Kirche Österreich
Kraft der Vielfalt
- Demokratiefeindlichkeit lässt sich nie christlich begründen. Darum ging es bei der KAÖ-Jahreskonferenz in Seggauberg. Anwesend waren auch der für das Laienapostolat zuständige Bischof Hermann Glettler sowie der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl.
- Foto: KAÖ
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Katholische Aktion Österreich. Bei der Bundeskonferenz stand die Bedeutung der pluralistischen Demokratie im Mittelpunkt.
Angesichts des wachsenden Einflusses der „christlichen Rechten“ und neointegralistischer Netzwerke auf die Politik fordert die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) die Einrichtung einer Dokumentationsstelle für religiös motivierte antidemokratische Agitation. Konkret könnte dies durch eine Ausweitung der Kompetenzen der bestehenden Dokumentationsstelle Politischer Islam geschehen, um das Phänomen, das neben islamistischen auch „fundamentalistisch-christliche Kreise“ betreffe, wissenschaftlich zu erforschen, hieß es in einer Aussendung. Darin sind die Ergebnisse der KAÖ-Jahreskonferenz in Seggauberg vom 25. und 26. September zusammengefasst.
In der Südsteiermark hatte man sich – u. a. gemeinsam mit der Theologin Sigrid Rettenbacher – intensiv mit den Herausforderungen durch die „christliche Rechte“ und der radikalen politischen Theologie des sogenannten Neointegralismus befasst. Man sei in Sorge über den wachsenden Einfluss entsprechender christlich-fundamentalistischer Gruppierungen, „die ohne jegliche wissenschaftlich-theologische Grundlage für sich in Anspruch nehmen, über den ‚wahren christlichen Glauben‘ zu verfügen und die vorgeben, diesen zu verteidigen“, hieß es seitens der KAÖ. Wachsamkeit sei nicht nur staatlicherseits, sondern auch innerhalb der Katholischen Kirchen angesagt.
Gegen Fundamentalismen. Betont wurde auch, dass Fundamentalismen einander ähneln würden: Man dürfe sich nicht von der eigentlichen politischen Intention täuschen lassen – der Aushöhlung der liberalen Demokratie und der Errichtung eines autoritären Staates. Ein dahingehendes Bestreben gleiche letztendlich jenem des islamischen Fundamentalismus.
Hingegen gelte es, die Weichenstellungen des II. Vatikanischen Konzils (siehe Kasten)
für Kirche und Theologie zu verteidigen: Hinwendung zur Welt und zu den Lebensrealitäten der Menschen, Abkehr eines „integralistischen Antimodernismus“ und Anerkennung von Demokratie, Menschenrechten und anderer religiöser Traditionen. „Wenn wir den Gedanken der Inkarnation ernst nehmen, dass Gott Mensch geworden ist, dann kann auch Kirche nicht jenseits von Gesellschaft und ihrer konkreten Bedingungen gedacht werden“, so die Theologin Sigrid Rettenbacher.
Anna M. Steiner
Konzil und Demokratie
Mit seiner Haltung des „Aggiornamento“, der Hinwendung zur Welt und zum Leben der Menschen, brachte das von 1962 bis 1965 dauernde II. Vatikanische Konzil eine Abkehr der Katholischen Kirche von einem integralistischen Antimodernismus und erkannte eine pluralistische menschenrechtsbasierte Demokratie an. Die Katholische Kirche tritt seitdem klar für die Anerkennung anderer religiöser Traditionen, die Bewahrung der Schöpfung, Klimaschutz und Menschenwürde in Bezug auf Migration ein.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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