrationslager (KZ) Mauthausen und seinen Nebenlagern mehr als 90.000 Menschen zu Tode gebracht hat.
Am 11. Mai 2025 gedachten 20.000 Menschen der Befreiung des größten KZ auf heute österreichischem Staatsgebiet. „Wenn heute die universale Geltung der Menschenrechte in Frage gestellt und das Völkerrecht mit Füßen getreten wird, so können wir nicht schweigen.“ Der evangelisch-lutherische Bischof ist einer von zahlreichen prominenten RednerInnen, die an diesem Sonntagvormittag vor Faschismus und seinen schlimmsten Auswüchsen warnen.
Es reiche nicht aus, die Grund- und Menschenrechte eines Volkes allein der betreffenden nationalen öffentlichen Gewalt anzuvertrauen, mahnte der Bischof. Ihre Verankerung im Völkerrecht erfolgte 1945 und mündete in der Gründung der Vereinten Nationen, rief Chalupka in Erinnerung.
Beten als Offen-Sein für das Leiden
Dem Kriegsende und der KZ-Befreiung am 5. Mai 1945 gedachten beim Gottesdienst auch der katholische Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer und der griechisch-orthodoxe Bischofsvikar Ioannis Nikolitsis. Bischof Scheuer wies eingangs darauf hin, dass sich gemeinsames Beten als Stehen vor dem Angesicht Gottes realisiere – „mit offenen Augen für das Leiden, die Barbarei, den Terror, der den Opfern widerfahren ist“. Gott stelle wie nach dem Sündenfall im Paradies die Frage: „Adam, Mensch, wo bist du?“ Und mit den Worten jenes Gebets, das der verstorbene Papst Franziskus in Yad Vashem, der internationalen Holocaust-Gedenkstätte in Israel, angesichts der Shoah sprach, ergänzte Bischof Scheuer: „Mensch, wer bist du? Ich erkenne dich nicht mehr. Mensch, wer bist du geworden? Zu welchem Gräuel bist du fähig gewesen? Was hat dich so tief fallen lassen?“
An die Verpflichtung des Erinnerns knüpfe sich jene des Eintretens gegen aktuelles Unrecht, so Michael Chalupka. Die Menschenrechte seien der lebendige Ausdruck der unverfügbaren Würde aller Menschen. Werde dies geleugnet oder relativiert, stehe das in krassem Widerspruch zum christlichen Menschenbild, erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich. In seiner Rede warnte er weiters vor Ideologien, die „‚das Volk‘ vor das gemeinsame Menschsein stellen, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, religiöser Zugehörigkeit und kultureller Prägung ablehnen und die plurale Demokratie durch einen völkischen Nationalismus ersetzen wollen.“
Quelle: Kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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