Vatikan
Priestertum aller Getauften

Eröffnung des internationalen Symposiums im Vatikan „Für eine Fundamentaltheologie des Priestertums“ am 17. Februar mit Papst Franziskus. Unter den Teilnehmenden war auch Bischof Wilhelm Krautwaschl, der nachher von einer „Revolution durch das Taufpriestertum“ sprach.
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  • Eröffnung des internationalen Symposiums im Vatikan „Für eine Fundamentaltheologie des Priestertums“ am 17. Februar mit Papst Franziskus. Unter den Teilnehmenden war auch Bischof Wilhelm Krautwaschl, der nachher von einer „Revolution durch das Taufpriestertum“ sprach.
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Im Vatikan ging es bei einer Tagung über das Priestertum um den Auftrag aller Getauften. Bischof Wilhelm Krautwaschl gibt Eindrücke und Fragen weiter.

In herausfordernden Zeiten Umschau zu halten ist gut, richtig und wichtig. Die „Tagung über das Priestertum“, die auf Initiative von Kardinal Marc Ouellet in den vergangenen Tagen in der vatikanischen Audienzhalle einige hundert Teilnehmende versammelt hat, sollte ein solches Innehalten sein.

Mögen zwar die Pandemie oder auch die Missbrauchskrise, der Rückgang an Berufungen zum Priesteramt und anderes manche Debatten bestimmen, wurde auf dem Kongress das Innehalten fundamentaler angelegt. Denn, um mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu denken: Es kann in der Kirche von heute nicht nur um das Amtspriestertum gehen, sondern mit der Rede vom „gemeinsamen Priestertum aller Getauften“ wurde ein Zugang zum Verstehen und zum Leben von Kirche gewählt, den auch wir heute erst langsam erkennen, wiewohl er ein alter ist. Nicht zuletzt ist der synodale Prozess, auf dem auch wir in der Steiermark unterwegs sind, Ausdruck dieser Selbstvergewisserung.

An drei intensiven Tagen wurde von mehreren Seiten die Rede vom „Priestertum“ in mehrfachem Sinn geschärft: Ging es zunächst um einen historischen Aufriss, aus dem heraus sich das Heute neu darstellt und Wege des gemeinsamen Voranschreitens ermöglicht, wurden am zweiten Tag Aspekte des notwendigen Nachdenkens in der Kirche und im ökumenischen Dialog beleuchtet. Das Symposium wurde mit Fragestellungen rund um das Leben in der Kirche und die Lebensform der Priester abgeschlossen – mit dem klaren Bekenntnis, dass heilig zu werden eine Kategorie aller Getauften ist.

Ich hoffe, dass ich einigermaßen aufmerksam die Beiträge gehört habe, und gehe mit einigen Orientierungs-Fragen weiter:
1. Was will uns Gott mit den derzeitigen Entwicklungen in Kirche und Welt sagen –neben den krisenhaften Phänomenen nenne ich die Säkularisierung, die sich weiter ausbreitet? Hier hinein hat Gott uns gestellt als seine Kirche – und wie leben wir in ihr?

2. Wie können wir herauskommen aus der Polarisierung, die sich weitgehend in unseren Köpfen und auch in der Realität kirchlichen Lebens gehalten hat, etwa durch die Aufteilung in „Laien“ und „Kleriker“, die bestimmte Kirchenbilder zuweist? Allein die Tatsache, dass es viele in der Kirche gibt, die (gott-)geweiht leben, würde über dieses duale Denken hinausführen. Das wäre auch dringend notwendig, denn die Debatten rund um „Wer darf nun was?“ sind auf Dauer lähmend. Wir brauchen aktive, sich für andere einsetzende, priesterlich lebende Getaufte, und wir brauchen geweihte Amtsträger in unserer Kirche.

3. Wie können wir die Geschenke der Ehe und der Ehelosigkeit unserer Welt anbieten, ohne uns in bloßen Lebensformdebatten der Priester zu ergehen?

4. Wie kann es in unseren Breiten gelingen, das Grundlegende der Taufe neu ins Leben und damit auch ins Denken der Christen zu bringen, um in die Zukunft zu denken und nicht bloß rückwärtsgewandt zu argumentieren, wonach es das, was es vor Jahrhunderten gab, erneut geben müsse? Wie also können wir das Zweite Vatikanische Konzil tatsächlich einpflanzen in unser Verstehen und Leben von Kirche?

Ich bin mit vielen Fragen nach Hause aufgebrochen und hoffe, dass wir in unserem Vorangehen gut aufeinander hören, um Gottes Stimme zwischen den vielen zu entdecken, die wir täglich hören.

Symposium
Von 17. bis 19. Februar fand im Vatikan ein Symposium zum Priestertum in der Krise statt. Vorbereitet wurde es vom „Zentrum für die Erforschung und die Anthropologie der Berufungen“ mit Sitz in Frankreich.

Eröffnung des internationalen Symposiums im Vatikan „Für eine Fundamentaltheologie des Priestertums“ am 17. Februar mit Papst Franziskus. Unter den Teilnehmenden war auch Bischof Wilhelm Krautwaschl, der nachher von einer „Revolution durch das Taufpriestertum“ sprach.
Die Taufe gliedert in die Gemeinschaft der Kirche und damit in ein gemeinsames Priestertum aller Gläubigen ein.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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