Kirche Steiermark
Aus der Stille
- Br. Jakobus Geiger (Mitte) kommt nach einem Vortragsabend im Juni im September wieder nach Graz für ein Intensivseminar. Kathrin Karloff (r.) und Franz Pojer (l.) vom Bildungsforum bei den Minoriten machen u. a. mit einem Interview (s. u.) neugierig auf die Veranstaltung.
- Foto: Schaller-Pressle
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Sich in Spiritualität einüben mit Bruder Jakobus Geiger.
Spiritualität meint die Erfahrung des Geistes, des Geistes Gottes, das Ergriffensein und Berührtsein durch das Geheimnis, das hinter allem ist und weht“, so Bruder Jakobus Geiger von der Abtei Münsterschwarzach an seinem Vortragsabend im Juni im Bildungsforum bei den Minoriten.
Auf der Grundlage seines jüngsten Buches „Wege ins Schweigen. Impulse zur Kontemplation“ lud der Mediationslehrer die Teilnehmenden ein, dieser geheimnisvollen Erfahrung näher zu kommen: „Die Erfahrung von Gottes Gegenwart ist das eigentlich Innerste jeder Religion. Ohne diese wäre sie tot, wie ein Baum ohne Saft.“ Das „Wachsein im Augenblick mit der Bereitschaft, die Lampen brennen zu lassen“ (Mt 25,1–13) ermöglichte Br. Jakobus Geiger schließlich mittels wertvoller alltagsbezogener Impulse.
Am 26. September wird Br. Jakobus wieder nach Graz kommen: In seinem ganztägigen Intensivseminar „Sich aus der Stille wandeln“ (siehe Kasten) bringt er Teilnehmenden die Wirkungen der Kontemplation, einer christlichen Form der Meditation, näher. „Ziel wird es sein, zu üben, achtsam und absichtslos in der Gegenwart Gottes zu verweilen“, so der Benediktiner. Als Vorgeschmack auf das Seminar war Franz Pojer, ehrenamtlicher Referent im Bildungsforum bei den Minoriten, mit ihm im Gespräch:
Franz Pojer: Unser Körper bekommt Fitnesstraining, Bio-Müsli und Yoga. Der Geist hingegen wird oft behandelt wie ein Dachboden – man schiebt alles hinein und hofft, dass er sich irgendwann von selbst aufräumt…
Br. Jakobus: (lächelt) Ein treffendes Bild! Meditation verstehen wir hier als „Kultivierung des Bewusstseins“. Es ist kein weiterer Wellness- oder Psychotrend, sondern eine Praxis, die sich über Jahrhunderte bewährt hat. Die alten Meister kannten nicht nur die Wege, sondern auch die Sackgassen – das erspart uns manchen unnötigen Umweg!
Pojer: Und am Anfang steht die Übung?
Br. Jakobus: Genau. Regelmäßig, mit einer Prise Freude und innerer Motivation. Zuerst gilt es, den unruhigen Geist zu beruhigen – wie einen See, dessen Oberfläche sich glätten muss, bevor man den Grund erkennen kann. Schließlich tauchen aber auch unverarbeitete Gefühle oder Sehnsüchte auf. Man begegnet sich selbst, mit all seinen Eigenarten und Denkmustern. Daraus wachsen in der Regel Selbsterkenntnis und innere Freiheit. Meditation ersetzt allerdings keine Psychotherapie – das sei klar gesagt.
Pojer: Was, wenn der See sich beruhigt hat?
Br. Jakobus: Dann beginnt die Kontemplation – ein Weg des Empfangens. Man spürt eine tiefe Stille und Wachheit. Hier geht es nicht mehr ums willentliche Machen, sondern um das Verweilen in Gottes Nähe und Liebe. Meditation gleicht einer Wanderung: Wir müssen nicht den höchsten Gipfel erklimmen. Oft liegt der Wert im Aufbrechen und Gehen.
Text: K. Karloff, Interview: F. Pojer
Intensivseminar
„Sich aus der Stille wandeln“, Intensivseminar mit Br. Jakobus Geiger (Abtei Münster-
schwarzach): 26. Sept., 8.30–18 Uhr, Minoritenzentrum Graz.
Info und Anmeldung: bildungsforum-m.at; Tel.: 0316/8041 452.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.