Weltkirche
Helfen verboten
- Zwei Jahre Krieg haben im sogenannten Gazastreifen verheerende Spuren hinterlassen. Aus einer Datenanalyse des Bayerischen Rundfunks (BR) geht hervor, dass 70 Prozent aller Gebäude in der Stadt Gaza beschädigt oder zerstört sind. In einigen Städten sind die Schäden sogar noch größer.
- Foto: Andrea Krogmann/KNA
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Hilfe für Gaza fordert das katholische Hilfswerk CRS. Israels Verbot von humanitärer Hilfe erschwert das massiv.
Die Bilder, die man im Internet sieht, vermitteln nicht ansatzweise die Realität“, zeigt sich Bill OʼKeefe erschüttert. Als Vizepräsident des katholischen Hilfsnetzwerks Catholic Relief Services (dt. Katholischer Hilfsdienst), kurz CRS, hatte er kürzlich den so genannten Gazastreifen besucht. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vom 23. Februar spricht er von Kriegsschäden unbeschreiblichen Ausmaßes. „Im israelisch besetzten Teil, östlich der sogenannten gelben Linie, ist nicht nur alles zerstört. Es sieht aus, als sei alles umgepflügt worden“, so OʼKeefe. Das Bild auf der palästinensisch kontrollierten Seite sei unwesentlich besser.
Während sich die Lebensmittelversorgung insgesamt verbessert habe, bleibe das Problem, dass die meisten Menschen kein Einkommen hätten und damit die auf kommerziellen Märkten verfügbaren Lebensmittel nicht kaufen könnten. Ferner habe Gaza mangels Bargelds ein enormes Liquiditätsproblem, so der US-Amerikaner.
Hilfs-Verbot. Als eines der dringendsten Anliegen für die Menschen in Gaza beschreibt der Vizepräsident des zum internationalen Caritas-Netzwerk gehörenden katholischen Hilfswerks die Schaffung von akzeptablen Unterkünften. Die Zelte, in denen mehr als eine Million Vertriebene Schutz suchten, hielten auf Dauer nicht den Wetterbedingungen stand. CRS engagiere sich daher im Bau von temporären Unterkünften – für besseren Schutz und ein würdigeres Leben. Geht es nach Israels Regierung, soll es dazu wohl nicht kommen. Dutzende Hilfswerke im Gazastreifen, dem besetzten Westjordanland und Ostjerusalem müssen mit 1. März ihre Arbeit einstellen, was nach Einschätzung humanitärer Helfer insbesondere für den Gazastreifen katastrophale Folgen hätte. Denn trotz verbesserter Versorgungslage seit dem Waffenstillstand – an Treibstoff, Medikamenten, Unterkünften und grundlegender Infrastruktur mangelt es nach wie vor.
Neue israelische Anforderungen an internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gelten seit letztem Jahr. Ihnen zufolge müssen NGOs auch vertrauliche Informationen über ihre palästinensischen MitarbeiterInnen offenlegen. Wer das nicht tut, erhält keine Registrierung. Seit 1. Jänner wurden bereits 24 in den betreffenden Gebieten tätige Organisationen als regelkonform bewertet; 37 weitere haben die Prüfung nicht bestanden. Bill OʼKeefes Forderung steht das wohl diametral entgegen. Laut dem CRS-Vizepräsidenten brauche es in Gaza „einen echten Aufschwung“ in allen Lebensbereichen. „Damit die Menschen das Gefühl haben, dass sie etwas von dem Waffenstillstand haben und dass ihr Leben besser ist, als nur nicht getötet zu werden“.
Quellen: Kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.