Interview
Leben für die Frohbotschaft

Wenn Predigen das Herz berührt, geschieht echte Verkündigung, sagt Pater Hans Hütter. Das Bild zeigt das Gemälde „Die Predigt Johannes des Täufers“ von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1566. Das 
Ölbild auf Holz ist nach einer Szene aus den Evangelien nach Matthäus und Lukas benannt und befindet sich im ungarischen Kunstmuseum Szépművészeti Múzeum in Budapest. | Foto: wmc
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  • Wenn Predigen das Herz berührt, geschieht echte Verkündigung, sagt Pater Hans Hütter. Das Bild zeigt das Gemälde „Die Predigt Johannes des Täufers“ von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1566. Das
    Ölbild auf Holz ist nach einer Szene aus den Evangelien nach Matthäus und Lukas benannt und befindet sich im ungarischen Kunstmuseum Szépművészeti Múzeum in Budapest.
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Pater Hans Hütter widmet sein Leben der Verkündigung und gründete vor 30 Jahren das „Predigtforum“: damit Glaube ins Herz geht und dort Wurzeln schlagen kann.

Männer und Frauen zur Glaubensverkündigung zu befähigen: Mit diesem Ziel gründete der in Gnas geborene Redemptorist Hans Hütter das „Predigtforum“. Die Internet-Plattform für Verkündigung bietet Predigt-Impulse und Materialien zur Gottesdienstgestaltung und hat mit 13.000 Zugriffen pro Woche großen Zulauf. Im Interview spricht P. Hütter über Erneuerung des Glaubenslebens, die Bedeutung von Laien in der Kirche und über „echte“ Verkündigung, die das Herz berührt.

Pater Hütter, 1996 gründeten Sie das „Predigtforum“, das Impulse und Materialien im Internet bereitstellt für die Gottesdienstgestaltung und die Verkündigung der Frohbotschaft. Wie wichtig ist das alles heute?
Pater Hans Hütter: Für mich ist echte Verkündigung die zentrale Mission der Kirche. „Echt“ ist Verkündigung dann, wenn es um den persönlichen Glauben geht, und nicht um irgendwelche anderen Anliegen. Erst dann, wenn ich mich von der Frohbotschaft auch angesprochen fühle, kann der Glaube Wurzeln schlagen. Heute erlebe ich oft, dass Verkündigung durch manche Priester dürftig ist. Ich finde es problematisch, wenn die Predigt Personen vorbehalten ist, die der Sprache nicht ausreichend mächtig sind und lediglich einen theologischen Text vorlesen. Ganz ehrlich: In der Kirche Vorlesungen zu hören, das interessiert niemanden. Die Menschen gehen nicht mehr hin – zu viel Kopfarbeit. Ja, es braucht auch intellektuelle Anreize in der Predigt, aber biblische Texte müssen vor allem berühren.

... also weniger Kopf, und mehr Herz?
P. Hütter: Genau. Die Frage ist: Wie findet das Bibelwort Eingang in unser Herz – wie verinnerlichen wir es? Ein Schlüsselerlebnis dazu war für mich die Volksmission – das heißt, die Missionierung innerhalb bestehender Pfarren in Österreich. Als nach meinem Studienabschluss kein Kaplansposten frei war, sagte Pater Alois Kraxner, Ordensoberer und wie ich gebürtiger Steirer, zu mir: „Es ist zwar unüblich, aber probiers: Fang gleich mit der Volksmission an.“

Erst, wenn ich mich angesprochen fühle, kann der Glaube Wurzeln schlagen.

Die Gemeinde- oder Pfarrmission, wie wir unsere Aktivitäten zur Glaubenserneuerung nennen, war ein Schwerpunkt der Redemptoristen. Bald habe ich gespürt: Die Predigten im Rahmen einer Pfarrmission sind anders als „normale“ Predigten. Also habe ich begonnen, mich mit dem Thema „Verkündigung“ mehr auseinanderzusetzen.

Nach meinem Theologiestudium konnte ich in München am Institut für Katechetik und Homiletik der Deutschen Bischofskonferenz eine praxisnahe Weiterbildung „Homiletik und Erwachsenenbildung“ machen; kurz darauf lernte ich dann auch das Bibliodrama kennen und den Bibliolog. Beim Bibliolog versetzen sich die Zuhörenden gemeinsam gedanklich in den Bibeltext hinein. Beim Bibliodrama übernimmt jedeR TeilnehmerIn sogar körperlich die Rolle einer im Bibeltext vorkommenden Figur. Auf diese Weise wird das Wort der Schrift stärker verinnerlicht.

Der Redemptorist Hans Hütter. Im „Predigtforum“ stellen er und seine MitarbeiterInnen im Internet Materialien für Verkündigung bereit. | Foto: Predigtforum
  • Der Redemptorist Hans Hütter. Im „Predigtforum“ stellen er und seine MitarbeiterInnen im Internet Materialien für Verkündigung bereit.
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Ist das nicht auch in Bibelkreisen der Fall?
P. Hütter: Die Bibelkreise, deren große Zeit in den 1990er-Jahren war, haben meines Erachtens ein Manko: Die Weitergabe bibeltheologischer Informationen braucht eine Fachfrau oder einen Fachmann. Wichtiger als das Verstehen von Inhalten ist aber, dass Menschen lernen, sich gegenseitig anzuvertrauen, wie sie von Bibeltexten angesprochen worden sind. Diese Unterscheidung ist wichtig. Um Bibeltexte geht es natürlich auch bei „echter“ Verkündigung, aber mehr in Richtung „Bibel teilen“ und weniger im Sinne von „über Bibel diskutieren“. Wichtig ist der Austausch – das Diskutieren ist dabei eher ein bisschen verpönt (lacht).

Wann haben Sie selbst damit begonnen – mit dem Sich-Austauschen über Verkündigung?
P. Hütter: Nachdem ich selbst jahrelang in der Gemeindemission tätig war, habe ich in den späten 1980ern gespürt, dass die Mission in der Weise, wie wir sie auch mit Erfolg geführt haben, so nicht mehr weitergehen konnte – aus einem einfachen Grund: Wir hatten keine Leute mehr.

In den Pfarreien zeichnete sich der Umbruch ab, und angesichts des steigenden Priestermangels fragten wir uns: Wie können wir die MitarbeiterInnen vorbereiten auf eine Zeit, in der sie mehr mitarbeiten werden müssen? Also haben wir angefangen, nach anderen Erneuerungs-Modellen Ausschau zu halten. In der deutschen Diözese Rottenburg-Stuttgart gab es Anfang der 1990er-Jahre das sehr interessante Projekt der „Gemeinde-Erneuerung“ – eine neue Form der Pfarrmission. Die habe ich für Österreich adaptiert und in den nachfolgenden 20 Jahren danach gearbeitet.

Wie sah Ihre neue Form der Pfarrmission in der Praxis aus?
P. Hütter: Es ging darum, Menschen zu befähigen, Gruppen zu leiten und dort selbst Glaubensgespräche zu führen.
Dazu haben wir Gruppen gebildet, bestehend aus Priestern und Laien, Männern und Frauen – wobei die Frauen in der Überzahl waren. Diese Teams haben wir zwei Jahre lang begleitet und damit einen Erneuerungsprozess in der Gemeinde angestoßen. Unser Prinzip war, alle in einer Gemeinde befindlichen Gruppen und spirituellen Strömungen zusammenzuführen, um sie für unser Projekt der Erneuerung zu gewinnen.

Worum genau ging es bei „Erneuerung“?
P. Hütter: Das Ziel war, dass sich kleine, gemischte Gruppen in einer Pfarrgemeinde zu einem persönlichen Austausch über Glaubensfragen zusammenfinden.
Wir haben ganz bewusst Menschen aus der Gemeinde gesucht und darauf vorbereitet, eigenständig Gruppen zu bilden und innerhalb dieser Glaubensgespräche zu führen. Die Gruppengröße sollte zwölf nicht übersteigen, weil in größeren Gruppen persönliche Gespräche weniger gut möglich sind. Der Effekt war, dass die Menschen innerhalb der Gruppen wechselseitig Halt gefunden und sich ermutigt gefühlt haben, sich für die Glaubensweitergabe zu engagieren.

Kommt hier das Predigtforum ins Spiel?
P. Hütter: Genau. Es wurde gegründet für Menschen, die in der Verkündigung mittätig sind und sich als LaientheologInnen keine teuren Predigtzeitschriften leisten konnten. Im Predigtforum fanden sie online kostenlose Materialien – das wurde in Zusammenarbeit mit dem Bibelwerk ermöglicht. Heute dient das Predigtforum auch LektorInnen zur Vorbereitung und hilft zu verstehen, was man in der Bibel liest. Auch ich finde dort oft Anregungen für meine Predigten.

Mag. Hans Hütter wuchs  mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof nahe Gnas auf. Als Kind von der Redemptoristen-Volksmission fasziniert, trat er nach der Matura dem Orden bei. 1996 gründete er das Predigtforum. | Foto: Predigtforum
  • Mag. Hans Hütter wuchs mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof nahe Gnas auf. Als Kind von der Redemptoristen-Volksmission fasziniert, trat er nach der Matura dem Orden bei. 1996 gründete er das Predigtforum.
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Was haben Sie aus den vergangenen 30 Jahren der Verkündigung gelernt?
P. Hütter: Eine wichtige Erkenntnis ist: Glaubensvermittlung kann nur gelingen, wenn sie auf sehr persönliche Weise geschieht. Das haben Priester geschafft, als es noch viele gab, aber heute ist das für viele nicht mehr möglich. Deshalb sollen auch „einfache ChristInnen“ zur Glaubensweitergabe befähigt werden. Außerdem: Das Subjekt der Verkündigung ist nicht der Priester, sondern die Gemeinde – sie muss gestärkt werden. Es geht mir darum, dass Verkündigung wieder ein breites Anliegen der Kirche wird.

Was möchten Sie den Laien mitgeben, für die das Predigtforum vorrangig gedacht war?
P. Hütter: Immer wieder erlebe ich, dass Menschen, die sich zum Gebet treffen, nach einem Priester verlangen. Es scheint, als ob sie ohne Amtsträger ungern beten oder nicht sicher sind, ob das, was sie machen, „eh in Ordnung ist“. Ich wünsche mir, dass in der Kirche viel mehr eigenverantwortlich geschieht – auch auf das Risiko hin, dass das eine oder andere sich erst bewähren muss.

Interview: Anna Maria Steiner

Mehr Infos: predigtforum.com

Wenn Predigen das Herz berührt, geschieht echte Verkündigung, sagt Pater Hans Hütter. Das Bild zeigt das Gemälde „Die Predigt Johannes des Täufers“ von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1566. Das 
Ölbild auf Holz ist nach einer Szene aus den Evangelien nach Matthäus und Lukas benannt und befindet sich im ungarischen Kunstmuseum Szépművészeti Múzeum in Budapest. | Foto: wmc
Der Redemptorist Hans Hütter. Im „Predigtforum“ stellen er und seine MitarbeiterInnen im Internet Materialien für Verkündigung bereit. | Foto: Predigtforum
Mag. Hans Hütter wuchs  mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof nahe Gnas auf. Als Kind von der Redemptoristen-Volksmission fasziniert, trat er nach der Matura dem Orden bei. 1996 gründete er das Predigtforum. | Foto: Predigtforum
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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