Weltkirche
Beendet die Barbarei!
- „Schweigen ist keine Option mehr.“ Bischof Hermann Glettler äußert sich tief erschüttert zum Beschuss der Kirche „Heilige Familie“ (im Bild mit dem beschädigten Giebel) in Gaza: „Es war einer der traurigen Höhepunkte der systematischen Demütigung des palästinensischen Volkes und seiner multireligiösen Kultur.“
- Foto: LPG
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Die jüngste Entwicklung in Gaza löst heftige Reaktionen aus.
Papst und Bischöfe fordern Ende der humanitären Katastrophe.
Mit einem dramatischen Appell hat sich der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler zu Wort gemeldet: „Die jüngsten Entwicklungen im Gazastreifen erschüttern zutiefst. Diese verheerende Katastrophe muss beendet werden.“ In seiner Funktion als Referatsbischof für Pax Christi Österreich hat Glettler den Internationalen Gerichtshof in Den Haag besucht. Dabei sprach er sich auch dafür aus, dass sich die Verantwortlichen auf beiden Seiten des Konflikts für die von ihnen verübten Verbrechen vor dem Internationalen Gerichtshof verantworten müssen.
Die Tötung von Zivilisten, wie dies durch das israelische Militär erneut bei Verteilungszentren für Hilfsgüter geschehen ist, könne durch nichts gerechtfertigt werden. Ebenso sei die von Neuem angekündigte und schrittweise bereits umgesetzte Massenvertreibung der palästinensischen Zivil-
bevölkerung ein „Verbrechen gegen die fundamentalen Rechte eines Volkes“, hielt Glettler wörtlich fest. Zugleich betonte der Bischof, seine Gedanken und Gebete gelten den „immer noch gefangen gehaltenen Geiseln, die sofort freizulassen sind“, sowie allen übrigen Opfern, den Verletzten und allen, die unter den unmenschlichen Bedingungen in Gaza leiden.
Papst Leo XIV., der bislang eher zurückhaltend über den Gaza-Krieg gesprochen hat, hat nach dem Beschuss der katholischen Pfarre im Gazastreifen seinen Tonfall unüberhörbar geändert und erstmals das Vorgehen der israelischen Streitkräfte in aller Schärfe verurteilt. Beim sonntäglichen Mittagsgebet in Castel Gandolfo sagte er: „Ich empfinde tiefen Schmerz über den Angriff israelischer Streitkräfte auf die katholische Kirche in Gaza-Stadt.“ Unter dem Beifall von tausenden Menschen auf dem Platz vor der päpstlichen Sommerresidenz forderte Leo XIV. ein sofortiges Ende der „Barbarei des Krieges“. Die internationale Gemeinschaft rief der Papst auf, sich für den Schutz der Zivilbevölkerung einzusetzen und dafür zu sorgen, dass das völkerrechtliche Verbot von Kollektivbestrafungen eingehalten werde. Auch müsse dem unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt und der gewaltsamen Vertreibung der Bevölkerung Einhalt geboten werden.
Als „nicht mehr zu rechtfertigen“ bezeichnete Kardinal Pierbattista Pizzaballa das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen. „Wir haben die moralische Pflicht, mit absoluter Klarheit und Offenheit die Politik dieser Regierung im Gazastreifen zu kritisieren“, sagte er zu Vatican News. Der ranghöchste katholische Geistliche im Heiligen Land war nach dem tödlichen Beschuss zur Kirche in Gaza gereist und hatte inmitten anhaltender Bombardements dort Gottesdienst gefeiert. Er berichtete von einer Million Obdachlosen sowie von verletzten und erblindeten Kindern infolge der israelischen Luftangriffe.
Quelle: Kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.