Glaube
Bewusst die Liebe wählen

Bischof Hermann Glettler und Abualwafa Mohammed präsentierten ihr lebendiges Dialogbuch in gelöster Atmosphäre im Grazer Minoritensaal. | Foto: Finster
2Bilder
  • Bischof Hermann Glettler und Abualwafa Mohammed präsentierten ihr lebendiges Dialogbuch in gelöster Atmosphäre im Grazer Minoritensaal.
  • Foto: Finster
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Ein Bischof und ein Imam schreiben ein berührendes Dialog-Buch über Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft.

Uns trennen Welten“, bekennen sie gleich am Anfang ihres Buches, das sie kürzlich im Grazer Minoritensaal präsentierten: „Wir wurden an weit voneinander entfernten Orten geboren und sind in komplett unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen – der eine im Nildelta in Ägypten, der andere auf einem Bauernhof in der Steiermark.“ Beruflich sind sie sich in Graz im Jahr 2010 begegnet. Der eine, Hermann Glettler, war damals katholischer Pfarrer im multikulturellen Bezirk Gries, der andere war Imam in seinem Moscheeverein in der Nähe des Grazer Hauptbahnhofs.

Dokument der Freundschaft. Das Buch verstehen die beiden Autoren 15 Jahre nach ihrem Kennenlernen (der eine ist nun Bischof in Innsbruck, der andere Religionspädagoge und muslimischer Theologe in Wien) als ein Dokument der Freundschaft und als Ausdruck eines tiefen gemeinsamen Anliegens. Sie möchten „ein kleines Zeichen gegen die neue Härte in unserer Gesellschaft“ setzen. In den fünf Kapiteln ihres Dialogbuches umkreisen sie „Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft“, und mit „Handlungsimpulsen“ möchten sie die LeserInnen dazu anregen, „möglichst rasch in ein konkretes Tun“ zu kommen.

Verfeindete Lebenswelten? Hermann Glettler (im Buch: HG) und Abualwafa Mohammed (im Buch: AM) nehmen die Spannungen in der Gesellschaft gewiss wahr, entscheiden sich aber ganz bewusst für den Dialog. Sie sind überzeugt, dass durch ehrliche Begegnungen mit Menschen anderer Lebenserfahrungen, anderer Kulturen oder Weltanschauungen verlässliche Brücken von Herz zu Herz gebaut werden können.

Verängstigt oder manipuliert? Für die Autoren führen „Spuren der Hoffnung“ heraus aus den vielen Spielarten von Hetze in der realen und digitalen Welt. Sie führen immer zu Menschen, die nicht von Ängsten und Zwängen getrieben sind, sondern frei sind von dem, was ihre Seele in Beschlag nimmt. Der inneren Freiheit mehr Raum zu gewähren, das sei heute besonders wichtig. Aus innerer Freiheit heraus könne man sich für eine ökologische, solidarische, liebende Lebensgestaltung entscheiden.
In einer ausweglosen Spirale? Hass und Hasskriminalität beschäftigen und nehmen erschreckend zu. Aber wie den Hass rechtzeitig bändigen? Für die Autoren ist niemand der zerstörerischen Macht des Hasses nur ohnmächtig ausgeliefert. Bewegt berichten sie über „Ausstiegsstellen“ aus den Spiralen des Hassens und sie zeigen Möglichkeiten von kreativer „Hassverweigerung“ auf: „Dem Hass keinen Raum geben, weder in uns noch in unseren Beziehungen“ (HG), und „auf erlittenes Unrecht nicht mit Gegengewalt reagieren“ (AM). Ihre Botschaft ist: „Man muss sich innerlich bekehren, weil Gottes Blick auf den einzelnen Menschen immer positiver, barmherziger ist als unsere verengte Perspektive“ (HG).

Gott erkennen oder missbrauchen? Die beiden Autoren geben kurzweilig, leicht lesbar und sympathisch Zeugnis davon, wie ihre Heiligen Schriften und religiösen Traditionen wertvolle und heilsame „Medikamente“ für die Verwundungen unserer Zeit bewahren. Der Bischof und der Imam machen Lust darauf, die Potentiale dieser Medikamente immer wieder neu zu studieren, zu betrachten und freimütig im eigenen Leben anzuwenden.
Geht menschlicher? Ihr Dialog führt Hermann Glettler und Abualwafa Mohammed zum Zentrum ihres Glaubens: die Liebe. Man könne sie in jedem Augenblick wählen, sodass man „keine Schachfigur der Geschehnisse, sondern der Pilot des eigenen Lebens ist“ (AM). „Ja, die Liebe ist stärker und das Leben geht weiter: Inschalah! So Gott will!“, ist der Muslim überzeugt, und der Bischof bekennt: „Ich weiß, dass die Kraft der Liebe stärker ist. Wenn ich ruhig werde und bete, fühle ich diese Kraft. Es ist Gottes stiller, aber diskreter Herzschlag in seiner ganzen Schöpfung. Er mag oft schwach erscheinen, aber er pumpt unablässig neuen Mut in unsere Adern – Großmut, Demut und Sanftmut!“. Ein berührend schönes Buch.

Heinz Finster

Nicht den Hass, die Liebe wählen. Ein Bischof und ein Imam über Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft.
Freiburg i. Br. Verlag Herder 2025, 192 Seiten, ISBN: 978-3-451-60147-7
  • Nicht den Hass, die Liebe wählen. Ein Bischof und ein Imam über Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft.
    Freiburg i. Br. Verlag Herder 2025, 192 Seiten, ISBN: 978-3-451-60147-7
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Bischof Hermann Glettler und Abualwafa Mohammed präsentierten ihr lebendiges Dialogbuch in gelöster Atmosphäre im Grazer Minoritensaal. | Foto: Finster
Nicht den Hass, die Liebe wählen. Ein Bischof und ein Imam über Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft.
Freiburg i. Br. Verlag Herder 2025, 192 Seiten, ISBN: 978-3-451-60147-7
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ