Synode 2021-2024 | Einleitung
Was passiert bei der Synode?

Am 4. Oktober startet in Rom das erste von zwei Treffen der Weltsynode. In welchen Sprachen wird gearbeitet? Wer darf abstimmen? Was kann herauskommen?

Papst Franziskus hat die Bischofssynode zum Thema Synodalität einberufen. Gemeinschaft, Sendung und Teilhabe sind die drei Säulen des seit Herbst 2021 laufenden Prozesses. Nach einer lokalen und einer kontinentalen Phase folgt von 4. bis 29. Oktober das erste von zwei Treffen auf Weltebene im Vatikan. Die Nachrichtenagentur Kathpress beantwortet einige Fragen.

Wie ist der zeitliche Ablauf der Synode?
Der stimmungsvolle Einstieg in die Beratungen findet schon am 30. September statt. Auf dem Petersplatz ist ein großes ökumenisches Abendgebet geplant. Geleitet unter anderen von der Gemeinschaft von Taizé, werden dazu tausende junge Menschen erwartet.
Am 1. Oktober ziehen sich die Synodalen zunächst zu Besinnungstagen in ein Haus in Sacrofano nördlich von Rom zurück.

Am 4. Oktober wird die Synode mit einer feierlichen Messe eröffnet, am 29. Oktober mit einer solchen beendet. Dazwischen finden die Beratungen statt, basierend auf dem im Juni veröffentlichten Arbeitspapier „Instrumentum laboris“. Am Ende der vierwöchigen ersten Sitzungsperiode der Synode – der zweite Teil folgt im Oktober 2024 – wird ein Synthesepapier als Zusammenfassung der Beratungen erstellt und veröffentlicht.

Wie sind die Beratungen organisiert?
Aufgrund der hohen Anzahl an TeilnehmerInnen tagt die Synode diesmal in der Audienzhalle im Vatikan. Beraten wird im Plenum und in Gruppensitzungen. Nach sprachlicher und inhaltlicher Präferenz werden die Arbeitsgruppen aus jeweils rund zwölf Personen zusammengesetzt. 14 der Sprachgruppen werden auf Englisch arbeiten, acht auf Italienisch, sieben auf Spanisch, fünf auf Französisch und eine auf Portugiesisch.

Etwa jede siebente Stimme bei der Synode ist weiblich.


Die Beratungen umfassen drei Phasen. Zu Beginn werden sich alle Gruppen mit dem ersten Teil des Arbeitspapiers „Für eine synodale Kirche“ auseinandersetzen. Zwei Wochen arbeiten die Teams dann an den drei weiteren Teilen des Dokuments: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung. Jede Gruppe erhält zu jedem Thema eines von fünf Arbeitspapieren mit speziellen Fragestellungen. Aufgrund der etwa 30 geplanten Teams werden sich immer mehrere Sprachgruppen, unterstützt von einem Moderator, mit einer Frage beschäftigen. Die Ergebnisse werden regelmäßig im Plenum besprochen.

In der Schlusswoche wird – ebenfalls abwechselnd in Kleingruppen und im Plenum – daran gearbeitet, die Resultate in einem gemeinsamen Synthesebericht zusammenzufassen. Am 28. Oktober folgen eine abschließende Lesung und die Genehmigung des Papiers. Für die gesamten Beratungen bekommen die TeilnehmerInnen auch technische Unterstützung: Sie erhalten laut Synoden-sekretariat ein Tablet, auf dem sie Dokumente lesen können, Informationen austauschen und abstimmen werden.

Wer darf abstimmen, wer berät mit?
Papst Franziskus hat 365 stimmberechtigte Mitglieder für die Synode nominiert. Ergänzt werden sie durch 61 internationale BeraterInnen, darunter etwa die an der Katholischen Privat-Universität Linz lehrende Pastoraltheologin Klara Csiszar, neun Gastteilnehmende und zwölf Ökumene-VertreterInnen – insgesamt etwa 450 Personen. Hinzu kommen rund 40 MitarbeiterInnen des Synodensekretariats.
Neben Bischöfen und Ordensoberen haben Priester, Diakone und Ordensleute sowie erstmals in größerem Umfang auch nicht geweihte Katholikinnen und Katholiken Stimmrecht. Die Nicht-Bischöfe machen bei der Versammlung ungefähr ein Viertel aus. Etwa jede siebente Stimme ist weiblich. Mit 73 Prozent sind die Bischöfe klar in der Überzahl. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie bei Abstimmungen eine Dreiviertelmehrheit bilden. Unter ihnen sind Männer mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen zur Zukunft der katholischen Kirche.

Wer stimmt ab und berät mit?
Franziskus hat auch einen der schärfsten Kritiker seines Projekts berufen: den deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Der Papst will möglichst viele mitnehmen bei der Klärung der Frage, wohin die „gemeinsame Reise“ der katholischen Kirche geht. Haben auch die Kritiker ein Mitspracherecht, sind sie Teil des Prozesses und könnten ihn am Ende mittragen. Die Veranstaltung im Oktober ist außerdem bewusst kein Einzelereignis wie andere Synoden zuvor. Vor dem Treffen auf Weltebene wurden die Gläubigen in allen Ländern befragt, dann folgten Beratungen auf kontinentaler Ebene. Die jeweiligen Ergebnisse flossen in Arbeitspapiere ein. Ausdrücklich soll das finale Dokument, das wahrscheinlich 2024 entsteht, eine Ergänzung zu den übrigen sein.

Was kann rauskommen und was nicht?
Grundsätzlich bleibt die Weltsynode kirchenrechtlich eine Bischofssynode – trotz teilnehmender Nicht-Bischöfe. Seit 1965 dient diese in regelmäßigen Abständen und zu bestimmten Themen als Beratungsorgan für den Papst. Am Ende kann die Synode abstimmen und dem Papst Empfehlungen vorlegen, die letzte Entscheidung liegt aber bei ihm. Er kann sie in einem verbindlichen „Nachsynodalen Schreiben“ festhalten. Nicht immer haben sich die Päpste an die Empfehlungen der Synode gehalten. Meint Franziskus es mit mehr Teilhabe in der Kirche ernst, wird er diesmal vielleicht anders handeln.
Nicht geplant sind Reformen etwa zu einem Weiheamt für Frauen oder einer Lockerung der Ehelosigkeit bei Priestern. Die Organisatoren warnen vor zu hohen Erwartungen in diesem Zusammenhang. Allerdings kann die Synode eine Vorbereitung für folgende Beratungstreffen sein. Wenn sie gelingt, könnten kommende Bischofssynoden in neuer Form mit umfangreicherer Beteiligung stattfinden – und dann zu konkreten Fragen auch der kirchlichen Lehre abstimmen.

Wie geht es nach der Versammlung weiter?
Mit Ende der Beratungen im Oktober ist die Weltsynode nicht vorbei. Papst Franziskus hatte den Prozess frühzeitig um ein weiteres Jahr verlängert. So findet 2024 noch ein Treffen auf Weltebene im Vatikan statt.
Dort werden dieselben TeilnehmerInnen die endgültigen Handlungsempfehlungen für den Papst beschließen. Beobachter rechnen damit, dass es dazwischen weitere Beratungen in den Ortskirchen geben wird. Nach der Versammlung der Synode im Jahr 2024 wird der Papst über die Empfehlungen entscheiden.

Mehr zur Bischofssynode lesen Sie hier.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ