Glaube
Die „Müll-Kathedrale“
- Justo Gallego hatte kein Geld, er war auf Spenden angewiesen. Seine Baumaterialien suchte er selbst zusammen: Eisenstangen, Drähte, ausgediente Haushaltsgeräte, alte Werbebanden aus dem Stadion von Real Madrid. Tennisbälle und Tomatendosen verputzte er zu dekorativen Elementen. Er wollte recyceln, den ökologischen Fußabdruck seines Gotteshauses möglichst klein halten.
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Im Alleingang erbaute Justo Gallego nahe bei Madrid eine riesige Kirche. Am 20. September wäre sein 100. Geburtstag.
60 Jahre lang hat Justo Gallego Martinez mit Bauschutt und Sperrmüll in Mejorada del Campo vor den Toren Madrids eine gewaltige „Kathedrale“ gebaut. Praktisch allein errichtete er diese 50 Meter lange, 20 Meter breite und 35 Meter hohe „Liebeserklärung an Gott, Jesus Christus und die Jungfrau Nuestra Senora del Pilar“, wie Justo Gallego seine Kirche einst bezeichnete.
Doch er ahnte bereits vor langer Zeit, dass er sein Lebenswerk nicht selbst würde beenden können. Und er hatte Sorge, die Behörden könnten seine „Kathedrale“ sogar abreißen, sollte er nicht mehr da sein. Denn eine Baugenehmigung hatte er nie – und die katholische Kirche war nicht daran interessiert, sein Gotteshaus zu übernehmen.
So wandte sich Justo Gallego an den Priester Angel Garcia Rodriguez. Padre Angel ist dank der von ihm gegründeten katholischen Hilfsorganisation Mensajeros de la Paz (Boten des Friedens) Spaniens bekanntester Geistlicher überhaupt. Weltweit kümmert sich seine Organisation um hilfsbedürftige Kinder und Obdachlose. „Justo stiftete uns seine wunderschöne Kathedrale – und er hatte nur eine einzige Bedingung. Er bat mich, sein Lebenswerk zu Ende zu bringen“, sagt Padre Angel.
Am 20. September wäre Justo Gallego 100 Jahre alt geworden; doch er starb 2021 im Alter von 96 Jahren. Padre Angel hielt Wort: Nach Justos Tod beauftragte er ein Architekturbüro, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Danach ging es an die Arbeit. Zwei Jahre lang wurden Geländer eingesetzt, kaputte Fenster ausgetauscht, Türme vollendet und vor allem das Dach geschlossen, durch das es ständig hereinregnete. „Wir wollten aber nichts verschönern. Wir machten das Gebäude nur sicherer für Besucher. Den Geist von Justos Arbeit haben wir erhalten“, versichert Padre Angel. So wirkt Justos „Kathedrale“ zumindest auf den ersten Blick immer noch halb fertig.
Der tiefgläubige Katholik Justo Gallego wollte eigentlich Mönch werden. 1952 trat er einem Trappistenkloster bei. Doch nach acht Jahren erkrankte er schwer an Tuberkulose, musste das Kloster verlassen und wäre beinahe gestorben. „Damals schwor ich, Gott und der Jungfrau Nuestra Senora del Pilar eine Kirche zu bauen, sollte ich die Krankheit überleben“, erklärte Justo. Er überlebte – und hielt sich an sein Versprechen. 1961 fing er mit dem Bau an.
Aber er war weder Architekt noch gab es Baupläne. Er verkaufte den Bauernhof seines verstorbenen Vaters und legte einfach los. Mauern, schweißen, Zement mischen – er brachte sich alles selbst bei. Er ließ sich lediglich von ein paar Büchern über alte Kirchen und mittelalterliche Burgen inspirieren. „Die Kuppel ist dem Petersdom in Rom nachempfunden. Ansonsten sticht in meiner Kirche eher das Romanische hervor“, sagte er mit Stolz.
Manuel Meyer
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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