Konzil von Nicäa
Mensch oder Gott?
- Auch zu Handgreiflichkeiten soll es in Nicäa gekommen sein. Die Ohrfeige, die der heilige Nikolaus seinem Gegner Arius angeblich verpasst hat, ist auf dieser mittelalterlichen Ikone festgehalten. Immerhin ging es um das Zeugnis für einen lebendigen und leidenschaftlich handelnden Gott.
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Oder Mensch und Gott? Über das Wesen Jesu Christi wurde in Nicäa ein heftiger Streit geführt.
Was haben Nicäa, Kalkedon, der Vatikan und Trient gemeinsam? Sie sind Orte, an denen Konzilien stattgefunden haben. Insgesamt gab es 21, die für die ganze Kirche einberufen wurden. Und das erste Konzil eben in Nicäa. Wie wir bereits wissen, sollte es einige Fragen des Glaubens und des kirchlichen Lebens klären und die Einheit im Glauben an Jesus Christus sicherstellen.
Das Konzil tritt der Lehrmeinung des Arius entgegen, der Jesus als einen besonderen Menschen, aber nicht als Sohn Gottes verstanden hat. Nicht wenige haben diese Lehre übernommen, andere haben sie bekämpft. Was hat das Konzil getan?
Es hat ein damals vorliegendes Glaubensbekenntnis aus dem syrisch-palästinensischen Raum übernommen und mit Einschüben versehen, die den Glauben der Konzilsväter verdeutlichen sollten. Drei wichtige Einschübe sollen hier genannt werden:
Jesus ist „wahrer Gott vom wahren Gott“, er ist „gezeugt, nicht geschaffen“ und er ist „eines Wesens (griechisch: homoousios) mit dem Vater“. Wie zu erkennen ist, betonen alle eingefügten Formulierungen, dass Jesus nicht nur Mensch, sondern auch Gott ist. Deshalb wird gesagt, dass er nicht geschaffen, also ein Geschöpf ist, sondern gezeugt. Damit wollte man nicht eine mythologische Vorstellung aufgreifen, sondern nur unterstreichen, dass Gott-Vater und Jesus als Sohn auf der gleichen Ebene stehen, oder, wie das Konzil mit einem philosophischen Begriff sagt, das gleiche göttliche Wesen haben. Mit dem Begriff „homoousios“ hat das Konzil zum ersten Mal einen Begriff verwendet, der nicht in der Bibel vorkommt.
Wichtig ist noch, dass das Konzil mit seiner Formulierung zusammenfassend sagen wollte: Wenn wir den Evangelien treu bleiben sollen, dann dürfen wir nicht vergessen, dass Jesus auch Dinge getan hat, die nach damaliger Überzeugung nur Gott tun kann und darf – das haben ihm seine Gegner auch vorgeworfen. Das Konzil erklärt nicht, wie man sich ein Wesen vorstellen soll, das Gott und Mensch zugleich ist. Aber das gilt auch für andere Aussagen unseres Glaubens. Wir können uns z. B. Gott nicht vorstellen, aber wir können an ihn glauben.
Mit der Lehrentscheidung von Nicäa hat die Kirche gezeigt, dass der Glaube auch in eine neue Kultur übersetzt werden kann
– ohne dass man seinem Ursprung untreu wird. Das Konzil ist nahe an der Sprache der Bibel geblieben und hat von Gott-Vater und -Sohn gesprochen, von einem lebendigen und handelnden Gott, nicht von einem in sich ruhenden göttlichen Urgrund wie in der griechischen Philosophie.
Und nicht zuletzt hat das Konzil die Grundlage für den Glauben daran gelegt, dass Jesus etwas getan hat, was ein Mensch nicht tun kann: Jesus hat uns in seiner Göttlichkeit erlöst. Nur er konnte uns Gemeinschaft mit Gott, Erlösung und unvergängliches Leben bringen.
Bernhard Körner
Bernhard Körner ist emeritierter Univ.-Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Graz und Mitglied der Päpstlichen Theologischen Akademie.
Konzil von Nicäa
Die Teilnehmer
Kaiser Konstantin: Er nahm mit seinem Anliegen, die Einheit zu festigen, maßgeblich Einfluss auf das Konzil.
Ossius von Córdoba: Der spanische Bischof war der einflussreichste Berater Konstantins. Er leitete die Konzilsversammlungen und verfasste den Textvorschlag für das von allen unterschriebene Glaubensbekenntnis.
Arius: Der gelehrte Presbyter aus Alexandria nahm auf Befehl Konstantins am Konzil teil. Seine Auffassung, dass Jesus nicht eines Wesens mit Gott sei, wurde abgelehnt.
Athanasius der Große: Der spätere Patriarch von Alexandria und Kirchenvater begleitete seinen Vorgänger als Diakon zum Konzil. Er war ein vehementer Gegner des Arius.
Eusebius von Nikomedia: Er war Wortführer einer mit Arius sympathisierenden Gruppe und sprach sich gegen dessen Verurteilung aus.
Nikolaus von Myra: Der bis heute überaus beliebte Heilige war Bischof in der Region Lykien. Er soll beim Konzil seinen Kontrahenten Arius geohrfeigt haben.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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