Graz-Schutzengel
Ein bergender Ort

Innenraum der Schutzengelkirche, die sich als luftiger, atmosphärischer Feierort zeigt, mit dem Altarbild von Kurt Zisler und (rechts) der Lichtwand von Edith Temmel, die von der Engelsvision Marc Chagalls inspiriert ist.
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  • Innenraum der Schutzengelkirche, die sich als luftiger, atmosphärischer Feierort zeigt, mit dem Altarbild von Kurt Zisler und (rechts) der Lichtwand von Edith Temmel, die von der Engelsvision Marc Chagalls inspiriert ist.
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25 Jahre feiert der bislang letzte Kirchenneubau in der Diözese Graz-Seckau.

Die Entstehung des letzten Kirchenneubaus der Steiermark ähnelt einem Drama mit Höhepunkten und offenem Ende. Den ersten Akt setzen 1909 Albert Eckert und seine Frau, als sie Bischof Leopold Schuster einen Baugrund zur Errichtung der „röm.-kath. Kaiser-Jubiläumskirche zu den Hl. Schutzengeln in Eggenberg“ stiften.

Bemerkenswert ist der Likör-, Senf- und Essigfabrikant nicht nur als Bürgermeister der seit 1908 zweitgrößten Gemeinde der Steiermark (17.000 EinwohnerInnen). Seiner Weitsicht sind unter anderem zwei Straßenbahnlinien, Feuerwehr, aber auch eine Armenausspeisung zu verdanken. 1914 war das Geld für den Kirchenbau gesammelt. Ein Monat vor dem Spatenstich beginnt abrupt der Erste Weltkrieg. Das Ersparte wird zu Kriegsanleihen und besitzt 1918 noch Papierwert.

Notkirche. Im 2. Akt beschließt Bischof Ferdinand Pawlikowski 1930 die Errichtung einer „fliegenden Pfarre“ ohne Kirche und Pfarrhof. Das errichtete Vereinshaus wird am 11. September 1932 als Notkirche Eggenberg geweiht. Der neuerlich gesammelte „Kirchenbauschilling“ für eine Kirche wird 1938 durch die NS-Regierung beschlagnahmt.

Neubau. Nach Kriegsende haben für die Diözese die Sanierung von Bombenschäden, der Ersatz von Barackenkirchen und der Kirchenbau in seelsorglich nicht versorgten Gebieten Vorrang. So entsteht in Eggenberg 1959 „nur“ ein Pfarrhof. Erst 1989 stellt Generalvikar Leopold Städtler eine „große Lösung“ in Aussicht, um die letzte Notkirche zu erneuern. Es folgen Bebauungsstudien und Vorplanung. 1993 stimmen Pfarre, Diözese und Denkmalamt dem Entwurf des Grazer Architekten Werner Hollomey zu: „Zeitgerecht, liturgiegerecht, gemeindegerecht und sakral soll die neue Kirche sein.“

Am 18. Juni 1995 beginnt mit dem Spatenstich der Kirchenbau. Parallel damit entsteht als Solidaritätsprojekt die Partnerschaft mit Bom Jesus da Lapa in Brasilien. Am 6. Oktober 1996 kann Bischof Johann Weber die neue Pfarrkirche weihen und damit einen kirchenbaulichen Schlusspunkt setzen.

Pfarrzentrum. Für die Pfarre ist damit nicht alles abgeschlossen. Das denkmalgeschützte
„Vereinshaus“, die alte Notkirche, braucht Funktion. 1997 zieht in das sanierte Untergeschoß der Kindergarten ein. Die alte Kirche wird fortan als recht unzweckmäßiger Saal genutzt, ehe im vorläufig letzten Akt die notwendige Sanierung des Pfarrhofs zu einer ganz neuen Lösung führt. 2017 wird die ehemalige Notkirche zum heutigen Pfarrzentrum Schutzengel mit Pfarrsaal, Pastoralräumen, Kanzlei und Kindergarten umgebaut. Dafür entsteht unter Einbeziehung des alten Pfarr-hofs das Haus Rafael als Wohnprojekt des Vereins Solidarität im Alter, unterstützt von der Diözese.
Mitten im Grazer Westen. Zum 25. Kirchweihfest zeigt sich Schutzengel als architektonisches, geistliches und geistiges Zentrum mitten im Grazer Westen. Der Kirchturm ist eine weithin sichtbare ästhetische Landmarke, und der Kirchenraum besticht als luftig atmosphärischer Feierort. Künstlerisch zieren das Altarbild von Kurt Zisler, die Kapellenwand von Josef Fink sowie Altar und Taufbecken von Manfred Gollowitsch den lichtdurchfluteten Raum.
Für mich ganz besonders ist die Lichtwand von Edith Temmel, die von der Engelsvision Marc Chagalls inspiriert ist. Sie lässt erahnen, was Schutzengel für Graz-Eggenberg ist – oder wie Paul Musyl es in der Schutzengelmesse musikalisch ausdrückt: „Er behütet dich dein ganzes Leben. Er beschirmt dich mit seinen Flügeln.“ Mit Schutzengel sind die Menschen von Graz-Eggenberg geborgen.

Heimo Kaindl

Schutzengel baut auf
Unter diesem Motto gibt es am Freitag, dem 24. September, um 19 Uhr in der Pfarre (Hauseggerstraße 72) einen Begegnungsabend „Rückblick Kirchenneubau“ mit Werner Hollomey, Edith Temmel, Manfred Gollowitsch und Gerhard Berger.

Innenraum der Schutzengelkirche, die sich als luftiger, atmosphärischer Feierort zeigt, mit dem Altarbild von Kurt Zisler und (rechts) der Lichtwand von Edith Temmel, die von der Engelsvision Marc Chagalls inspiriert ist.
Außenansicht der 1996 geweihten Pfarrkirche zu den Heiligen Schutzengeln in Graz-Eggenberg. Architekt war Werner Hollomey.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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